
Peter Schiff schlägt Alarm: Silber auf 200 Dollar, Gold auf 10.000 – die Notenbank in der Schuldenfalle

Es gibt Stimmen an den Finanzmärkten, die man nicht ignorieren sollte – auch wenn sie unbequem sind. Der US-Ökonom und langjährige Dollar-Skeptiker Peter Schiff gehört zweifellos zu diesen Stimmen. In einem aktuellen Interview mit „Top of Mine“ zeichnet er ein Bild, das jeden verantwortungsbewussten Sparer aufhorchen lassen sollte: Die amerikanische Notenbank sitze in der Falle, gefangen zwischen astronomischen Staatsschulden und der Unmöglichkeit, diese jemals seriös zurückzuzahlen. Sein Fazit ist so schlicht wie brisant: Am Ende werde man die Schulden einfach weginflationieren – und Silber katapultiere sich auf 200 Dollar, Gold gar auf 10.000 Dollar je Unze.
Die Notenbank als Gefangene der eigenen Politik
Man muss sich die Zahlen auf der Zunge zergehen lassen, um das Ausmaß zu begreifen. Eine Staatsverschuldung, die sich der Marke von 40 Billionen Dollar nähert. Jährliche Defizite in Richtung drei Billionen. Und Zinszahlungen, die bald zwei Billionen Dollar jährlich verschlingen könnten. Wer bei diesen Dimensionen noch von „Preisstabilität“ spricht, betreibt nach Schiffs Ansicht reine Augenwischerei.
Gold kletterte zuletzt wieder über die Marke von 4.100 Dollar, nachdem die US-Arbeitsmarktzahlen im Juni mit lediglich 57.000 neuen Stellen weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Doch Schiff warnt: Die Anleger starrten auf das falsche Signal.
„Ich glaube, die Investoren lassen sich von der Rhetorik der Fed täuschen. Er hat zugegeben, dass Inflation eine Entscheidung ist – und genau das ist es, wofür er sich entscheiden wird.“
Warum die Alternative politisch undenkbar ist
Die Logik dahinter ist ebenso einfach wie unbequem. Würde die Notenbank die Zinsen tatsächlich so weit anheben, wie es zur echten Bekämpfung der Inflation nötig wäre, würde sie zugleich den Schuldendienst des Staates unbezahlbar machen. Die Folge? Ein einbrechender Aktienmarkt, fallende Immobilienpreise, Rezession und – man höre und staune – tatsächliche fiskalische Disziplin in Washington. Genau das aber, so Schiff, werde die Politik unter allen Umständen vermeiden. Lieber lasse man die Inflation den realen Wert der Schulden Stück für Stück auffressen. Ein Muster, das dem aufmerksamen Beobachter auch diesseits des Atlantiks bekannt vorkommen dürfte.
Silber – das unterschätzte Edelmetall
Besonders euphorisch zeigt sich Schiff beim Silber. Nach dem jüngsten Höhenflug und der anschließenden Korrektur sieht er keinen Grund zur Sorge, sondern eine Kaufgelegenheit. Die Marke von 50 Dollar, die in den Jahren 1980 und 2011 als Widerstand fungierte, werde nun zum stabilen Fundament.
„Der alte Widerstand ist die neue Unterstützung. Wir haben gerade erst einen neuen Bullenmarkt im Silber gestartet.“
Sein Kursziel von 200 Dollar bezeichnet er sogar als konservativ. Wer bedenke, dass er in den späten 1990er-Jahren bei rund vier Dollar je Unze mit dem Kauf begonnen habe, verstehe die Dimension. Entscheidend sei dabei ein Punkt, den viele übersehen: Es sei nicht das Silber, das steige, sondern der Dollar, der falle.
„In Wahrheit geht es um den sinkenden Dollar. Man wird sehr viel mehr Dollar brauchen, um Silber zu kaufen – und um alles andere zu kaufen.“
Industrie- und Geldnachfrage verstärken sich gegenseitig
Schiff sieht zwei Kräfte, die sich beim Silber gegenseitig befeuern: die industrielle Nachfrage durch steigenden Stromverbrauch und wachsende Anwendungsfelder einerseits, die monetäre Nachfrage andererseits. Historisch übertreffe Silber in Edelmetall-Bullenmärkten regelmäßig die Goldentwicklung. Erreiche Gold tatsächlich 5.000 und später 10.000 Dollar, dürfte Silber prozentual sogar stärker zulegen.
Das große Umdenken bei den Zentralbanken
Doch Schiffs Analyse reicht weit über die reinen Metallmärkte hinaus. Die Notenbanken dieser Welt seien längst dabei, ihre Reserven vom Dollar weg und ins Gold umzuschichten. Damit kehre sich ein System um, das seit 1971 Bestand habe – seit jenem Jahr also, in dem der Dollar das Gold als weltweites Reserve-Ankerwährung ablöste.
„Gold ist der Ersatz für den Dollar – weil Gold die Reserve war, bevor es der Dollar wurde.“
Wer die aktuellen Rekordkäufe der Zentralbanken beobachtet, wird diesen Trend kaum von der Hand weisen können. Es ist ein stiller, aber machtvoller Vertrauensentzug gegenüber Papiergeld – und ein deutliches Signal an alle, die ihr Vermögen bewahren wollen.
Kritik am Dauer-Pessimisten – und Schiffs Konter
Natürlich fehlt es nicht an Spöttern. Der Dollar sei schließlich noch immer Weltleitwährung, die Staatsanleihen fänden weiterhin Käufer, und der große Kollaps, den Schiff seit Jahrzehnten prophezeie, bleibe aus. Der Ökonom kontert selbstbewusst: Gold, das er Ende der 1990er unter 300 Dollar erworben habe, habe den S&P 500 geschlagen. Wer stattdessen auf Bargeld oder Staatsanleihen gesetzt habe, sei der wahre Verlierer gewesen.
Sein vielleicht wichtigster Satz aber ist zugleich eine Warnung an alle, die sich in falscher Sicherheit wiegen:
„Es ist uns gelungen, die Probleme vor uns herzuschieben. Aber gerade deshalb bleibt umso mehr zu bereinigen.“
Was bedeutet das für den deutschen Sparer?
Man muss Schiffs konkrete Kursziele nicht auf den Dollar genau teilen, um seine Grundthese ernst zu nehmen. Die Mechanik ist überall dieselbe: Überschuldete Staaten neigen dazu, ihre Lasten über die Notenpresse abzutragen – auf Kosten derer, die brav gespart haben. In Deutschland, wo die neue Bundesregierung unter Kanzler Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgelegt und die Schuldenbremse faktisch geschleift hat, dürfte diese Erkenntnis besonders schmerzhaft nachhallen. Wer versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen, hat das Gegenteil geliefert – und die Zeche zahlen kommende Generationen über Steuern, Abgaben und die schleichende Enteignung durch Inflation.
Physisches Gold und Silber waren über Jahrtausende hinweg das ehrlichste Geld, das die Menschheit kannte. Sie lassen sich nicht per Knopfdruck vermehren und entziehen sich dem Zugriff jeder Notenbank. Als solide Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie ein bewährter Anker gegen die Kaufkraftverluste, die uns die Politik des billigen Geldes noch bescheren dürfte.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die wiedergegebenen Aussagen Dritter wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Kursziele und Einschätzungen sind spekulativ und keinesfalls als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig ausreichend zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Wir übernehmen keinerlei Haftung für etwaige Verluste, die aus Entscheidungen auf Grundlage dieses Beitrags resultieren.
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