
Statt Tore: ARD-Sportschau diskutiert plötzlich über die AfD

Die ARD hat in der jüngsten Ausgabe der Sportschau nicht nur über Fußball berichtet, sondern über Parteipolitik im Amateursport. Zentrale Frage der Sendung: „Wie umgehen mit der AfD im Sport?“ Aufhänger war ein Fall aus dem Fußballkreis Euskirchen – und die Sendung lief nur wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September.
Acht Rücktritte wegen eines Schiedsrichters
Im Sommer waren dem Bericht zufolge acht langjährige Ehrenamtler aus Sportgericht und Vorstand des Fußballkreises Euskirchen zurückgetreten. Der Grund: Bekannt geworden war, dass der Schiedsrichter und Jungschiedsrichterbeauftragte Noah Schmuck zugleich als AfD-Funktionär aktiv ist.
Schmuck kommt in dem Beitrag selbst zu Wort. Er weist den Eindruck zurück, seine politische Arbeit auf die Betreuung junger Schiedsrichter zu übertragen. Parteiarbeit unter 36-Jährigen und Jugendarbeit im Fußball seien getrennte Bereiche mit jeweils eigenen Themen.
Bemerkenswert ist, was die ARD selbst einräumt: Keiner der Zurückgetretenen habe vor die Kamera treten wollen – aus „Sorge um die Familie“. Einige seien angefeindet worden und hätten bedrohliche E-Mails erhalten. Ein Klima, das im Sportverein eigentlich nichts zu suchen hat.
Ein Verbandspräsident und das Recht
Nüchtern bleibt in dem Beitrag ausgerechnet der Präsident des Fußballverbands Mittelrhein, Christos Katzidis. Die AfD sei eine zugelassene Partei, der Schiedsrichter bislang nicht negativ aufgefallen.
„Müssen wir uns, das sagen auch unsere Juristen, an Verhaltensweisen orientieren und da war er unauffällig bisher.“
Der Sender bohrt laut Beitrag dennoch nach: Schmuck sei Mitglied der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“, die in Nordrhein-Westfalen vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet werde. Eingeblendete Forderungen nach „Remigration“ stammten allerdings aus Nutzerkommentaren auf Instagram – nicht von der Organisation selbst. Wer so montiert, muss sich den Vorwurf der Suggestion gefallen lassen.
„Scheiß AfD“ aus der Soundbox – im Gebührenfernsehen
Zweiter Schauplatz: das bayerische Polling. Dort demonstrierte eine Bürgerinitiative vor dem örtlichen Sportheim gegen eine Veranstaltung. Die Sportschau zeigt Aufnahmen der Kundgebung, samt Regenbogenfahnen – und aus einer mitgebrachten Soundbox erklingt der Gesang „Scheiß AfD“.
Eine Bürgerin berichtet, eine Familie habe ihre Kinder aus dem Sportverein genommen. Man habe sich durch die fehlende Abgrenzung, „dieses Schweigen“, zunehmend unwohl gefühlt. Der Protest richtete sich gegen den AfD-Kommunalpolitiker Martin Wieser, der 20 Jahre stellvertretender Kreisvorsitzender im Bayerischen Landessportverband war. Wieser war dem Bericht zufolge wegen der Verwendung der Parole „Alles für Deutschland“ verurteilt und kurz darauf aus dem Sportverband ausgeschlossen worden.
Was in der Sendung fehlte
Eine Einordnung blieb aus, die aus Sicht unserer Redaktion dazugehört hätte: Das Verwaltungsgericht Köln entschied im Februar 2026, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als „gesichert rechtsextremistisch“ einstufen und behandeln darf; einzelne Landesverbände werden von den Ämtern hingegen so geführt. Wer öffentlich-rechtlich finanziert wird, sollte solche Differenzierungen liefern.
In Sachsen-Anhalt sehen aktuelle Umfragen die AfD bei über 40 Prozent, deutlich vor der CDU. Für viele Beitragszahler dürfte sich deshalb eine unbequeme Frage stellen: Warum verhandelt eine Fußballsendung Parteipolitik – und das ausgerechnet in der Woche vor einer Landtagswahl? Der Amateursport lebt von Ehrenamtlern, die Wochenende für Wochenende Platzdienst schieben. Sie zu politischen Bekenntnisproben zu zwingen, könnte am Ende vor allem eines kosten: die Vereine selbst.












