
Staatsfonds warnt: US-Aktienrally läuft auf Reißleine zu

Der beste Staatsfonds der Welt zieht die Handbremse. Jo Townsend, Chefin der Guardians of New Zealand Superannuation, hat am Mittwoch vor einer Korrektur an den US-Aktienmärkten gewarnt — ausgerechnet im Moment eines Rekordjahres. Der neuseeländische Pensionsfonds legte im Geschäftsjahr bis zum 30. Juni um 14,2 Prozent zu.
Volumen des Fonds: 94,4 Milliarden neuseeländische Dollar, rund 54,4 Milliarden US-Dollar. Ein Plus von 9,3 Milliarden NZD in einem Jahr. Und trotzdem klingt die Botschaft aus Auckland wie eine Mahnung an alle, die glauben, Aktienkurse kennen nur eine Richtung.
„Rückkehr zum Mittelwert" — die unbequeme Rechnung
Townsend nennt den Grund für ihre Skepsis nüchtern: Die Renditen amerikanischer Aktien lägen in den letzten beiden Jahren nahe dem Doppelten der durchschnittlichen Jahresrendite der vergangenen zwei Jahrzehnte.
„Returns for U.S. equities over the past couple of years are close to double annualized returns for the past 20 years, so we would expect there to be some reversion to the mean at some point."
Kurzfristig, so Townsend, könne ein konzentriertes Portfolio glänzen. Langfristig halte man ein breiter gestreutes Depot für das passendere Werkzeug. Übersetzt: Wer alles auf eine Handvoll Tech-Titel setzt, spielt mit dem Feuer.
Nvidia, Apple, Microsoft — das Klumpenrisiko im Fonds selbst
Bemerkenswert ist, dass der Fonds selbst tief in dieser Konzentration steckt. Zum Jahresende war die größte Position eine Nvidia-Beteiligung über drei Milliarden NZD, gefolgt von Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon. Das gesamte US-Aktienportfolio lag bei 31,7 Milliarden NZD.
Die Konsequenz der Warnung zeigt sich in den eigenen Annahmen: Die Guardians senkten ihre langfristige Renditeerwartung bereits von 7,8 auf 7,2 Prozent und kürzten das Risikobudget für aktive Wetten. Über 20 Jahre erzielte der Fonds im Schnitt 9,68 Prozent pro Jahr — im vergangenen Geschäftsjahr blieb er 0,1 Prozentpunkte hinter seinem Vergleichsindex.
Auch Norwegens Ölfonds tritt auf die Bremse
Neuseeland steht damit nicht allein. Nicolai Tangen, Chef der Norges Bank Investment Management, sagte im Vormonat gegenüber CNBC, man solle künftig nicht mit denselben Renditen rechnen wie in den letzten sechs Monaten. Norwegens Ölfonds verwaltet rund 2,3 Billionen US-Dollar und verbuchte im ersten Halbjahr einen Rekordgewinn von knapp 185 Milliarden Dollar.
Wenn zwei der professionellsten Kapitalsammelstellen der Welt gleichzeitig zur Vorsicht rufen, ist das mehr als Routine-Rhetorik. Der neuseeländische Fonds wurde 2001 gegründet, um die Pensionslast einer alternden Gesellschaft abzufedern — die ersten Entnahmen sind erst für 2054 geplant. Solche Häuser denken in Jahrzehnten, nicht in Quartalen.
Was daraus folgt
Interessant ist, wohin das Kapital der Vorsichtigen wandert. Laut World Gold Council kauften Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 netto rund 289 Tonnen Gold — ein Rekordwert für ein zweites Quartal. Berichten zufolge markierte der Goldpreis zuletzt Notierungen oberhalb von 4.600 US-Dollar je Unze.
Die Fonds diversifizieren in Wald, Immobilien und Privatmärkte, die Notenbanken in physisches Metall. Beide tun dasselbe: Sie verringern die Abhängigkeit von einem einzigen, heiß gelaufenen Markt. Für Privatanleger ist das eine unaufgeregte Lektion — Streuung schlägt Euphorie.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger muss eigene Recherchen anstellen und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
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