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Kettner Edelmetalle
28.09.2026
06:14 Uhr
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Traktor-Protest im Fichtelgebirge: Bauern wehren sich gegen Mega-Umspannwerk

Traktor-Protest im Fichtelgebirge: Bauern wehren sich gegen Mega-Umspannwerk
Symbolbild: KI-generiert

Scheinwerfer gegen den Flächenfraß: Rund 500 Menschen haben am 19. September 2026 in Großwendern bei Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel gegen ein geplantes Umspannwerk des Netzbetreibers TenneT demonstriert. Mehr als 80 Traktoren steckten in der Dämmerung die mögliche Baufläche mit Licht ab. Sie ist rund 28 Hektar groß.

Das Bild war eindrucksvoll. Und es zeigt, wie groß der Unmut über die Energiewende im ländlichen Raum inzwischen ist.

39 Fußballfelder für Trafos und Stahlmasten

TenneT plant im Raum Marktleuthen und Kirchenlamitz ein neues 380/110-kV-Umspannwerk mit zwei Transformatoren. Nach Angaben des Landkreises rechnet der Netzbetreiber derzeit mit rund 28 Hektar Fläche, das sind etwa 39 Fußballfelder. Dazu soll eine neue 380-kV-Freileitung kommen, die aus Richtung Herlasgrün in Sachsen heranführt.

Für die Landwirte geht es um ihre Existenz. Wo einmal Beton gegossen und Stahl verbaut wird, wächst auf Jahrzehnte kein Getreide mehr. Für die Familienbetriebe, die ihre Äcker oft über Generationen bewirtschaften, ist das ein Verlust, den keine Entschädigung ausgleicht.

Aufgerufen hatte der Bayerische Bauernverband. Unterstützung kam von einer Bürgerinitiative und von Vertretern der betroffenen Kommunen. Die Zahl von rund 500 Teilnehmern nennt der Regionalsender TV Oberfranken.

Wofür dieser Standort? Die Kommunen haben Zweifel

Den Kritikern geht es aber nicht nur um die Größe der Anlage. Sie zweifeln grundsätzlich an, dass es gerade diesen Standort braucht. Die Stadt Kirchenlamitz beruft sich auf Erkenntnisse aus zwei Eilverfahren des Landratsamts Wunsiedel. Demnach habe der regionale Verteilnetzbetreiber Bayernwerk für diesen Ort gar keinen Bedarf an Transformatoren angemeldet.

Mehr noch: Laut Bayernwerk sei das bestehende 110-kV-Netz derzeit nicht für eine solche Anbindung ausgelegt. TenneT dagegen begründet das Vorhaben mit einer übergeordneten Betrachtung des gesamten Stromnetzes. Ist das eine Begründung, mit der man einem Landwirt erklären kann, dass er seinen besten Acker hergeben soll? Viele vor Ort bezweifeln das.

Entschieden ist noch nichts. Mehrere Suchräume in Marktleuthen und Kirchenlamitz sind im Gespräch. Der zuerst geprüfte Standort bei Mechlenreuth ließ sich nach Angaben der Stadt Kirchenlamitz nicht umsetzen, daraufhin weitete TenneT die Suche aus.

Die Eger-Elster-Leitung und der Preis der Energiewende

Das Umspannwerk soll die geplante Eger-Elster-Leitung ans Netz anbinden. Nach Angaben des Netzbetreibers 50Hertz fließt schon heute sehr viel Strom zwischen Mitteldeutschland und Bayern. Bestehende 380-kV-Verbindungen zwischen Thüringen und Bayern seien teilweise unzulässig hoch ausgelastet. Die neue Leitung soll mehr Kapazität schaffen und Ökostrom in den Süden bringen. In Betrieb gehen soll sie abschnittsweise ab 2037.

An dieser Stelle zeigt sich ein Grundproblem der deutschen Energiepolitik. Windräder und Solarparks wurden jahrelang im Eiltempo genehmigt, der Netzausbau kam nicht hinterher. Die Rechnung dafür bezahlen jetzt ländliche Regionen mit ihren Flächen und alle Verbraucher mit ihren Netzentgelten.

Die Bundesnetzagentur muss noch entscheiden

Wichtig ist, zwei Fragen auseinanderzuhalten: Braucht es die überregionale Leitung? Und wo genau soll das Umspannwerk stehen? Beides ist noch offen. Die Bundesnetzagentur prüft derzeit den Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045. Die öffentliche Konsultation endete am 24. August 2026, bestätigt ist der Plan noch nicht.

Der Streit um Größe und Standort geht also weiter. Die Bauern im Fichtelgebirge haben gezeigt, dass sie sich nicht einfach übergehen lassen. Die Energiewende wird vom Schreibtisch aus geplant, bezahlt wird sie auf dem Acker. Ob die Planer in Berlin und Bayreuth diese Botschaft verstanden haben, zeigt sich bei der Entscheidung über den Standort.

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