
Stillstand am BER: Wenn Gewerkschaftsmacht 57.000 Reisende in Geiselhaft nimmt
Es ist ein Schauspiel, das sich in Deutschland mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederholt: Eine Gewerkschaft ruft zum Streik, Zehntausende Bürger werden zu Leidtragenden, und am Ende sitzen alle wieder am Verhandlungstisch – als wäre nichts gewesen. Am 18. März 2026 trifft es erneut den Flughafen Berlin Brandenburg, jenes milliardenschwere Pannenprojekt, das schon vor seiner Eröffnung zum Sinnbild deutscher Planungsinkompetenz wurde. Rund 57.000 Passagiere stehen vor dem Nichts. Keine Starts, keine Landungen. Willkommen in der Hauptstadt.
Verdis Kampfansage: Ein Prozent ist „ein Witz"
Die Gewerkschaft Verdi hat die rund 2.000 Beschäftigten der Flughafengesellschaft FBB zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen – und droht unverhohlen mit weiteren Arbeitsniederlegungen. Der Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler bezeichnete das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite als „Witz" und „Provokation am Verhandlungstisch". Was genau hat die Gemüter derart erhitzt? Die FBB biete bis Ende 2028 lediglich rund ein Prozent Lohnsteigerung pro Jahr an. Angesichts einer Inflation, die den Bürgern seit Jahren das Geld aus der Tasche zieht, bedeute dies einen spürbaren Reallohnverlust.
Man muss kein Gewerkschaftssympathisant sein, um zu verstehen, dass ein Prozent mehr Lohn bei gleichzeitig steigenden Lebenshaltungskosten kaum als großzügiges Angebot durchgeht. Doch die Frage, die sich stellt, ist eine andere: Muss dafür ein ganzer Flughafen lahmgelegt werden? Müssen Familien ihre Urlaubspläne über den Haufen werfen, Geschäftsreisende ihre Termine absagen und Frachtkunden auf ihre Lieferungen warten?
Sicherheit als Druckmittel
Die Streikwirkung am BER ist deshalb so verheerend, weil die FBB-Beschäftigten für sicherheitsrelevante Bereiche zuständig sind. Die Werkfeuerwehr, die Vorfeldbefeuerung, die Follow-me-Fahrzeuge, die IT-Systeme, die Verkehrsleitung – all das liegt in den Händen der Flughafengesellschaft. Ohne diese Mitarbeiter sind Landungen schlicht unmöglich. Starts wären theoretisch denkbar, doch welcher Pilot würde das Risiko eingehen, ohne funktionierende Sicherheitsinfrastruktur abzuheben? Keiner, der bei Verstand ist.
Verdi weiß um diese Hebelwirkung – und nutzt sie mit chirurgischer Präzision. Es ist ein Machtspiel, bei dem die Passagiere als Geiseln dienen. Rund 445 Flugbewegungen waren für den Streiktag geplant. Alle gestrichen. Die FBB bittet ihre Fluggäste, sich bei den Airlines über Umbuchungen zu informieren – eine hilflose Geste angesichts des Chaos.
Die Geschäftsführung zwischen Beschwichtigung und Ohnmacht
FBB-Chefin Aletta von Massenbach nannte den Warnstreik „unverhältnismäßig" und verwies auf die ohnehin angespannte Lage durch den Iran-Krieg, der das Passagieraufkommen bereits deutlich gesenkt habe. Eine bemerkenswerte Argumentation: Weil der Flughafen ohnehin unter geopolitischen Verwerfungen leidet, solle die Belegschaft bitte stillhalten. Ob diese Logik bei Menschen verfängt, die jeden Monat aufs Neue feststellen müssen, dass ihr Gehalt weniger wert ist als im Vorjahr, darf bezweifelt werden.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 25. März angesetzt. Von Massenbach gibt sich zuversichtlich, dass eine Einigung möglich sei. Rößler hingegen hält die Drohkulisse aufrecht und kündigt an, dass über weitere Arbeitskampfmaßnahmen entschieden werde, sollte das Angebot nicht substanziell nachgebessert werden.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Der Tarifkonflikt am BER ist mehr als ein gewöhnlicher Arbeitskampf. Er ist ein Symptom für den desolaten Zustand der öffentlichen Infrastruktur in Deutschland. Der BER, der dem Land Berlin, dem Land Brandenburg und dem Bund gehört, war von Anfang an ein Fass ohne Boden. Milliarden an Steuergeldern versickerten in einem Bauprojekt, das sich um Jahre verzögerte und dessen Kosten explodierten. Dass nun ausgerechnet die Beschäftigten dieses staatlichen Unternehmens um angemessene Löhne kämpfen müssen, hat eine bittere Ironie.
Dabei zeigt der internationale Vergleich, dass Deutschland eigentlich kein klassisches Streikland ist. Im Jahr 2024 fielen hierzulande durchschnittlich nur 11,2 Arbeitstage je tausend Beschäftigte durch Streiks aus – deutlich weniger als etwa 2015 mit über 28 Ausfalltagen. Doch im Bereich Verkehr und Gastgewerbe liegt der Wert mit 23 Ausfalltagen erheblich höher. Es sind gerade die Bereiche, in denen Streiks die Bürger am härtesten treffen, die besonders anfällig für Arbeitskämpfe sind.
Wenn der Staat versagt, zahlt der Bürger
Was bleibt, ist ein vertrautes Muster: Der Staat betreibt ein Unternehmen, das chronisch unterfinanziert und schlecht gemanagt wird. Die Beschäftigten werden mit Almosen abgespeist, während die politisch Verantwortlichen anderswo Milliarden für ideologische Prestigeprojekte versenken. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung für Infrastruktur klingt auf dem Papier großartig – doch ob davon jemals etwas bei den Menschen ankommt, die täglich den Betrieb am Laufen halten, steht in den Sternen.
Die Bürger dieses Landes haben es satt, die Zeche für politisches Versagen zu zahlen. Ob als Steuerzahler, der die BER-Milliarden finanziert hat, oder als gestrandeter Passagier, der hilflos vor der Anzeigetafel steht – am Ende ist es immer der normale Deutsche, der den Preis bezahlt. Für eine Politik, die lieber Schulden macht, als solide zu wirtschaften. Für eine Infrastruktur, die bröckelt, während man sich in Berlin mit Gender-Sternchen und Klimaneutralitätszielen beschäftigt.
Der BER-Streik ist kein isoliertes Ereignis. Er ist ein weiteres Mosaiksteinchen im Bild eines Landes, das seine Prioritäten verloren hat. Und solange sich daran nichts ändert, werden die Bürger weiter die Leidtragenden sein – ob am Flughafen, an der Supermarktkasse oder auf dem Gehaltszettel.

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