
Trumps Glyphosat-Offensive: MAHA-Bewegung droht mit Entzug der Unterstützung

Es ist eine jener politischen Volten, die selbst hartgesottene Beobachter des Washingtoner Politikbetriebs zum Staunen bringen: Ausgerechnet Donald Trump, der seinen Wahlsieg 2024 nicht zuletzt der gesundheitsbewussten MAHA-Bewegung („Make America Healthy Again") verdankt, verordnet nun per Exekutivorder die Ankurbelung der heimischen Produktion des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Die Reaktion seiner einstigen Verbündeten? Blanke Empörung.
Ein Versprechen, das im Herbizid-Nebel verschwindet
Die Anhänger von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hatten sich von der Trump-Administration einiges erhofft – und zunächst auch bekommen. Die Reduzierung empfohlener Kinderimpfungen, die Förderung vollwertiger Lebensmittel in den neuen Ernährungsrichtlinien: All das klang nach einer Regierung, die den Sorgen gesundheitsbewusster Amerikaner endlich Gehör schenkte. Doch mit der jüngsten Exekutivorder, die den Defense Production Act bemüht, um die inländische Versorgung mit Phosphor und Glyphosat sicherzustellen, scheint dieses Kapitel abrupt beendet.
Kelly Ryerson, Co-Geschäftsführerin von American Regeneration und prominente Glyphosat-Kritikerin, brachte die Stimmung auf den Punkt: Nach dieser Exekutivorder sehe sie kaum noch Hoffnung, die MAHA-Wählerschaft bei der Stange zu halten. Deutlicher kann eine Warnung kaum ausfallen.
Bayer im Zentrum des Sturms
Der zeitliche Zusammenhang ist dabei alles andere als zufällig. Trumps Anordnung folgte unmittelbar auf den Vorschlag des deutschen Chemiegiganten Bayer – dem einzigen Glyphosat-Produzenten auf amerikanischem Boden –, einen Vergleich in Höhe von 7,25 Milliarden Dollar anzubieten, um Zehntausende von Klagen beizulegen. Die Kläger behaupten, das unter dem Markennamen Roundup vertriebene Herbizid verursache Krebs. Bereits im vergangenen August hatte Bayer gedroht, die US-Produktion einzustellen, sollten keine regulatorischen Änderungen vorgenommen werden, die das Unternehmen vor weiteren Klagen schützen. Die Vereinigten Staaten importieren derzeit große Mengen Glyphosat aus China – ein Umstand, den die Trump-Administration offenbar als Sicherheitsrisiko betrachtet.
Die wissenschaftliche Datenlage zu Glyphosat ist dabei keineswegs eindeutig. Während Bayer gebetsmühlenartig die Unbedenklichkeit des Wirkstoffs beteuert, deuten verschiedene Studien auf mögliche Auswirkungen auf das Hormonsystem und potenzielle Zusammenhänge mit Krebserkrankungen hin. Dass ausgerechnet ein deutsches Unternehmen, das sich mit der Übernahme von Monsanto ein milliardenschweres Rechtsrisiko ins Haus geholt hat, nun von einer amerikanischen Exekutivorder profitieren könnte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Kennedy zwischen den Fronten
Besonders pikant ist die Rolle von Robert F. Kennedy Jr. selbst. Der Mann, der Glyphosat noch 2024 auf der Plattform X als „einen der wahrscheinlichen Schuldigen an Amerikas Epidemie chronischer Krankheiten" bezeichnete, verteidigt nun die Exekutivorder seines Präsidenten – mit dem Argument der nationalen Sicherheit. Wenn feindlich gesinnte Akteure kritische Rohstoffe kontrollierten, schwächten sie die Sicherheit der Nation, so Kennedy in einer Stellungnahme. Durch den Ausbau der heimischen Produktion werde diese Lücke geschlossen und amerikanische Familien geschützt.
Man muss kein Zyniker sein, um in dieser argumentativen Pirouette einen bemerkenswerten Widerspruch zu erkennen. Derselbe Kennedy, der jahrelang gegen Glyphosat zu Felde zog, erklärt dessen verstärkte Produktion nun zur Frage der nationalen Sicherheit. Ob die MAHA-Basis diese Kehrtwende schluckt, darf bezweifelt werden.
Gefahr für die Zwischenwahlen im November
Die politischen Implikationen könnten erheblich sein. Die Republikaner kontrollieren zwar den Senat und – mit knapper Mehrheit – das Repräsentantenhaus, doch im November stehen sämtliche Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatssitze zur Wahl. Seit George W. Bush im Jahr 2006 hat jeder amtierende Präsident bei den Zwischenwahlen Sitze im Repräsentantenhaus verloren. Trumps aggressive Einwanderungspolitik und die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten belasten die Republikaner bereits jetzt – die Glyphosat-Kontroverse könnte sich als zusätzlicher Mühlstein erweisen.
Dave Murphy, Gründer von United We Eat und ehemaliger Finanzmanager in Kennedys Präsidentschaftskampagne, nannte die Exekutivorder einen „strategischen Fehler", der sich als Wahlkampf-Hypothek entpuppen könnte. Trump wäre ohne diese Anhänger kein zweites Mal ins Weiße Haus eingezogen, so Murphy unmissverständlich. Man erwarte, dass er sein Wort halte.
In den sozialen Medien machten MAHA-Unterstützer ihrem Unmut bereits massiv Luft. Bilder mit dem Slogan „Wir stimmen nicht zu, vergiftet zu werden" verbreiteten sich rasant. Die Organisation Moms Across America, deren Gründerin Zen Honeycutt eine langjährige Verbündete Kennedys ist, zirkuliert eine Petition, die Trump zur Rücknahme der Anordnung auffordert. Wahre nationale Sicherheit, so heißt es darin, bestehe in gesunden Familien und der Fähigkeit der nächsten Generation, sich fortzupflanzen und zu gedeihen.
Ein Lehrstück über politische Versprechen
Was sich in Washington derzeit abspielt, ist ein Lehrstück darüber, wie schnell politische Allianzen zerbrechen können, wenn wirtschaftliche Interessen und Gesundheitsbedenken aufeinanderprallen. Die MAHA-Bewegung, deren genaue Wählerstärke zwar umstritten ist, die aber einen erheblichen Teil von Kennedys Unterstützerbasis während seiner abgebrochenen Präsidentschaftskandidatur ausmachte, fühlt sich verraten. Und verraten fühlende Wähler sind bekanntlich die gefährlichsten – nicht für den politischen Gegner, sondern für denjenigen, der das Vertrauen verspielt hat.
Für europäische Beobachter – und insbesondere für Deutsche, die die endlosen Debatten um die Glyphosat-Zulassung in der EU noch bestens in Erinnerung haben – bietet der Vorgang eine bemerkenswerte Parallele. Auch hierzulande wurde und wird die Substanz kontrovers diskutiert, auch hierzulande stehen wirtschaftliche Interessen gegen Gesundheitsbedenken. Der Unterschied: In den USA wird der Konflikt nun mit der Brachialgewalt einer Exekutivorder ausgetragen, die den Defense Production Act – eigentlich ein Instrument für Kriegszeiten – für die Herbizid-Produktion zweckentfremdet.
Ob Trump mit dieser Entscheidung einen Pyrrhussieg errungen hat, werden die Zwischenwahlen im November zeigen. Eines steht jedoch fest: Die Zeiten, in denen die MAHA-Bewegung bedingungslos hinter dem Präsidenten stand, dürften vorbei sein. Und in einer politischen Landschaft, in der jede Stimme zählt, könnte sich das als teurer Fehler erweisen.
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