
Selenskyjs Balkan-Deal: Kosovo holt die Ukraine-Fahne ein!

Ein Satz in Belgrad – und im Kosovo verschwindet die blau-gelbe Solidarität von der Hauswand. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte am vergangenen Samstag erstmals Serbien und bekräftigte dort, dass Kiew die Unabhängigkeit des Kosovo weiterhin nicht anerkenne. Die Quittung kam prompt: In Pristina wurde das riesige „Free Ukraine“-Banner abgehängt, das seit 2022 an der Hauptstraße prangte.
Ein Satz, der ganze Bündnisse zerlegt
Berichten zufolge antwortete Selenskyj auf der Pressekonferenz mit Serbiens Präsident Aleksandar Vučić, man respektiere das Völkerrecht und die territoriale Integrität Serbiens; die ukrainische Position zur einseitigen Unabhängigkeitserklärung sei unverändert. Für Vučić war das ein diplomatischer Hauptgewinn.
Pristinas Bürgermeister Përparim Rama erklärte, seine Sympathie gehöre weiter den Völkern, die Krieg, Gewalt und Verfolgung erlebten – doch Respekt müsse gegenseitig sein. Kosovos Außenminister Glauk Konjufca nahm die Äußerungen „mit Bedauern“ zur Kenntnis und warnte, solche Rhetorik erinnere an Russlands Versuche, das Kosovo als Präzedenzfall zu instrumentalisieren.
Warum Kiew ausgerechnet Belgrad hofiert
Die Antwort dürfte weniger mit Völkerrecht als mit Kalibern zu tun haben. Serbien produziert weiterhin große Mengen Munition im sowjetischen Standard – Material, das Kiews westliche Partner mit ihrer NATO-Norm schlicht nicht liefern können. Die ukrainische Armee setzt aber nach wie vor auf sowjetische Haubitzen und Panzer.
Der Grazer Südosteuropa-Experte Florian Bieber bringt es dem Bericht zufolge auf den Punkt:
„Die Ukraine ist in einer Lage, in der sie sich nicht um Dinge jenseits ihrer unmittelbaren Bedürfnisse kümmern kann, und Vučić ist ihr wichtiger.“
Kiews Botschafter in Serbien widerspricht: Es sei um EU-Integration und gegenseitige Unterstützung gegangen, die Haltung zum Kosovo bestehe unverändert seit 2008 und habe nichts mit Kriegsbedarf zu tun. Der Besuch, so seine Darstellung, sei „nicht um Munition“ gegangen, sondern um Europa.
Wasserkrieg am Iber – die Eskalation läuft weiter
Seit dem Besuch dreht sich die Spirale weiter. Vučić drohte, den Fluss Iber umzuleiten – als Vergeltung für den Abriss serbischer Häuser am Stausee. Der Speicher versorgt große Teile des Kosovo mit Trinkwasser und kühlt das größte Kraftwerk des Landes. Serbiens Außenminister Marko Đurić und Albaniens Premier Edi Rama lieferten sich zudem einen Schlagabtausch auf X.
Zur Erinnerung: Das Kosovo war lange albanisch geprägte Südprovinz Serbiens, 1998/99 folgten Krieg und eine dreimonatige NATO-Bombardierung, danach UN-Protektorat. 2008 erklärte Pristina die Unabhängigkeit – anerkannt von über 100 Staaten, darunter 22 der 27 EU-Mitglieder. Spanien und Zypern verweigern die Anerkennung bis heute, aus Furcht vor eigenen Separatisten.
Was das für Europa bedeutet
Auffällig ist, wie geräuschlos Brüssel diesem Manöver zusieht. Vučić, dem EU-Politiker zuletzt einen Verfall demokratischer Standards vorwarfen, poliert sein Image mit einer Umarmung – Beobachtern zufolge ein Hebel für die kommenden Monate. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vorgang vor allem eines: Die viel beschworene europäische Wertegemeinschaft endet dort, wo Granaten gebraucht werden.
Für Anleger ist das ein weiterer Beleg, wie brüchig die vermeintlich stabile Ordnung am Rand Europas bleibt. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich in solchen Phasen historisch als nervenschonende Beimischung eines breit gestreuten Vermögens bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich zuvor selbst umfassend informieren.
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