
Ukraine: Reform des MilitÀrdienstes inmitten des Krieges
Die ukrainische Regierung steht vor einer groĂen Herausforderung. Immer weniger Ukrainer sind bereit, MilitĂ€rdienst zu leisten, mehr als anderthalb Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vielfĂ€ltig und reichen von der langen Dauer des Krieges, ĂŒber begrenzte Möglichkeiten, Soldaten an der Kontaktlinie auszuwechseln, bis hin zu LĂŒcken in der Gesetzgebung, die es ermöglichen, sich einer Mobilisierung zu entziehen.
Personalmangel im MilitÀr
Walerij Saluschnyj, Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte des Landes, hat die Motivationsprobleme bestĂ€tigt und versucht nun, mit verschiedenen MaĂnahmen den Dienst in der Armee attraktiver zu machen. Dies beinhaltet auch eine neue Personalpolitik. Andrij Kosintschuk, MilitĂ€rpsychologe und Kampfoffizier der ukrainischen StreitkrĂ€fte, betont jedoch, dass die Menschen an der Front knapp werden. "Sie sterben, werden verstĂŒmmelt, erkranken und altern", so Kosintschuk.
Reformen zur AttraktivitÀtssteigerung
Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, versucht die Regierung in Kiew, den MilitĂ€rdienst attraktiver zu gestalten. So wurde das Pilotprojekt "Smarte Mobilisierung" ins Leben gerufen, welches den Ukrainern ermöglicht, sich selbst eine militĂ€rische Funktion auszusuchen. "Eine Person entscheidet sich dafĂŒr, Drohnen zu steuern oder allgemein in einer Kompanie fĂŒr Angriffsdrohnen zu dienen. Das kann ein Pionier oder ein Fahrer sein, alle Funktionen sind verfĂŒgbar", erklĂ€rt der Minister fĂŒr digitale Transformation, Mychajlo Fedorow.
Zukunft des MilitÀrdienstes
Das neue Konzept der Personalpolitik fĂŒr das MilitĂ€r bis 2028, das vom ukrainischen Verteidigungsminister Rustem Umjerow bestĂ€tigt wurde, zielt darauf ab, einen Dienst auf Vertragsbasis einzufĂŒhren. Der verpflichtende MilitĂ€rdienst soll durch eine intensive militĂ€rische Ausbildung der BĂŒrger im Wehrpflichtalter ersetzt werden. Hierbei soll ein Ansatz verfolgt werden, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Ausbildung und berufliche Entwicklung MilitĂ€rangehöriger sowie die Geschlechtergleichheit berĂŒcksichtigt.
Die Frage bleibt jedoch offen, ob diese Reformen ausreichend sind, um die Bereitschaft zum MilitĂ€rdienst in der Ukraine zu steigern. Es ist fraglich, ob die Regierung in Kiew die notwendigen Ressourcen hat, um diese ambitionierten PlĂ€ne umzusetzen. Zudem stellt sich die Frage, ob es ethisch vertretbar ist, inmitten eines Krieges solche tiefgreifenden Reformen durchzufĂŒhren.
Die ukrainische Regierung muss sich fragen, ob sie nicht besser daran tĂ€te, nach politischen Lösungen zu suchen, anstatt ihre BĂŒrger zum MilitĂ€rdienst zu drĂ€ngen. Es ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen in Kiew diese Fragen ernst nehmen und entsprechend handeln.
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