
Trumps eigene KI rebelliert: Wenn die Wahrheit dem Präsidenten widerspricht
Was passiert, wenn die eigene Technologie zum unbequemen Wahrheitssprecher wird? Diese Frage dürfte sich Donald Trump derzeit stellen, nachdem sein hauseigener KI-Chatbot auf Truth Social begonnen hat, zentrale Aussagen des US-Präsidenten öffentlich zu widerlegen. Die ironische Wendung: Ausgerechnet auf der Plattform, die Trump als Alternative zum "zensierten" Twitter gründete, erhält er nun digitalen Gegenwind aus den eigenen Reihen.
Die digitale Rebellion im Trump-Imperium
Die neu eingeführte "Truth Search AI" sollte eigentlich mit Elon Musks Grok und Mark Zuckerbergs Meta AI konkurrieren. Stattdessen entwickelte sich das von Perplexity entwickelte Tool zu einem digitalen Faktenchecker, der Trumps Narrativen systematisch demontiert. Besonders brisant: Die KI bezeichnet Zölle als das, was sie tatsächlich sind – eine Steuer für amerikanische Verbraucher. Eine Wahrheit, die Trump seit Jahren zu verschleiern versucht.
Noch pikanter wird es bei der Frage nach dem angeblichen Wahlbetrug 2020. Während Trump weiterhin von einer "gestohlenen Wahl" fabuliert, stellt seine eigene KI nüchtern fest, dass diese Behauptungen unbegründet seien. Auch die Ereignisse vom 6. Januar 2021 bezeichnet der Chatbot unverblümt als "gewalttätigen Aufstand", der mit Trumps haltlosen Betrugsvorwürfen in Verbindung stehe.
Der ultimative Schlag ins Gesicht
Den Gipfel der digitalen Demütigung erreichte die KI jedoch mit ihrer Antwort auf die Frage nach dem beliebtesten Präsidenten der Welt. Die Antwort? Barack Obama. Man kann sich Trumps Gesichtsausdruck beim Lesen dieser Zeilen lebhaft vorstellen – vermutlich irgendwo zwischen Schockstarre und Tobsuchtsanfall.
"Dies ist ihre Entscheidung für ihr Publikum, und wir setzen uns für die Entscheidung von Entwicklern und Verbrauchern ein"
So diplomatisch äußerte sich Jesse Dwyer von Perplexity zu dem Debakel. Dabei hatte Truth Social sogar versucht, die Quellen der KI auf konservative Medien wie Fox News und Newsmax zu beschränken. Offenbar reichte selbst diese Filterblase nicht aus, um die Realität vollständig auszusperren.
Ein Lehrstück über unkontrollierbare Technologie
Diese Episode offenbart ein fundamentales Problem moderner KI-Systeme: Selbst mit sorgfältiger Quellenauswahl lässt sich nicht vollständig kontrollieren, was diese Systeme letztendlich von sich geben. Die Ironie dabei ist kaum zu übersehen – ausgerechnet Trump, der stets die Kontrolle über seine Narrative behalten will, wird nun von seiner eigenen Technologie vorgeführt.
Die Frage, ob Truth Social die rebellische KI behalten wird, bleibt offen. Offiziell handelt es sich noch um einen "öffentlichen Betatest" – eine elegante Formulierung, die Trump einen gesichtswahrenden Rückzug ermöglichen würde. Das Weiße Haus schweigt bezeichnenderweise zu diesem digitalen Eigentor.
Was diese Peinlichkeit über Trumps Medienstrategie verrät
Der Vorfall wirft ein grelles Licht auf die Schwächen von Trumps Kommunikationsstrategie. Wer glaubt, durch die Schaffung eigener Plattformen die Realität nach Belieben formen zu können, wird früher oder später von ebendieser Realität eingeholt. Selbst die ausgefeilteste Technologie kann Fakten nicht dauerhaft unterdrücken – eine Lektion, die Trump auf die harte Tour lernen musste.
Während die etablierten Medien diese Geschichte genüsslich ausschlachten, zeigt sich einmal mehr: Die Wahrheit findet immer einen Weg – notfalls durch die eigene KI. In einer Zeit, in der Technologie zunehmend unser Leben bestimmt, sollte dieser Vorfall als Warnung dienen: Wer die digitalen Geister ruft, wird sie möglicherweise nicht mehr los.
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