
Tor der Tränen: Peking fordert freie Fahrt im Roten Meer!

China mischt sich erstmals offiziell in die Schifffahrtskrise am Roten Meer ein. In einer gemeinsamen Erklärung mit Dschibuti fordert Peking am Donnerstag, dem 22. Oktober, freie Durchfahrt durch die Meerenge Bab al-Mandeb. Seit dem Krieg zwischen den USA und dem Iran ist diese Lebensader des Welthandels massiv gestört.
Es ist das erste formelle Dokument dieser Art, das die Volksrepublik mit einem Anrainerstaat des Roten Meeres zu den Folgen des Krieges veröffentlicht. Vorausgegangen war ein Treffen von Außenminister Wang Yi mit seinem dschibutischen Amtskollegen Abdoulkader Houssein Omar am Mittwoch in Peking.
Was Peking und Dschibuti fordern
Beide Seiten betonen in dem Kommuniqué, wie wichtig die Freiheit der Schifffahrt im Roten Meer und in der Meerenge sei. Die Durchfahrtsrechte, die Handelsschiffe aller Nationen nach internationalem Recht genießen, müssten respektiert werden. China unterstütze die Küstenstaaten dabei, die Seewege auf „konstruktive“ Weise offen und sicher zu halten.
Chinesischen Staatsmedien zufolge mahnt die Erklärung außerdem zur Zurückhaltung beim Einsatz von Gewalt und kritisiert einseitige Sanktionen. Das ist ein kaum verhüllter Seitenhieb in Richtung Washington. Peking inszeniert sich also wieder einmal als Hüter des Völkerrechts, und zwar ausgerechnet dort, wo es seit 2017 seinen ersten Militärstützpunkt im Ausland betreibt: in Dschibuti.
Ein Nadelöhr unter Beschuss
Bab al-Mandeb heißt übersetzt „Tor der Tränen“. Der Name passt derzeit erschreckend gut. Laut Analysen fließen durch die Meerenge rund 8 Prozent des weltweiten Ölhandels und etwa 15 Prozent des globalen Warenverkehrs. Wer hier den Hahn zudreht, trifft die Lieferketten zwischen Asien und Europa direkt.
Und genau das passiert seit Monaten. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen hatten Medienberichten zufolge im Juli eine Seeblockade gegen saudische Häfen ausgerufen. Im September brachten sie dann die Hafenstadt Mokka und die strategisch wichtige Insel Perim unter ihre Kontrolle. Anfang Oktober sollen jemenitische Regierungstruppen mit massiver saudischer Luftunterstützung große Teile der Küste zurückerobert haben. Die Huthi meldeten daraufhin Angriffe auf Ziele in Saudi-Arabien, darunter den Flughafen von Riad.
Doppelter Würgegriff
Gleichzeitig ist auch die Straße von Hormus schwer beeinträchtigt. Dort häufen sich iranische Angriffe auf Handelsschiffe, und die USA blockieren iranische Häfen. Zwei der wichtigsten Engpässe der Weltwirtschaft stehen damit zeitgleich unter Druck. Ein Albtraum für jede Exportnation, und Deutschland ist eine.
Große Worte, aber keine Kriegsschiffe?
Beobachter werten das Kommuniqué als diplomatische Eskalation. Experten halten chinesische Marineeinsätze zur Sicherung der Route aber weiterhin für unwahrscheinlich. Peking dürfte also bei warmen Worten bleiben und anderen die gefährliche Arbeit überlassen. Wer genau hinsieht, erkennt darin ein bekanntes Muster: China pocht auf freie Handelswege, von denen seine Exportwirtschaft lebt, scheut aber das militärische Risiko.
Und Europa? Die EU hält sich in dem geopolitischen Machtpoker auffällig zurück, während Washington und Peking die Region unter sich aufteilen. Für deutsche Reeder, Importeure und am Ende auch für Verbraucher bedeutet jede Woche Chaos am Roten Meer längere Umwege, höhere Frachtraten und steigende Energiepreise.
Unsicherheit als Dauerzustand
Die Lage zeigt erneut, wie verwundbar eine globalisierte Wirtschaft ist, wenn ein paar Seemeilen Wasser zum Spielball von Milizen und Großmächten werden. An den Märkten herrscht spürbare Nervosität. In solchen Phasen besinnen sich viele Anleger auf bewährte Werte. Physisches Gold und Silber hängen weder an Lieferketten noch an Seewegen, und sie können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio zur Vermögenssicherung beitragen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.
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