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Kettner Edelmetalle
23.02.2026
18:52 Uhr

Silbermarkt im Umbruch: Großproduzenten kehren den westlichen Papierbörsen den Rücken

Was sich seit geraumer Zeit in den Hinterzimmern des globalen Edelmetallhandels abzeichnete, wird nun mit harten Zahlen untermauert: Die großen Silberproduzenten dieser Welt verkaufen ihr physisches Silber längst nicht mehr über die etablierten westlichen Handelsplätze – und erzielen dabei Aufschläge von bis zu 26 Prozent gegenüber den offiziellen Börsenpreisen. Eine Entwicklung, die das gesamte Preisfindungssystem für Silber in Frage stellt und für Anleger weitreichende Konsequenzen haben dürfte.

Die Illusion des „offiziellen" Silberpreises

Einen einheitlichen Silberpreis gibt es streng genommen nicht. Was die meisten Anleger als Referenz heranziehen – die Kursfeststellungen an der Londoner LBMA und der New Yorker Comex – bildet offenkundig nur noch einen Teil der Realität ab. Denn während an diesen Handelsplätzen vorwiegend Papierkontrakte den Besitzer wechseln, also letztlich Versprechen auf Silber, das irgendwo existieren soll, wird an der Shanghaier Börse tatsächlich physisch vorhandenes Metall gehandelt. Und genau hier liegt der Hund begraben.

Die Preisdifferenzen zwischen Ost und West sind in den vergangenen Monaten geradezu explodiert. Shanghai handelte Silber durchgängig mit einem spürbaren Aufschlag gegenüber London und New York. Wer echtes, anfassbares Silber kaufen wollte, musste tiefer in die Tasche greifen als jemand, der sich mit einem Papierversprechen zufriedengab. Doch nun haben zwei der weltweit bedeutendsten primären Silberproduzenten diese Kluft mit ihren jüngsten Quartalszahlen für jedermann sichtbar gemacht.

First Majestic und Hecla Mining: Rekordzahlen abseits der Comex

Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. First Majestic Silver meldete für das vierte Quartal 2025 eine Rekordproduktion von 4,2 Millionen Unzen Silber und einen um 60 Prozent gestiegenen Quartalsumsatz von 463,9 Millionen US-Dollar. Der Nettogewinn schnellte um 182 Millionen auf 250,4 Millionen US-Dollar empor. Beeindruckend? Gewiss. Doch die eigentliche Brisanz steckt in einer unscheinbaren Randnotiz: Der durchschnittlich erzielte Verkaufspreis lag bei 69,74 US-Dollar je Unze.

Zum Vergleich: An der Comex notierte Silber im selben Zeitraum durchschnittlich bei lediglich 55,20 US-Dollar. First Majestic hat sein Silber also außerhalb der etablierten Börsen verkauft und dabei einen Aufschlag von satten 26 Prozent realisiert. Kein Ausrutscher, kein Einzelfall – denn Hecla Mining erzielte mit durchschnittlich 69,29 US-Dollar je Unze einen nahezu identischen Preis. Zwei der wichtigsten Silberproduzenten der Welt, dieselbe Strategie, dasselbe Ergebnis.

Die unbequeme Frage: Was ist Silber wirklich wert?

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um an dieser Stelle stutzig zu werden. Wenn Käufer bereitwillig 26 Prozent mehr bezahlen als den offiziellen Börsenpreis, dann stimmt mit der Preisfindung an den westlichen Metallbörsen etwas grundlegend nicht. Wäre das an der Comex gehandelte Silber tatsächlich physisch verfügbar und lieferbar, könnte jeder Käufer dort mit einem Rabatt von einem Viertel zuschlagen. Dass dies offensichtlich nicht geschieht, legt den Schluss nahe, dass die Papiermärkte in London und New York ihre Funktion als verlässliche Preisbarometer zunehmend einbüßen.

Kenner des Silbermarktes warnen seit Jahren vor genau dieser Entwicklung. Die Menge an Papierkontrakten, die an der Comex und der LBMA gehandelt werden, übersteigt die tatsächlich verfügbare physische Silbermenge um ein Vielfaches. Solange alle Marktteilnehmer darauf vertrauen, dass das System funktioniert, hält die Fassade. Doch sobald immer mehr Akteure auf physischer Lieferung bestehen – und genau das geschieht gerade –, offenbart sich die Fragilität dieses Konstrukts.

Comex-Manipulation verschärft die Krise

Als wäre die Situation nicht bereits brisant genug, hat die Comex Ende Januar 2026 durch mehrfache drastische Anhebungen ihrer Marginanforderungen einen Absturz des Silberpreises um 30 Prozent ausgelöst. Wohlgemerkt: Diesem Preisverfall stand weder ein plötzliches Überangebot an physischem Silber noch ein Einbruch der Nachfrage gegenüber. Es war ein rein technischer, durch Regulierungsmaßnahmen herbeigeführter Preissturz – ein Vorgang, der bei kritischen Beobachtern den Verdacht gezielter Preismanipulation nährt.

Für den aufmerksamen Bürger drängt sich hier eine Parallele zur allgemeinen Vertrauenskrise in westliche Institutionen auf. Ob Zentralbanken, die Geld aus dem Nichts erschaffen, oder Metallbörsen, die Silber handeln, das möglicherweise gar nicht existiert – das Muster ist stets dasselbe: Papierversprechen ersetzen reale Werte. Und wie bei jeder Blase stellt sich irgendwann die Frage, wann das Kartenhaus zusammenbricht.

Physisches Silber als Anker in unsicheren Zeiten

Die Entwicklung am Silbermarkt unterstreicht einmal mehr, was vorausschauende Anleger längst wissen: In einer Welt, in der Papierwerte und digitale Versprechen dominieren, gibt es keinen Ersatz für den Besitz physischer Edelmetalle. Wenn selbst die größten Silberproduzenten der Welt die offiziellen Börsenpreise als inadäquat betrachten und ihr Metall lieber direkt an Käufer verkaufen, die bereit sind, den wahren Marktpreis zu zahlen, dann sollte dies jedem Anleger zu denken geben.

In gut drei Monaten, wenn die Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 vorliegen, wird sich zeigen, ob die Abkopplung des physischen Silberpreises vom Papierpreis weiter voranschreitet. Angesichts der aktuellen Dynamik wäre es keine Überraschung. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob der physische und der Papierhandel getrennte Wege gehen werden – sondern nur noch, wann dieser Bruch endgültig vollzogen sein wird.

Wer physisches Silber besitzt, dürfte von dieser Entwicklung profitieren. Denn wenn die Papierbörsen ihre Preisfindungsfunktion verlieren, wird der wahre Wert des Metalls dort bestimmt, wo es tatsächlich den Besitzer wechselt – und dieser Preis liegt, wie die jüngsten Zahlen eindrucksvoll belegen, deutlich über dem, was London und New York suggerieren. Physische Edelmetalle bleiben damit ein unverzichtbarer Baustein für jedes breit aufgestellte Anlageportfolio, das auf echte Vermögenssicherung statt auf Papierversprechen setzt.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Der Erwerb von Wertpapieren und Edelmetallen ist mit Risiken verbunden, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Für individuelle Anlageentscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich.

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