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09.01.2026
06:58 Uhr

Steuergeld für Scheinmedien: Wie die Bundesregierung fragwürdige Verlage des Kulturstaatsministers päppelt

Steuergeld für Scheinmedien: Wie die Bundesregierung fragwürdige Verlage des Kulturstaatsministers päppelt

Ein Skandal, der in jedem funktionierenden Rechtsstaat Köpfe rollen lassen müsste, wird in Berlin offenbar achselzuckend hingenommen. Über 140.000 Euro an Steuergeldern flossen in den vergangenen Jahren an die Weimer Media Group – jenes Unternehmen, das ausgerechnet dem amtierenden Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gehört. Das Pikante daran: Die Medienportale, auf denen die Bundesregierung ihre teuren Anzeigen schaltete, erreichen kaum mehr Leser als ein durchschnittlicher Aushang am schwarzen Brett einer Dorfkneipe.

Anzeigen für Geisterportale

Die Zahlen, die eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Erwin Renner zutage förderte, sind erschütternd. Das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung überwies in den Jahren 2023 und 2024 stolze 37.087,89 Euro brutto an die Weimer Media Group – angeblich zur Bewerbung des Deutschen Fachkräftepreises. Das Bundeswirtschaftsministerium setzte noch einen drauf: 47.338 Euro im Jahr 2024 sowie weitere 63.886,34 Euro in den Jahren 2022 und 2023 wanderten in die Kassen des Verlegerministers.

Doch was bekam der Steuerzahler für sein Geld? Einen Blick auf die Reichweitenzahlen der beworbenen Medien genügt, um die Absurdität dieser Ausgaben zu begreifen. Das vermeintliche Flaggschiff „The European" verzeichnete im September 2025 gerade einmal 21.879 Besuche. Der „Wirtschaftskurier" brachte es auf kümmerliche 948 Visits. Zum Vergleich: Ein mittelmäßig erfolgreicher Instagram-Account eines Hobbyfotografen erreicht mehr Menschen.

Druckauflage als Potemkinsches Dorf

Besonders entlarvend sind die Zahlen des Magazins „Markt und Mittelstand". Mit einer Druckauflage von 62.500 Exemplaren könnte man meinen, hier handle es sich um ein ernstzunehmendes Wirtschaftsmedium. Die Realität sieht anders aus: Lediglich 290 zahlende Abonnenten stehen einer Verschenkquote von über 97 Prozent gegenüber. Fast die gesamte Auflage wird als Freistücke oder Bordexemplare verteilt – ein klassisches Modell, um Reichweite vorzutäuschen, wo keine existiert.

Man fragt sich unweigerlich: Welcher Beamte hat diese Anzeigenschaltungen genehmigt? Welche Prüfung der Wirtschaftlichkeit fand statt? Oder war die Entscheidung womöglich von vornherein politisch motiviert?

Ein Netzwerk der Gefälligkeiten

Die Verflechtungen reichen tiefer, als es auf den ersten Blick scheint. Neben den Bundesgeldern kassierte Weimer bereits über 300.000 Euro aus verschiedenen Töpfen der Bayerischen Staatsregierung für seinen privaten „Ludwig Erhard Gipfel". Auch Hessen griff 2025 mit 30.000 Euro in die Landeskasse. Ein Muster wird erkennbar: Wer die richtigen Kontakte pflegt, dem fließen die Mittel zu – unabhängig von messbarem Nutzen oder journalistischer Relevanz.

Dass Bundesministerin Dorothee Bär und Parlamentarische Staatssekretärin Gitta Connemann noch im Jahr 2025 an Weimers „Frankfurt Finance & Future Summit" teilnahmen, obwohl die Interessenkonflikte längst öffentlich bekannt waren, spricht Bände über das Selbstverständnis der politischen Klasse. Die Botschaft ist klar: Wir machen weiter wie bisher, und ihr könnt uns nichts anhaben.

Die Scheinlösung der Bundesregierung

Die offizielle Reaktion der Bundesregierung auf die Vorwürfe grenzt an Realsatire. Man habe festgelegt, so heißt es, dass bei künftigen Geschäften mit der Weimer Media Group nicht der Staatsminister selbst, sondern ein leitender Beamter die Behörde vertreten werde. Mit anderen Worten: Das Geld wird weiter fließen, nur unterschreibt jetzt jemand anderes. Ein Beamter muss seinen Kopf hinhalten, während der Minister kassiert.

Dass Weimer die Geschäftsführung formal an seine Ehefrau übertragen hat, wird als ausreichende Maßnahme zur Vermeidung von Interessenkonflikten dargestellt. Eine Argumentation, die jeden Compliance-Beauftragten eines mittelständischen Unternehmens in schallendes Gelächter ausbrechen ließe.

„Mitglieder der Bundesregierung, die ein eigenes Unternehmen betreiben, sollen nicht zu dessen Geschäftsaufgabe gezwungen werden"

So lautet die offizielle Lesart. Man wolle schließlich nicht die „wirtschaftliche Existenz der Regierungsmitglieder vernichten". Eine bemerkenswerte Fürsorge für jene, die gleichzeitig über die Verwendung von Milliarden an Steuergeldern entscheiden.

Der Filz als Systemkonstante

Was wir hier beobachten, ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines tiefgreifenden strukturellen Problems. Die Grenzen zwischen Amt und privatem Geschäft verschwimmen, Kontrollen versagen, und die politische Klasse schützt sich gegenseitig. Während der kleine Rentner, der Pfandflaschen sammelt, vom Sozialamt sanktioniert wird, fließen Hunderttausende Euro an Ministerunternehmen mit fragwürdiger Wirkung.

Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hatte versprochen, für mehr Transparenz und Sauberkeit in der Politik zu sorgen. Der Fall Weimer zeigt, wie viel diese Versprechen wert sind: nichts. Der Kulturstaatsminister sitzt fest im Sattel, die Gelder fließen weiter, und die Öffentlichkeit wird mit Scheinlösungen abgespeist.

In Zeiten, in denen der Staat jeden Euro zweimal umdrehen müsste, in denen Infrastruktur verfällt und Schulen bröckeln, leistet sich die Bundesregierung den Luxus, wirkungslose Anzeigen in Geistermedien zu schalten. Der Bürger zahlt, der Minister profitiert, und niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Willkommen in der deutschen Realität des Jahres 2026.

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