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Kettner Edelmetalle
19.01.2026
13:04 Uhr

Spionage unter Verbündeten: US-Militär versuchte heimlich Informationen über Grönland abzuschöpfen

Was sich derzeit zwischen Washington und Kopenhagen abspielt, liest sich wie ein Kapitel aus einem Kalten-Krieg-Thriller – nur dass diesmal die vermeintlichen Verbündeten die Hauptrollen spielen. Geheime Dokumente, die der dänischen Zeitung „Berlingske" zugespielt wurden, offenbaren ein beunruhigendes Bild: Die USA sollen systematisch versucht haben, dänische Militärangehörige zur Preisgabe sensibler Informationen über Grönland zu bewegen.

Verdächtige E-Mails kurz nach Trumps Wahlsieg

Die Brisanz der Enthüllungen liegt nicht nur im Inhalt, sondern auch im Timing. Bereits im Januar 2025, also unmittelbar nach Donald Trumps erneutem Einzug ins Weiße Haus, erreichten mysteriöse Anfragen das dänische Militärkommando auf der arktischen Insel. Ein amerikanischer Militärangehöriger – dessen Identität aus Sicherheitsgründen unter Verschluss gehalten wird – kontaktierte die Dänen gleich zweimal innerhalb von sechs Tagen per E-Mail.

Die Anfragen waren keineswegs harmlos: Es ging um Häfen, Flughäfen sowie Kommunikations- und Radaranlagen. Mit anderen Worten: um die gesamte strategische Infrastruktur der Insel. Besonders pikant erscheint dabei, dass der US-Absender die üblichen diplomatischen Kanäle bewusst umging und sich stattdessen informell an dänische Kollegen wandte.

Kopenhagen reagierte alarmiert

In der dänischen Hauptstadt schrillten offenbar sofort die Alarmglocken. Die operative Leitung des Verteidigungsministeriums informierte umgehend eine Reihe von Schlüsselpersonen in den Streitkräften. Der interne E-Mail-Verkehr verwies ausdrücklich auf das „aktuelle strategische Klima in Bezug auf Grönland" – eine diplomatische Umschreibung für die aggressive Rhetorik aus Washington.

„Den Verantwortlichen auf Grönland muss klar gewesen sein, dass Vorsicht geboten war und die höchsten Stellen über die amerikanischen Interessen informiert werden mussten."

So beschreibt der Geheimdienstexperte Peer Henrik Hansen die Situation. Die Dringlichkeit, mit der das Ministerium reagierte, spricht Bände: Eine Frist von wenigen Stunden wurde gesetzt, um Klarheit über die amerikanischen Absichten zu erlangen.

Trumps Grönland-Obsession als Hintergrund

Der Kontext dieser Vorgänge ist entscheidend. Bereits im Dezember 2024 hatte Trump in sozialen Netzwerken unmissverständlich erklärt, die USA seien der Ansicht, „dass der Besitz und die Kontrolle über Grönland eine absolute Notwendigkeit sind". Diese Aussage war keine bloße Provokation – sie markierte den Beginn einer systematischen Kampagne zur Destabilisierung der dänischen Souveränität über die rohstoffreiche Insel.

Der Kopenhagener Historiker Morten Heiberg, Spezialist für Geheimdienste, deutet die Anfragen als möglichen Versuch, der neuen Trump-Administration „relevante Informationen zu liefern, beispielsweise um zu bestätigen, was Trump immer wieder gesagt hat, nämlich dass die dänische Verteidigung Grönlands null und nichtig ist".

Eine „große Scharade" mit ernsten Konsequenzen

Der Politikwissenschaftler Carlo Masala bezeichnet die gesamte Situation als „Scharade". Die europäischen Bemühungen, Trump durch symbolische Gesten zu besänftigen, seien gescheitert. „Er will Grönland besitzen", so Masalas nüchterne Analyse. Diese Einschätzung deckt sich mit den Ängsten vieler Grönländer selbst. „Ich habe Angst, dass es einen Krieg geben könnte", zitiert die Presse besorgte Stimmen von der Insel.

Das Schweigen der Beteiligten

Bezeichnend ist das Verhalten aller Beteiligten nach der Enthüllung. Das dänische Verteidigungsministerium verweigerte jeden Kommentar. Der dänische Verbindungsoffizier Lars H. Madsen, der in den E-Mails als „großartige Informationsquelle für alles rund um Grönland" bezeichnet wurde, äußerte sich ebenfalls nicht. Ob er tatsächlich Informationen weitergegeben hat, bleibt im Dunkeln.

Die US-Botschaft in Kopenhagen reagierte mit einer bemerkenswert nichtssagenden Stellungnahme: Es sollte „niemanden überraschen", dass man Kontakte mit Partnern in Dänemark und Grönland pflege. Eine Formulierung, die alles und nichts sagt – und die Dänen kaum beruhigt haben dürfte.

Ein Weckruf für Europa

Diese Enthüllungen sollten auch in Berlin aufhorchen lassen. Sie zeigen einmal mehr, dass unter der Trump-Administration traditionelle Bündnistreue wenig zählt, wenn amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen. Die NATO-Partnerschaft, jahrzehntelang als unerschütterlich geltend, wird von Washington offenbar nur noch als Einbahnstraße verstanden.

Für Deutschland und Europa stellt sich die drängende Frage: Wie lange kann man sich noch auf einen Verbündeten verlassen, der seine Partner ausspioniert und offen mit der Annexion europäischen Territoriums droht? Die Antwort darauf wird die europäische Sicherheitsarchitektur der kommenden Jahre maßgeblich prägen.

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