
Pulverfass Hormus: Wie das US-Iran-Säbelrasseln den Ölpreis erneut in Aufruhr versetzt

Es ist das immergleiche Spiel mit dem Feuer am Persischen Golf. Kaum hat man sich auf eine Atempause geeinigt, fliegen schon wieder die Drohnen, sprechen die Kampfjets und steigt der Ölpreis. Wer geglaubt hatte, der jüngste Iran-Krieg sei mit ein paar diplomatischen Floskeln beigelegt, der hat die Rechnung ohne die Realität gemacht.
Der Ölpreis kennt nur eine Richtung – nach oben
Zu Wochenbeginn schoss der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate um satte 2,4 Prozent auf 70,85 Dollar in die Höhe. Noch am Freitag hatte sich derselbe Kontrakt erstmals seit dem 27. Februar – also dem Vorabend des Iran-Krieges – unter die psychologisch wichtige Marke von 70 Dollar verabschiedet. Auch die internationale Referenzsorte Brent ließ sich nicht lumpen und kletterte um 1,7 Prozent auf 73,20 Dollar.
Der Auslöser? Eine angebliche Übereinkunft zwischen Washington und Teheran, die jüngsten Feindseligkeiten einzustellen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Von echter Entspannung kann keine Rede sein. Es ist ein brüchiger Waffenstillstand, der bei jeder Provokation zu kollabieren droht.
Die Straße von Hormus – Nadelöhr der Weltwirtschaft
Im Zentrum des Dramas steht jene schmale Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Erdöls transportiert wird: die Straße von Hormus. Nachdem ein Handelstanker dort am Samstag offenbar von einem Geschoss getroffen worden sein soll, schlug das US-Militär unverzüglich zurück und attackierte mehrere iranische Ziele. Auch die iranischen Nachbarn Kuwait und Bahrain meldeten anfliegende Raketen und Drohnen.
"Beide Seiten werden vorerst die Waffen ruhen lassen, und Schiffe können sich frei bewegen", erklärte ein US-Offizieller gegenüber CNBC.
Schöne Worte. Doch das US-Zentralkommando berichtete, Kampfjets hätten zehn iranische Militärziele in und um die Straße von Hormus angegriffen – als Vergeltung für einen Drohnenangriff auf den unter panamaischer Flagge fahrenden Tanker M/T Kiku, der mit über zwei Millionen Barrel Rohöl unterwegs gewesen sei. Von Ruhe also keine Spur.
Trumps unmissverständliche Drohung
US-Präsident Donald Trump, der in solchen Momenten bekanntlich kein Blatt vor den Mund nimmt, ließ über seine Plattform Truth Social keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit. Amerikanische Flugzeuge hätten iranische Raketen- und Drohnenlager sowie Küstenradaranlagen getroffen – wegen erneuter Verletzung des Waffenstillstands.
"Es könnte ein Punkt kommen, an dem wir nicht länger in der Lage sind, vernünftig zu sein, und gezwungen sein werden, die Aufgabe militärisch zu vollenden, die wir sehr erfolgreich begonnen haben. Sollte das geschehen, wird die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren!", schrieb Trump.
Ein Mann, der Klartext spricht – das mag man bewerten, wie man will. Klar ist jedenfalls: Solche Worte beruhigen keine Märkte, sie elektrisieren sie.
Gefährliche Sorglosigkeit der Märkte
Bemerkenswert ist die Einschätzung der Strategen der Bank ING. Diese warnten davor, dass die Energiemarkt-Teilnehmer offenbar deutlich zu optimistisch in Bezug auf eine rasche Erholung der Öllieferungen aus dem Persischen Golf seien. Die Entwicklungen des Wochenendes hätten die nach wie vor bestehenden Risiken schonungslos offengelegt.
Diese geradezu naive Sorglosigkeit sei "merkwürdig", so die Analysten, und berge erhebliche Aufwärtsrisiken für den Ölpreis – sollte sich die Versorgung langsamer erholen als erhofft oder gar eine neue Eskalation eintreten. Mit anderen Worten: Die Anleger tanzen auf einem Vulkan und tun so, als sei alles in bester Ordnung.
Was das für deutsche Bürger bedeutet
Während sich an den fernen Küsten des Persischen Golfs das geopolitische Drama abspielt, trägt der deutsche Bürger am Ende die Zeche. Steigende Ölpreise bedeuten höhere Energiekosten, teureres Heizen, teureres Tanken – und damit eine weitere Drehung an der Inflationsspirale. Eine Bundesrepublik, die ihre Energiepolitik über Jahre an ideologischen Wunschvorstellungen ausgerichtet hat, statt auf eine breite und verlässliche Versorgung zu setzen, steht solchen externen Schocks weitgehend schutzlos gegenüber.
In Zeiten, in denen geopolitische Konflikte binnen Stunden Märkte erschüttern und Währungen entwerten können, zeigt sich einmal mehr der bleibende Wert physischer Edelmetalle. Gold und Silber kennen keine Waffenstillstandsabkommen, die gebrochen werden, und keine Notenbank, die sie nach Belieben vermehrt. Als Krisenwährung und stabiler Anker im Portfolio haben sie über Jahrtausende bewiesen, was sie wert sind – gerade dann, wenn die Welt aus den Fugen gerät.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier wiedergegebenen Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion sowie den uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig ausreichend zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Eine Haftung für etwaige Verluste wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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