
Schulden-Beben in Paris: Wird Frankreich zum neuen Griechenland?

Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU, rutscht immer tiefer in die Haushaltskrise. Das Defizit dürfte 2026 auf 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern, und die Renditen französischer Staatsanleihen liegen inzwischen bei knapp fünf Prozent. In Berlin, Brüssel und Frankfurt wächst die Nervosität. Öffentlich sagen will das aber kaum jemand.
Ein Land am Rand der Rezession
Die Lage ist ernst. Notenbankchef Emmanuel Moulin glaubt Berichten zufolge nicht einmal mehr an die 0,4 Prozent Wachstum, die für dieses Jahr erwartet wurden. Zuvor hatte er gewarnt, steigende Zinsen könnten dem Land nach und nach die Luft abschnüren.
Auch politisch geht es drunter und drüber. Am Donnerstag, dem 5. November, schmetterte die Nationalversammlung die Einnahmenseite des Haushaltsentwurfs fast einstimmig ab. Am selben Tag gingen wieder Massen auf die Straße. Bis zur Präsidentschaftswahl bleibt ein halbes Jahr. Die konservative Zeitung „Le Figaro“ schrieb, Frankreich tanze auf einem Vulkan.
Die Märkte haben längst reagiert. Paris muss Anlegern deutlich mehr Zinsen bieten als Deutschland, und inzwischen sogar mehr als Italien. Damit ist Rom nicht länger das Sorgenkind Europas, sondern Paris.
Bloß nichts sagen, bloß keine Panik
Bemerkenswert ist das große Schweigen. Spitzen wie die des früheren Finanzministers Wolfgang Schäuble, die Franzosen beherrschten zwar Revolutionen, aber keine Reformen, hört man heute nicht mehr. Die Botschaft aus Eurogruppe und EU-Kommission lautet sinngemäß: Hier gibt es nichts zu sehen.
In Berlin verweist man auf den Irankrieg, die hohen Energiepreise und weltweit steigende Renditen. Frankreich sei ein starkes Land, heißt es aus Regierungskreisen. Genannt werden die Luft- und Raumfahrt, die Rüstungsindustrie, die Luxusgüter, billiger Atomstrom und hohe private Ersparnisse. Ein hoher EU-Beamter hält jeden Vergleich mit Griechenland für weit hergeholt.
Ein Veteran der Eurokrise erinnert jedoch daran, dass sich solche Krisen erst langsam anbahnen. Gerieten die Dinge aber ins Rutschen, dann krache es. Auch damals seien die Märkte lange ruhig geblieben, bevor die Risikoaufschläge innerhalb weniger Tage explodierten. Moody's und Fitch haben Frankreichs Bonität zuletzt noch bestätigt, allerdings jeweils mit negativem Ausblick.
Die „Nuklearoption“ der EZB
Was passiert, wenn Paris den Haushalt nicht in den Griff bekommt? Laut ESM-Chef Pierre Gramegna könnte der Euro-Rettungsfonds im Extremfall 430 Milliarden Euro bereitstellen. Frankreichs Finanzbedarf für 2027 liegt nach derzeitiger Planung bei 340 Milliarden Euro. Für deutsche Steuerzahler ist das kein Trost: Deutschland trägt den größten Anteil am Kapital des ESM.
Auch die EZB beobachtet die Lage genau. Präsidentin Christine Lagarde erklärte, es stünden Instrumente bereit, falls ungerechtfertigte und ungeordnete Marktbewegungen die Geldpolitik gefährdeten. Gemeint ist vor allem das Anleihe-Kaufprogramm TPI. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte dazu:
„Das TPI ist das letzte Instrument, sozusagen die Nuklearoption der EZB.“
Ökonomen halten mildere Mittel für wahrscheinlicher, etwa einen langsameren Abbau der Bilanz oder Rücksicht bei künftigen Zinserhöhungen. Manche Beobachter sehen schon in der Zinspause vom Oktober trotz hoher Inflation ein Geschenk an Paris. Hinzu kommt: Lagarde, Direktorin Isabel Schnabel und Chefvolkswirt Philip Lane verlassen die EZB Anfang 2027. Wer ihnen nachfolgt, dürfte darüber entscheiden, wie freigiebig Frankfurt künftig mit Anleihekäufen umgeht.
Wer am Ende die Zeche zahlt
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier ein bekanntes Muster. Die Maastricht-Grenze liegt bei drei Prozent Defizit, Paris verfehlt sie seit Jahren. Bezahlen müssen am Ende oft die Sparer, nämlich über Inflation und Garantien, die stillschweigend vergemeinschaftet werden. Dass auch Berlin mit seinem 500-Milliarden-Sondervermögen auf neue Schulden setzt, macht mahnende Worte Richtung Paris nicht gerade glaubwürdiger.
Wer sein Vermögen gegen solche Risiken absichern will, kommt an physischem Gold und Silber kaum vorbei. Edelmetalle sind keine Schuld eines anderen. Sie hängen weder von Haushaltsdebatten in Paris noch von Entscheidungen in Frankfurt ab. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie deshalb sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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