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01.06.2026
14:56 Uhr

Polit-Beben in der Umfrage: AfD enteilt der Union – und die FDP klammert sich an die Fünf-Prozent-Hürde

Polit-Beben in der Umfrage: AfD enteilt der Union – und die FDP klammert sich an die Fünf-Prozent-Hürde

Es sind Zahlen, die in den Berliner Parteizentralen für schlaflose Nächte sorgen dürften. Eine neue Erhebung des Meinungsforschungsinstituts GMS, durchgeführt zwischen dem 27. Mai und dem 1. Juni, zeichnet ein Bild der politischen Republik, das die regierenden Akteure nur ungern an die Wand projiziert sehen möchten. Die AfD führt, und zwar nicht knapp – sondern mit einem Vorsprung, der in dieser Zeitreihe seinesgleichen sucht.

27 zu 23 – die Union wird vom eigenen Wähler abgestraft

Stolze 27 Prozent der Zweitstimmen sammelt die AfD in dieser Umfrage ein und kehrt damit nach einem kurzen Frühjahrstief zu ihrem Rekordwert vom Januar zurück. Dahinter folgt die Union mit lediglich 23 Prozent – ein Wert, der historisch fast einmalig schlecht ausfällt. Nur ein einziges Mal standen CDU und CSU noch trübseliger da, nämlich unmittelbar nach der verlorenen Bundestagswahl 2021.

Vier Prozentpunkte trennen die beiden Parteien – der größte Abstand, den diese Messreihe je verzeichnet hat. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Union, die im Bundestagswahlkampf vollmundig Kurskorrekturen und einen härteren migrationspolitischen Kurs versprach, verliert ausgerechnet jetzt, da Friedrich Merz im Kanzleramt regiert, das Vertrauen der Bürger. Wer hätte das gedacht?

Die Botschaft der Wähler ist unmissverständlich: Wer im Wahlkampf das eine verspricht und nach der Wahl das Gegenteil liefert, der zahlt einen hohen Preis an der Wahlurne.

Das linke Lager im Chaos – Grüne überholen die SPD

Während es im konservativen Spektrum klar zugeht, herrscht im linken Lager ein bemerkenswertes Durcheinander. Erstmals seit 2023 übernehmen die Grünen mit 16 Prozent wieder die Führungsrolle unter den Linksparteien – und das mit satten fünf Punkten Vorsprung vor der einst stolzen Volkspartei SPD.

Die Sozialdemokraten dümpeln bei mageren elf Prozent dahin und liefern sich ein wenig schmeichelhaftes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Linkspartei um den vierten Platz. Eine Partei, die einst Kanzler stellte, kämpft nun um den Anschluss an die Reste der SED-Nachfolger. Welch bezeichnender Abstieg für jene Genossen, die als Juniorpartner der Großen Koalition die deutsche Politik mitprägen.

Die Splitterparteien zerfallen

Auch am unteren Rand der Skala tut sich Dramatisches. Das BSW, einst als großer Hoffnungsträger gefeiert, verliert weiter und wird erstmals seit seiner Gründung nur noch mit zwei Prozent ausgewiesen. Die Freien Wähler tauchen in dieser Erhebung gar nicht mehr gesondert auf. Was bleibt, ist ein politischer Trümmerhaufen der einst so vollmundig angetretenen Bewegungen.

FDP: Strohfeuer oder echte Trendwende?

Ein Lichtblick scheint sich für die Liberalen aufzutun: Erstmals seit August 2024 kratzt die FDP wieder an der magischen Fünf-Prozent-Marke. Zwei Punkte mehr als noch im März dieses Jahres – das könnte als Aufbruchssignal für die nun von Wolfgang Kubicki geführte Partei gedeutet werden.

Doch Vorsicht ist geboten. In keiner anderen aktuellen Umfrage erreicht die FDP diese fünf Prozent. Die letzte INSA-Erhebung sah die Liberalen bei kümmerlichen drei Prozent – und damit zehnmal schwächer als die AfD. Dort ist die Alternative für Deutschland so stark wie FDP, SPD und Grüne, also die einstigen Ampelparteien, zusammengenommen. Ein vernichtenderes Urteil über die Politik der vergangenen Jahre lässt sich kaum formulieren.

Ob die fünf Prozent ein echter Aufschwung oder bloß ein Strohfeuer rund um den Parteitag sind, wird sich erst noch erweisen müssen.

Was die Zahlen wirklich erzählen

Hinter den nüchternen Prozentwerten verbirgt sich eine tiefere Wahrheit: Die etablierten Parteien haben das Vertrauen weiter Teile der Bevölkerung verspielt. Eine Migrationspolitik, die viele Bürger als gescheitert empfinden, eine Wirtschaftspolitik der schuldenfinanzierten Sondervermögen, eine Energiepolitik, deren Folgen Millionen Haushalte an der Stromrechnung spüren – all das schlägt sich in diesen Umfragen nieder. Es sind nicht die Wähler, die sich radikalisiert hätten, sondern es ist die Politik, die sich von den Sorgen der Menschen entfernt hat.

Bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen in Berlin diese deutliche Sprache der Demoskopie endlich verstehen wollen – oder ob sie weiter den bequemen Weg des Wegschauens beschreiten.

Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine journalistische Einordnung aktueller Umfragewerte. Meinungsumfragen sind stets Momentaufnahmen mit methodischen Unschärfen und stellen keine gesicherte Prognose künftiger Wahlergebnisse dar.

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