
Petzen im Klassenzimmer? Stiftung nimmt Schüler-Eltern ins Visier

Sechs Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt ein Instagram-Beitrag der Amadeu Antonio Stiftung für Empörung. Die Stiftung warnt darin vor einer möglichen AfD-Regierung und liefert Lehrkräften und Eltern gleich einen Handlungsleitfaden mit. Ein Punkt darin: Eltern sollen kontaktiert werden, wenn deren Kinder angeblich rechtsextreme Aussagen treffen.
Der Leitfaden und seine brisanteste Passage
Ausgangspunkt ist die Sorge der Stiftung, die AfD könne im Falle einer Regierungsübernahme die Bildungspolitik im Land umkrempeln. Wörtlich heißt es in dem Beitrag, sollte die AfD eine Landesregierung stellen, könne sie weitreichende Änderungen vornehmen – und genau das sei ihr Plan.
Dagegen empfiehlt die Stiftung unter anderem, demokratische Werte fest in Schulprogramm und Hausordnung zu verankern. Lehrkräfte sollten standhaft bleiben, es gelte gegenüber Rechtsextremismus keine Neutralitätspflicht. Bei Druck solle man sich vernetzen, notfalls Fachverbände, Gewerkschaften oder Beratungsstellen einschalten.
Und dann folgt der Satz, an dem sich die Kritik entzündet. Man solle anderen Unterstützung anbieten, wie sie mit „rechtsextremen Aussagen ihrer Kinder“ umgehen könnten.
Wo endet Aufklärung – und wo beginnt Denunziation?
Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein bemerkenswerter Vorgang. Eine steuerlich geförderte Stiftung ermuntert Lehrer und Eltern, das Gesagte von Kindern zu bewerten und daraufhin die Familien zu kontaktieren. Wer definiert dabei eigentlich, was „rechtsextrem“ ist – der Pädagoge, die Stiftung, der Klassenchat?
Kritiker sehen darin eine gefährliche Grenzverschiebung: Schule solle Wissen vermitteln und zum eigenständigen Denken erziehen, nicht zum Melden. Auch in den Kommentarspalten fällt immer wieder der Vergleich mit den Überwachungsmethoden der DDR – ein Vergleich, der die emotionale Wucht des Themas zeigt.
Eine Stiftung im Dauerstreit – auf Kosten der Steuerzahler
Die Amadeu Antonio Stiftung ist seit Jahren umstritten. Sie erhält Fördermittel des Bundes; Medienberichten vom Herbst 2025 zufolge sind diese Zuwendungen trotz scharfer Kritik aus den Reihen der Union sogar gestiegen. Die AfD-Bundestagsfraktion brachte im November 2025 einen Antrag ein, die staatliche Finanzierung zu beenden.
Belastet ist die Stiftung zudem durch die Vergangenheit ihrer langjährigen Vorsitzenden, die ihre frühere Tätigkeit als inoffizielle Mitarbeiterin des DDR-Staatssicherheitsdienstes eingeräumt hat. Für viele Bürger ist genau das der wunde Punkt: Ausgerechnet eine solche Organisation soll erklären, wie Demokratie im Klassenzimmer funktioniert?
Warum die Nervosität so groß ist
Der Hintergrund ist politischer Sprengstoff. In Sachsen-Anhalt wird am 6. September 2026 ein neuer Landtag gewählt. Umfragen sehen die AfD Ende August bei rund 41 bis 42 Prozent, die CDU nur bei etwa 22 bis 26 Prozent.
Solche Zahlen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind Ausdruck einer tiefen Vertrauenskrise gegenüber Berlin – bei Migration, innerer Sicherheit, Energiepreisen und Schuldenpolitik. Wer diese Unzufriedenheit mit Leitfäden und Meldelogik beantwortet statt mit besserer Politik, dürfte sie eher verstärken.
Denn eine Demokratie lebt vom Streit der Argumente – nicht davon, dass Erwachsene Kindersätze protokollieren. Die Stiftung sieht sich selbst als Bollwerk gegen Menschenfeindlichkeit. Ob dieser Leitfaden diesem Anspruch gerecht wird, dürfte in Sachsen-Anhalt gerade sehr unterschiedlich beantwortet werden.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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