
Spionage-Alarm am CISPA: Politik will alle Forschungsinstitute prĂŒfen

Ausgerechnet Deutschlands Vorzeige-Institut fĂŒr IT-Sicherheit hatte offenbar selbst eine offene Flanke. Nach den SicherheitsmĂ€ngeln am Helmholtz-Zentrum fĂŒr Informationssicherheit (CISPA) in SaarbrĂŒcken fordern Politiker von SPD, CDU und GrĂŒnen, die Forschungssicherheit bundesweit zu ĂŒberprĂŒfen. Auslöser sind Kooperationen mit Wissenschaftlern chinesischer Hochschulen, die dem MilitĂ€r nahestehen sollen.
âTĂŒr und Torâ standen offen
Die AffĂ€re schwelt seit Monaten. Medienberichten zufolge leiteten Bund und Saarland als Gesellschafter im Juni eine SonderprĂŒfung ein, weil sensible Forschungsdaten möglicherweise nach China abgeflossen waren. GrĂŒndungsdirektor Michael Backes wurde zunĂ€chst freigestellt. Inzwischen hat er das Zentrum verlassen, nach Berichten im gegenseitigen Einvernehmen.
Der PrĂŒfbericht umfasst rund 400 Seiten und bleibt unter Verschluss. Er soll strukturelle Defizite aufzeigen. Bundesforschungsministerin Dorothee BĂ€r (CSU) sagte im Bundestagsausschuss, beim CISPA hĂ€tten âTĂŒr und Torâ weit offen gestanden. Laut BĂ€r hĂ€tte jederzeit sicherheitsrelevantes Wissen abflieĂen können, auch nach China. Belegt ist ein solcher Abfluss nicht. AusschlieĂen lĂ€sst er sich aber auch nicht, weil die nötigen Daten dem Vernehmen nach gar nicht erst erfasst wurden.
Aus GrĂŒnden der Fairness gehört dazu: Strafrechtliche VerstöĂe sind Berichten zufolge bei der PrĂŒfung nicht aufgetaucht. Die AnwĂ€lte von Backes hatten stets betont, alle Fragen beantwortet zu haben.
Seltene Einigkeit im Bundestag
ParteiĂŒbergreifend fallen die Reaktionen deutlich aus. Johannes SchĂ€tzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, verlangt, dass Bund und LĂ€nder vergleichbare Schwachstellen auch an anderen Einrichtungen suchen. Bei SchlĂŒsseltechnologien dĂŒrfe es keine blinden Flecken geben. Sein zentraler Satz:
âAber Offenheit darf nicht mit NaivitĂ€t verwechselt werden.â
Marc Henrichmann (CDU) leitet das Parlamentarische Kontrollgremium fĂŒr die Geheimdienste. Er sagt, der Fall zeige, wie ernst man Wissenschaftsspionage nehmen mĂŒsse, âvor allem durch Chinaâ. âBlauĂ€ugigkeit schadet zuallererst dem Forschungs- und Wirtschaftsstandort Deutschlandâ, warnt er. GrĂŒnen-Fraktionsvize Konstantin von Notz spricht von einem âechten Alarmsignalâ. Es sei âvöllig unverstĂ€ndlichâ, dass Einrichtungen Warnungen des Verfassungsschutzes weiterhin ignorierten.
Wo war eigentlich die Aufsicht?
Genau hier liegt der wunde Punkt. Die Forderungen klingen entschlossen. Sie kommen allerdings reichlich spÀt. Wie berichtet wird, hatten die Aufsichtsgremien die GeschÀftsleitung mehrfach auf MissstÀnde hingewiesen. Warum sich trotzdem nichts Ànderte, ist bis heute offen. Der vom Bund entsandte Aufsichtsratschef wurde inzwischen abberufen.
Auch die saarlĂ€ndische Landesregierung gerĂ€t unter Druck. MinisterprĂ€sidentin Anke Rehlinger (SPD) war von 2022 bis FrĂŒhjahr 2026 stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des CISPA. Kritiker wollen wissen, was die Regierung von den MĂ€ngeln wusste und warum diese offenbar jahrelang bestehen konnten. Eine Antwort der Staatskanzlei steht noch aus.
Ein Muster, kein Einzelfall?
Der Fall steht nicht allein. Seit Jahren warnen Sicherheitsbehörden vor Pekings Strategie der âmilitĂ€risch-zivilen Fusionâ. Danach sollen zivile Forschungsergebnisse gezielt auch den StreitkrĂ€ften dienen. Trotzdem lieĂen deutsche Institute Partner mit NĂ€he zum MilitĂ€r vielfach ohne systematische PrĂŒfung zu. Das CISPA wird mit Steuergeld finanziert und soll Deutschland eigentlich vor Hackern schĂŒtzen. Umso bitterer ist die Erkenntnis, dass es womöglich selbst eine offene TĂŒr war.
Was jetzt passieren muss
Ein Ende der internationalen Zusammenarbeit fordert niemand. Deutschland ist auf auslĂ€ndische Spitzenforscher angewiesen. Diskutiert wird eine risikobasierte PrĂŒfung konkreter Projekte und Partner:
- Verbindungen von Kooperationspartnern zu MilitĂ€r und Geheimdiensten frĂŒhzeitig erkennen
- Zugriffsrechte und den Umgang mit sensiblen Ergebnissen klar regeln
- Mindeststandards fĂŒr kritische Forschungsfelder bundesweit festlegen
Ob daraus echte Konsequenzen folgen oder nur ein neues Papier mit AbsichtserklĂ€rungen, muss sich zeigen. Ein weiteres Gremium ohne Durchgriffsrecht wĂŒrde dem Forschungsstandort Deutschland jedenfalls kaum helfen. Nötig sind klare ZustĂ€ndigkeiten und eine Aufsicht, die Warnungen ernst nimmt, bevor der Schaden entstanden ist.

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