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Polens Goldschatz im Visier? Der Machtkampf um Warschaus Tresore

Polens Goldschatz im Visier? Der Machtkampf um Warschaus Tresore
Symbolbild: KI-generiert

In Polen ist der Streit um das Verfassungsgericht zur offenen Staatskrise geworden, und auf einmal geht es auch um Gold. Der PiS-Europaabgeordnete Dominik Tarczyński behauptet, Regierungschef Donald Tusk wolle über die Justiz die Zentralbank unter seine Kontrolle bringen, den Euro einführen und Polens Goldreserven am Ende an die Europäische Zentralbank abgeben. Was ist an dieser These dran?

Nächtlicher Sturm aufs Gericht

Die Lage in Warschau ist explosiv. Medienberichten zufolge hat eine von der Tusk-Regierung unterstützte Richterin den Gerichtspräsidenten Bogdan Święczkowski suspendiert. Präsident Karol Nawrocki soll sich daraufhin nachts gewaltsam Zugang zum Gerichtsgebäude verschafft haben. Vor dem Gericht protestierten Hunderte Menschen.

Die Opposition spricht von einem Staatsstreich. Tusk sieht sich dagegen als Retter des Rechtsstaats. Rückendeckung bekommt er laut Berichten aus Brüssel. Kritiker halten das für ein Lehrstück darüber, wie die EU-Kommission sich parteiisch in die inneren Angelegenheiten eines Mitgliedstaats einmischt.

648 Tonnen: Polens stiller Goldrausch

Dass ausgerechnet das Gold zum Zankapfel wird, ist kein Zufall. Die Polnische Nationalbank (NBP) hat in den vergangenen Jahren so viel Gold gekauft wie kaum eine andere Zentralbank der Welt. Im Jahr 2024 waren es 90 Tonnen, 2025 sogar 102 Tonnen. Damit war die NBP in beiden Jahren der größte Käufer weltweit.

Ende August 2026 lagen nach Angaben von NBP-Chef Adam Glapiński 648 Tonnen Gold in den Tresoren, im Wert von rund 344,8 Milliarden Złoty. Das Ziel heißt 700 Tonnen. Laut dem Bericht hält die EZB selbst lediglich 506,5 Tonnen. Warschau sitzt also auf einem Schatz, der jede Begehrlichkeit wecken könnte.

Faktencheck: Wandert das Gold wirklich nach Frankfurt?

Hier ist Nüchternheit gefragt. Nach den Statuten des Europäischen Systems der Zentralbanken müssen neue Euro-Mitglieder nur einen Teil ihrer Währungsreserven an die EZB übertragen, nämlich anteilig nach ihrem Kapitalschlüssel. Der Großteil bleibt bei der nationalen Notenbank. Das beste Beispiel ist die Bundesbank, die trotz Euro weiterhin über ihre rund 3.350 Tonnen Gold verfügt.

Dazu kommt eine politische Hürde: Für den Euro bräuchte Polen nach verbreiteter Rechtsauffassung eine Verfassungsänderung mit Zweidrittelmehrheit. Die hat Tusk nicht. Präsident Nawrocki und Notenbankchef Glapiński gelten außerdem als entschiedene Euro-Skeptiker. Ein Goldtransfer steht deshalb nicht unmittelbar bevor. Bleibt die Frage, wie lange solche Brandmauern halten, wenn Brüssel den Druck erhöht.

Rüstungsmilliarden und der Streit um SAFE

Ein zweiter Konflikt schwelt bei der Aufrüstung. Polen hat die größte Armee unter den europäischen NATO-Staaten. Nawrocki lehnt laut dem Bericht die EU-Rüstungskredite „Security Action for Europe“ (SAFE) ab. Diese würden vorschreiben, dass der Großteil der Ausrüstung in EU-Staaten gekauft wird und nicht bei Polens Partnern in den USA und Südkorea. Als Gegenvorschlag präsentierte er ein Programm namens „Polish SAFE 0%“ über 185 Milliarden Złoty, rund 46 Milliarden Dollar.

Hitler-Vergleiche helfen niemandem

Auf alternativen Portalen wird inzwischen eine deutlich steilere These verbreitet. Berlin wolle sich über Tusk Polens Gold und Armee sichern, so wie das NS-Regime 1939 das Gold der Tschechoslowakei an sich gerissen habe. Sogar Warnungen des Kreml-Politikers Dmitri Medwedew vor einem „neuen 1941“ werden dabei bemüht. Solche Vergleiche sind aus Sicht unserer Redaktion maßlos überzogen. Eine Bundesregierung, die schon an Brücken, Bahn und Bürokratie scheitert, eignet sich schlecht als Drahtzieherin einer Übernahme Europas.

Was Sparer daraus lernen sollten

Der eigentliche Kern ist trotzdem ernst. Gold ist wieder ein Machtfaktor. Zentralbanken kaufen es so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr, weil Vertrauen in Papierwährungen und internationale Verträge schwindet. Polen hat das früh erkannt und baut sich damit eine Reserve gegen fremden Zugriff auf.

Bürger können daraus eine einfache Lehre ziehen: Wer ohne Gegenparteirisiko vorsorgen will, sollte physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen. Gold und Silber im eigenen Besitz hängen weder an Gerichtsstreitigkeiten noch an Beschlüssen aus Brüssel.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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