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20.01.2026
17:15 Uhr

Russlands verzweifelter Griff in die Vergangenheit: Sowjet-Jets sollen Luftfahrtkrise retten

Russlands verzweifelter Griff in die Vergangenheit: Sowjet-Jets sollen Luftfahrtkrise retten

Was klingt wie ein schlechter Witz aus dem Kalten Krieg, ist bittere Realität im Russland des Jahres 2025: Die einst stolze Luftfahrtnation muss auf jahrzehntealte, längst ausgemusterte Flugzeuge aus Sowjetzeiten zurückgreifen, um ihren zivilen Flugverkehr aufrechtzuerhalten. Die westlichen Sanktionen zeigen nach fast vier Jahren Ukraine-Krieg ihre Wirkung – und zwar dort, wo es wehtut.

Museumsreife Maschinen kehren in den Dienst zurück

Die russische Zeitung Izvestia berichtet von einem bemerkenswerten Programm: Neun Tupolew Tu-204/214, eine Antonow An-148 und zwei Iljuschin Il-96 Großraumflugzeuge werden reaktiviert und an Fluggesellschaften wie Red Wings übergeben. Das Pikante daran: Zehn dieser zwölf Maschinen, die teilweise bis zu 30 Jahre auf dem Buckel haben, befinden sich bereits wieder im aktiven Dienst. Der staatliche Rüstungskonzern Rostec bestätigte diese Informationen gegenüber russischen Medien.

Man stelle sich das einmal vor: Während westliche Airlines ihre Flotten mit modernsten Airbus- und Boeing-Maschinen bestücken, müssen russische Passagiere in Flugzeugen Platz nehmen, die noch unter Gorbatschow konstruiert wurden. Ein Sinnbild für den schleichenden Niedergang einer einstigen Supermacht.

Das Scheitern der Importsubstitution

Von den über 1.100 Passagierflugzeugen in Russland stammen fast 70 Prozent aus westlicher Produktion. Nach Kriegsbeginn 2022 verkündete Moskau vollmundig ein Programm zur Ersetzung ausländischer Maschinen durch heimische Modelle. Die Realität sieht jedoch ernüchternd aus: Statt der geplanten 120 Flugzeuge verschiedener Typen zwischen 2023 und 2025 wurden gerade einmal etwas mehr als ein Dutzend produziert.

Die Sanktionen treffen die russische Luftfahrtindustrie gleich mehrfach: Ersatzteile fehlen, Wartungsarbeiten können nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden, und ganze Fabriken mussten umgerüstet werden, um den Mangel an ausländischen Komponenten auszugleichen. Ein Teufelskreis, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt.

Drastische Budgetkürzungen verschärfen die Lage

Als wäre die Situation nicht bereits prekär genug, plant Moskau für 2026 massive Einschnitte bei den Ausgaben für die Flugzeug- und Hubschrauberproduktion. Die Mittel sollen von 139,6 Milliarden Rubel auf 85,7 Milliarden Rubel gekürzt werden – eine Reduzierung um das 1,6-fache. Subventionen für Airlines zur Erneuerung ihrer Flotten werden komplett gestrichen. Lediglich der Mittelstreckenjet MC-21 erhält eine Aufstockung der Fördermittel um 25 Prozent.

Steigende Unfallzahlen als Warnsignal

Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind bereits spürbar: Flugunfälle häufen sich in Russland, insbesondere seit Beginn des Ukraine-Krieges. Veraltete Maschinen mit mangelhafter Wartung und fehlenden technischen Upgrades stellen ein wachsendes Sicherheitsrisiko dar. Hinzu kommen ukrainische Drohnenangriffe, die nach Angaben aus Kiew bereits über 20 Raffinerien beschädigt und eine Treibstoffkrise ausgelöst haben sollen.

Die Parallelen zu Iran sind unübersehbar: Auch dort führten jahrzehntelange Sanktionen zu einer maroden Luftfahrtinfrastruktur mit tragischen Folgen – zuletzt beim Absturz des Militärhubschraubers, bei dem der amtierende Präsident ums Leben kam.

Ein Lehrstück über die Grenzen der Isolation

Was wir hier beobachten, ist nichts weniger als der langsame Zerfall einer kritischen Infrastruktur. Russland mag wirtschaftlich über Wasser geblieben sein, doch die Risse im System werden immer deutlicher sichtbar. Die Rückkehr zu Sowjet-Technologie ist dabei mehr als nur ein logistisches Problem – es ist ein Symbol für die Grenzen autokratischer Selbstisolation in einer globalisierten Welt.

Für den einfachen russischen Bürger bedeutet dies vor allem eines: weniger Sicherheit, weniger Komfort und die bange Frage, ob das Flugzeug, das sie besteigen, noch den Anforderungen des 21. Jahrhunderts genügt. Wie so oft bei Sanktionen trifft es am Ende nicht die Machthaber, sondern die gewöhnlichen Menschen.

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