
Sensenmann vor dem Werkstor: Wie die deutsche Autoindustrie zwischen Ideologie und Realität zerrieben wird
Es ist ein Bild, das mehr sagt als tausend Reden im Plenarsaal: Eine Gestalt im Sensenmannkostüm postiert sich vor dem Werkseingang in Zwickau, während VW-Beschäftigte gegen den drohenden Kahlschlag protestieren. Der Tod als Symbol – für Arbeitsplätze, für Wohlstand, für ein Industrieland, das einst die halbe Welt mit seinen Autos ausstattete. Und während draußen die Menschen um ihre Existenz bangen, debattierte der Bundestag am 9. Juli in einer Aktuellen Stunde über die „Zukunft der deutschen Automobilindustrie“. Zukunft? Man könnte auch von Schadensbegrenzung sprechen.
Wenn das Autoland ins Wanken gerät
Die Parlamentarische Staatssekretärin Gitta Connemann (CDU) eröffnete den Reigen mit dem hübschen Bekenntnis, Deutschland sei ein „Autoland“. Das mag stimmen – noch. Doch die Zahlen, die sie präsentierte, offenbaren das ganze Dilemma. Bis 2029 sollen weltweit rund 320 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung fließen, weitere 220 Milliarden in neue Werke. Klingt beeindruckend. Nur: Ein erheblicher Teil dieser Investitionen droht ins Ausland abzuwandern. Warum wohl?
Connemann nannte die Übeltäter beim Namen: horrende Energiepreise, erdrückende Steuern, ausufernde Bürokratie. Es sei, so ihre Einschätzung, eine Standortkrise. Doch wer hat diesen Standort eigentlich sturmreif geschossen? Die Antwort verschwieg die Union höflich – schließlich regiert man inzwischen selbst mit.
Die Energiewende als Geschenk an Peking
Deutlichere Worte fand der AfD-Abgeordnete Raimond Scheirich. Er bezeichnete die Mobilitäts- und Energiewende als das, was sie im Ergebnis sind: eine „Standortpolitik für China“. Eine bittere, aber treffende Formulierung. Denn während sich Deutschland selbstverliebt in die Abhängigkeit von Seltenen Erden manövriert, reibt sich das Reich der Mitte die Hände. Wer die Elektromobilität zur Staatsdoktrin erhebt, tauscht lediglich die Abhängigkeit vom russischen Gas gegen die Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen ein. Fortschritt sieht anders aus.
Der Fokus auf die E-Mobilität schaffe eine neue Abhängigkeit – von Seltenen Erden. Gefordert wurde eine „180-Grad-Wende“, das Ende der Energiewende und die Abschaffung der EU-Flottenregulierung.
Grüne Realitätsverweigerung im Reinformat
Und dann trat Sandra Detzer von den Grünen ans Mikrofon und lieferte, was man von dieser Partei erwarten durfte. Der Verbrennermotor, so behauptete sie kühn, werde „keine Bedeutung mehr“ haben. Der elektrische Antrieb sei der „Megatrend“. Man fragt sich unwillkürlich, in welcher Parallelwelt diese Diagnose gestellt wurde. Ausgerechnet die Verbrennermodelle erwirtschaften bei den deutschen Herstellern nämlich die höheren Gewinnmargen – ein Detail, das Tilman Kuban von der Union zurecht ins Feld führte.
Es ist genau diese ideologische Verbohrtheit, die Deutschland an den Rand des industriellen Abgrunds getrieben hat. Wer den Markt durch politische Dekrete ersetzt, wer der Ingenieurskunst ein Verbrennerverbot vorschreibt, statt sie frei walten zu lassen, der handelt nicht klimafreundlich, sondern wohlstandsfeindlich.
100.000 Arbeitsplätze auf der Kippe
Der Linken-Abgeordnete und Ex-VW-Mitarbeiter Cem Ince erinnerte daran, dass rund 100.000 Arbeitsplätze allein bei Volkswagen zur Disposition stünden. Nach Dieselskandal und Chipmangel sollen nun erneut die Beschäftigten die Zeche für Fehlentscheidungen zahlen. Da hilft auch die schöne SPD-Forderung nach „maßvollen Anpassungen“ der CO₂-Flottenregeln wenig. Maßvoll – als ob man einen Patienten mit einem Pflaster kurieren könnte, dem man zuvor beide Beine amputiert hat.
Der sogenannte „Wachstumsbooster“, die Kaufprämien für E-Autos, die Mautbefreiung für E-Lkw: Es sind Symptombekämpfungen, finanziert aus Steuergeldern, die letztlich – wie Autohändler längst monieren – vor allem nach China fließen. Ein Perpetuum mobile der Absurdität.
Was bleibt: Vertrauen in Sachwerte statt in politische Versprechen
Die Debatte im Bundestag offenbart schonungslos, wie sehr sich die politische Klasse in Widersprüche verstrickt hat. Einerseits beklagt man die Standortkosten, andererseits hält man an den Vorgaben fest, die diese Kosten erst produzieren. Für den mündigen Bürger stellt sich die Frage, worauf in solch unsicheren Zeiten noch Verlass ist.
Wenn ganze Industriezweige ins Wanken geraten und der Wohlstand von politischen Launen abhängig gemacht wird, gewinnen krisenfeste Sachwerte an Bedeutung. Physisches Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie unabhängig von Regierungsentscheidungen und ideologischen Experimenten ihren Wert bewahren. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Vermögens können sie einen wertvollen Anker in stürmischen Zeiten darstellen – gerade dann, wenn das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit ganzer Branchen erodiert.
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