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18.03.2026
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Selenskyjs verzweifelte Bettelreise durch Europa: Wenn der Krieg im Nahen Osten die Ukraine in den Schatten stellt

Selenskyjs verzweifelte Bettelreise durch Europa: Wenn der Krieg im Nahen Osten die Ukraine in den Schatten stellt

Es ist ein Bild, das an Tragik kaum zu ĂŒberbieten ist: Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj tingelt durch die europĂ€ischen HauptstĂ€dte wie ein vergessener Rockstar auf Abschiedstournee – nur dass es hier nicht um Applaus geht, sondern um das nackte Überleben seines Landes. London, Paris, Bukarest, Madrid. Die Botschaft ist so simpel wie verzweifelt: Vergesst uns nicht.

Der Iran-Krieg verschlingt die Aufmerksamkeit – und die Waffen

Was Selenskyj zu dieser hektischen Reisediplomatie treibt, ist ein geopolitischer Albtraum, der sich seit Wochen zusammenbraut. Der Krieg im Iran, der mittlerweile in seine dritte Woche geht, saugt wie ein schwarzes Loch sĂ€mtliche militĂ€rischen Ressourcen und politische Aufmerksamkeit des Westens auf. Amerikanische Luftabwehrraketen – jene Patriot-Systeme, die fĂŒr die Ukraine buchstĂ€blich ĂŒberlebenswichtig sind – werden in rasendem Tempo verbraucht, um iranische VergeltungsschlĂ€ge im gesamten Nahen Osten abzufangen.

Und als wĂ€re das nicht genug, profitiert ausgerechnet Moskau von der Eskalation. Steigende Ölpreise spĂŒlen Russland zusĂ€tzlich rund 128,80 Millionen Euro pro Tag in die Kassen. Geld, das Wladimir Putin ohne Umwege in seine Kriegsmaschinerie gegen die Ukraine pumpen kann. Man muss kein Stratege sein, um zu erkennen: Jeder Tag, an dem die Welt auf den Nahen Osten starrt, ist ein guter Tag fĂŒr den Kreml.

Vom Buckingham-Palast zum Basar: Selenskyj verkauft alles, was er hat

Am Dienstag traf Selenskyj zunĂ€chst König Charles im Buckingham-Palast, bevor er sich mit dem britischen Premierminister Keir Starmer und NATO-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte zusammensetzte. Am Mittwoch sollte es weiter nach Madrid zu Pedro SĂĄnchez gehen. FrĂŒher, so hieß es aus seinem Umfeld, wĂŒrde der ukrainische PrĂ€sident sein Land nur aus GrĂŒnden Ă€ußerster Dringlichkeit verlassen. Nun scheint jeder Tag dringlich genug.

Bemerkenswert ist dabei die neue Strategie Kiews. Selenskyj versucht sich nicht mehr nur als Bittsteller zu positionieren, sondern als Anbieter militĂ€rischen Know-hows. Seine StreitkrĂ€fte verfĂŒgen ĂŒber jahrelange Erfahrung in der Abwehr iranisch konstruierter Schahed-Drohnen – genau jener Waffen, die nun auch im Nahen Osten fĂŒr Schrecken sorgen. Erstmals hat die Ukraine GesprĂ€che mit Drittstaaten aufgenommen, um selbst entwickelte Waffensysteme zu exportieren, und damit kriegsbedingte ExportbeschrĂ€nkungen aufgehoben. Selenskyj postet sogar auf Arabisch in den sozialen Medien, um den Golfstaaten seine Dienste anzubieten.

Die Golfstaaten als neue HoffnungstrÀger?

Die Rechnung ist so kĂŒhn wie durchsichtig: Wenn die Golfstaaten ukrainische Drohnenabwehr-Expertise erhalten, könnten sie im Gegenzug Patriot-Raketen an Kiew liefern – oder zumindest Putin zu einem Waffenstillstand drĂ€ngen. Ob diese Strategie aufgeht, steht freilich in den Sternen. Die Golfmonarchien haben sich bislang geschickt auf einer diplomatischen Zwischenposition eingerichtet und Russlands Angriffskrieg zwar nie gebilligt, aber auch nie ernsthaft sanktioniert.

KI-Armee und Drohnendeals: Großbritannien als letzter Anker?

Konkreter sind die Vereinbarungen mit London. Großbritannien und die Ukraine wollen eine KI-Partnerschaft schmieden, die auf den Aufbau einer „KI-gesteuerten Armee der nĂ€chsten Generation" abzielt. Autonome Systeme sollen auf dem Schlachtfeld schnellere und bessere Entscheidungen treffen als jeder menschliche Kommandeur. London investiert knapp 600.000 Euro in ein KI-Datenzentrum in Kiew – eine Summe, die angesichts der Dimensionen dieses Krieges fast lĂ€cherlich wirkt, aber symbolisch von Bedeutung sein dĂŒrfte.

Starmer erklĂ€rte, man mĂŒsse „im Gleichschritt mit Partnern und VerbĂŒndeten arbeiten, um Sicherheit im eigenen Land und im Ausland zu gewĂ€hrleisten". Gleichzeitig berichteten britische Medien, der Premier erwĂ€ge, Zehntausende Drohnen in den Nahen Osten zu entsenden. Selenskyj hofft, von diesem GeschĂ€ft zu profitieren und im Gegenzug Patriot-Lieferungen zu erhalten.

Europa zwischen zwei Feuern – und Deutschland schweigt

Was bei all dem auffĂ€llt: Von der neuen deutschen Bundesregierung unter Friedrich Merz hört man in diesem Zusammenhang erstaunlich wenig. WĂ€hrend Selenskyj von Hauptstadt zu Hauptstadt eilt, scheint Berlin einmal mehr in der Zuschauerrolle zu verharren. Dabei wĂ€re gerade jetzt eine klare deutsche Positionierung gefragt – nicht nur gegenĂŒber der Ukraine, sondern auch gegenĂŒber einer Trump-Administration, die ihre VermittlungsbemĂŒhungen im Ukraine-Konflikt offenbar auf die lange Bank geschoben hat.

Die bittere Wahrheit ist: Der Westen kann sich zwei große Kriege gleichzeitig schlicht nicht leisten. Nicht militĂ€risch, nicht finanziell, nicht politisch. Westliche Diplomaten ringen hinter den Kulissen darum, genĂŒgend KapazitĂ€ten fĂŒr beide Krisen freizumachen – ein Unterfangen, das an die Quadratur des Kreises erinnert. Und wĂ€hrend in BrĂŒssel und Washington die PrioritĂ€tenlisten neu sortiert werden, sterben in der Ukraine weiterhin jeden Tag Menschen.

Selenskyjs Europatournee ist daher weit mehr als diplomatische Routine. Sie ist ein Hilferuf, verpackt in Staatsbesuche und Handshakes vor goldenen Kulissen. Die Frage, die sich Europa stellen muss, ist unbequem, aber unausweichlich: Wie viele Kriege kann der Westen gleichzeitig fĂŒhren – und welchen ist er bereit, zu verlieren?

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