
Rohstoff-Poker im Kanzleramt: Merz umgarnt die Mongolei

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Mittwoch den mongolischen Präsidenten Uchnaagiin Chürelsüch im Berliner Kanzleramt empfangen. Laut Bundesregierung ging es um die bilateralen Beziehungen, um Wirtschaftspolitik und um internationale Sicherheit. Eine Pressekonferenz gab es danach nicht. Was hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, bleibt vorerst offen.
Ehrenformation, Dschingis Khan und viel Symbolik
Das Treffen ist Teil eines Staatsbesuchs, der mehrere Tage dauert. Schon am Dienstag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Gast empfangen, Medienberichten zufolge mit militärischen Ehren in der Villa Borsig. Am Nachmittag eröffneten die beiden Staatsoberhäupter dann in der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel die Ausstellung „Dschingis Khan und die Welt der Mongolen“.
Das ist schöne Kulisse. Kultur hilft der Diplomatie, aber Lieferverträge ersetzt sie nicht. Laut Berichten wollen beide Länder außerdem beim Klimaschutz und in der Wissenschaft enger zusammenarbeiten. In Berlin dürfte aber vor allem eine andere Frage zählen: Wie kommt Deutschland an die Bodenschätze der Steppe?
Ein Land voller Bodenschätze
Die Mongolei ist rund viermal so groß wie Deutschland, hat aber nur etwa 3,6 Millionen Einwohner. Der Internationale Währungsfonds schätzt den Wert ihrer Bodenschätze auf bis zu drei Billionen US-Dollar. Die US-Geologiebehörde USGS vermutet dort die zweitgrößten Vorkommen an Seltenen Erden weltweit.
Dazu kommen große Lagerstätten von Kupfer und Gold, außerdem Silber, Uran, Wolfram, Molybdän und Flussspat. Der Bergbau trägt inzwischen rund ein Viertel zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Doch bisher dominiert Kohle: Nach Angaben der Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest machte sie 2024 fast 60 Prozent der verkauften Rohstoffe aus. Der größte Abnehmer ist China.
Zwischen zwei Riesen
Genau hier liegt der strategische Punkt. Die Mongolei hat keinen Zugang zum Meer und liegt zwischen Russland und China. Deshalb sucht Ulan Bator seit Jahren sogenannte „dritte Nachbarn“, um sich von Peking und Moskau nicht vereinnahmen zu lassen. Für Deutschland, das bei Seltenen Erden stark von China abhängt, könnte das Land ein Ausweg sein. Seit 2024 verbindet beide Staaten Medienberichten zufolge eine „strategische Partnerschaft“.
Große Ankündigungen, wenig Ergebnis
Neu ist diese Hoffnung nicht. Schon im Oktober 2011 reiste Angela Merkel nach Ulan Bator und unterzeichnete eine Rohstoffpartnerschaft. Damals war viel von Milliarden-Deals die Rede. Einige Jahre später ergab eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage, dass die Importe mongolischer Rohstoffe nach Deutschland nur minimal gestiegen waren.
Das ist ernüchternd. Andere Länder sichern sich weltweit Minen und Abnahmeverträge, während Berlin oft bei Absichtserklärungen bleibt. Kritiker sehen ein Muster: Andere schaffen Fakten, Deutschland pflegt Partnerschaften auf dem Papier. Erst vor wenigen Wochen war mit dem Präsidenten Kasachstans schon der Staatschef eines anderen rohstoffreichen Landes in Berlin.
Was bleibt für die Bürger?
Jetzt muss sich zeigen, ob die Regierung Merz mehr erreicht als ihre Vorgänger. Möglich wären Vereinbarungen zu Investitionen, Handel und Forschung. Ohne Pressekonferenz fehlt aber vorerst jede öffentliche Bilanz. Bei einem Thema, das für die deutsche Industrie so wichtig ist, ist dieses Schweigen bemerkenswert.
Der weltweite Wettlauf um knappe Rohstoffe zeigt, dass echte Sachwerte in unsicheren Zeiten an Bedeutung gewinnen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen ein Stück Unabhängigkeit sichern, unabhängig davon, ob Diplomatie gelingt oder Lieferketten reißen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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