
Test-Verbot für China-Labore: Droht jetzt der große Elektronik-Stau?

Washington dreht im Technologiestreit mit Peking die nächste Schraube an. Die US-Telekommunikationsbehörde FCC hat am Donnerstag, dem 29. Oktober, beschlossen, Prüflaboren in Festland-China ab dem 1. Dezember 2028 die Anerkennung zu entziehen. Ob Smartphone, Laptop oder Kamera: Mit einem chinesischen Prüfbericht käme dann praktisch kein Gerät mehr auf den US-Markt. Die Industrie schlägt Alarm.
Das Nadelöhr, über das kaum jemand spricht
Jedes Gerät, das Funksignale aussendet, braucht in den USA eine Zulassung der FCC. Grundlage sind Messungen anerkannter Labore, die anschließend private Zertifizierungsstellen prüfen. Ohne dieses Siegel gibt es keinen Verkauf.
Wie abhängig Amerika dabei geworden ist, zeigen Zahlen von FCC-Chef Brendan Carr: 82 Prozent aller Elektronikgeräte seien 2025 in China getestet worden, nur rund vier Prozent in den USA. Medienberichten zufolge lag das Verhältnis 2007 noch ganz anders, damals bei etwa 31 Prozent für US-Labore und 13 Prozent für chinesische. Zwei Jahrzehnte Auslagerung haben das Bild komplett umgekehrt.
Carrs Begründung: Das Einfallstor für Spione
Carr nennt die Labore ein zentrales Einfallstor in die amerikanische Kommunikationsinfrastruktur. Sie erhielten oft Monate vor Marktstart vertrauliche Daten über neue Produkte. Damit könnten sie nach seiner Darstellung unsichere Technik in die USA lassen, Netze stören oder sogar geistiges Eigentum stehlen. Kritiker verweisen außerdem auf Chinas Geheimdienstgesetz von 2017, das Organisationen zur Kooperation mit den Diensten verpflichtet.
Bisher galt eine mildere Regel. Im Mai 2025 hatte die FCC nur Labore ausgeschlossen, die dem chinesischen Staat gehören oder von ihm kontrolliert werden. Jetzt zählt der Standort: Gesperrt wird jedes Land, das US-Laboren keinen gleichwertigen Zugang gewährt. China erfüllt diese Bedingung nicht. Peking hat Berichten zufolge bereits bei der Welthandelsorganisation WTO Beschwerde eingelegt.
Industrie warnt: Engpässe, Stau, höhere Preise
Sechs große US-Branchenverbände, darunter die Consumer Technology Association und die Telecommunications Industry Association, hatten in einem gemeinsamen Schreiben protestiert. Die Behörde solle Eigentum und Kontrolle ins Visier nehmen und nicht die Landkarte. Sonst schrumpften die globalen Testkapazitäten, Markteinführungen verzögerten sich und die Kosten stiegen.
Gefordert hatten die Verbände eine Übergangsfrist von drei bis fünf Jahren. Bekommen haben sie rund 25 Monate. Teuer dürfte es obendrein werden, denn nach Angaben eines US-Laborbetreibers testen chinesische Einrichtungen 30 bis 70 Prozent günstiger als amerikanische.
Die Frage ist gestellt, die Antwort fehlt
Als Ausweichstandorte gelten vor allem Taiwan, die USA und die EU. Von 609 anerkannten Laboren liegen gut 25 Prozent in China, 18,4 Prozent in Taiwan und 17,9 Prozent in den USA. Allerdings ist keine dieser Regionen darauf ausgelegt, das gewaltige chinesische Volumen aufzufangen. Wie Amerika eigene Kapazitäten aufbauen will, lässt die FCC vorerst offen und hat dazu lediglich ein weiteres Konsultationsverfahren gestartet.
Ein Lehrstück auch für Berlin und Brüssel
Der Beschluss ist kein Einzelfall. Die FCC hat bereits neue Modelle chinesischer Drohnen und Router verboten und den Verkauf von Geräten mit kritischer Hardware bestimmter chinesischer Firmen untersagt. Wie berichtet wird, fällt die neue Entscheidung zudem in die Zeit kurz vor einem Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping.
Für Europa birgt das Chancen und Risiken zugleich. EU-Labore könnten Aufträge gewinnen. Wer als Hersteller dagegen auf billige Tests in China setzt, müsste umplanen, und das zusätzlich zu den US-Zöllen von 20 Prozent auf EU-Waren. Die eigentliche Lehre geht tiefer: Wer Kernfunktionen jahrzehntelang aus Kostengründen auslagert, verliert irgendwann die Kontrolle. Auch Deutschland hängt bei Rohstoffen, Chips und Arzneimitteln gefährlich stark an China.
Fazit: Die Welt zerfällt in Blöcke
Die Abkopplung der beiden größten Volkswirtschaften schreitet voran, Stück für Stück. Lieferketten werden teurer, die Planungssicherheit schwindet. In einer solchen Welt besinnen sich viele Sparer auf Werte, die keinen Prüfbericht und kein Zertifikat brauchen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio helfen, das eigene Vermögen gegen geopolitische Erschütterungen abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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