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13.01.2026
15:24 Uhr

Pekings goldene Gratwanderung: Warum China den Dollar stützt, während es ihn offiziell bekämpft

Pekings goldene Gratwanderung: Warum China den Dollar stützt, während es ihn offiziell bekämpft

Die Volksrepublik China setzt ihren bemerkenswerten Balanceakt zwischen rhetorischer Dollar-Kritik und faktischer Dollar-Stützung unvermindert fort. Die jüngsten Zahlen der chinesischen Devisenaufsicht SAFE offenbaren ein faszinierendes Bild strategischer Ambivalenz, das westliche Beobachter aufhorchen lassen sollte.

Goldreserven wachsen – aber nur im Schneckentempo

Mit nunmehr 74,15 Millionen Feinunzen Gold in den offiziellen Tresoren verzeichnete China im Dezember einen Zuwachs von rund 30.000 Unzen gegenüber dem Vormonat. Was auf den ersten Blick nach einer konsequenten Abkehr vom westlichen Finanzsystem klingen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als geradezu homöopathische Dosierung. Ein monatlicher Zuwachs von lediglich 0,4 Prozent – das ist keine Revolution, das ist bestenfalls ein vorsichtiges Herantasten.

Der Wert dieser Goldbestände erreichte zwar mit rund 319 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand, doch dieser Anstieg ist fast ausschließlich dem explodierenden Goldpreis geschuldet, der im vergangenen Jahr um mehr als 60 Prozent zulegte. Die physische Aufstockung blieb dagegen bescheiden. Seit November 2024 summieren sich die Nettokäufe auf gerade einmal 42 Tonnen – genug, um eine strategische Linie zu markieren, aber viel zu wenig, um von einer fundamentalen Neuausrichtung zu sprechen.

Der Goldanteil bleibt eine Randnotiz

Gemessen an den gesamten Währungsreserven von 3,358 Billionen US-Dollar macht Gold mit etwa 9,5 Prozent eine vergleichsweise bescheidene Figur. Damit liegt das Reich der Mitte deutlich unter dem Niveau vieler westlicher Zentralbanken, die traditionell einen höheren Goldanteil in ihren Reserven halten. Bezogen auf das chinesische Bruttoinlandsprodukt von rund 19 Billionen US-Dollar entspricht der Goldbestand weniger als zwei Prozent – eine Größenordnung, die kaum ins Gewicht fällt.

Die begleitenden Erklärungen der SAFE lesen sich seit Monaten wie aus der Textbaustein-Schublade gezogen: Der Anstieg der Währungsreserven liege vor allem an Bewertungseffekten, ausgelöst durch Wechselkursbewegungen und steigende Preise für Finanzanlagen. Inhaltlich mag das korrekt sein, doch es greift deutlich zu kurz.

Das Rätsel der verschwundenen Handelsüberschüsse

Hier wird es wirklich interessant: China erzielte im vergangenen Jahr einen Handelsüberschuss von rund einer Billion US-Dollar. Nach der klassischen Logik der 2000er Jahre hätte ein erheblicher Teil dieses Überschusses direkt in den Aufbau der Devisenreserven fließen müssen. Genau das geschieht seit Jahren nicht mehr. Obwohl der Überschuss auf Rekordniveau verharrt, wächst der offizielle Reservebestand nur noch im Schneckentempo. Die Währungsreserven legten im gesamten Jahr lediglich um etwa 156 Milliarden US-Dollar zu – ein Bruchteil des Handelsüberschusses.

Wohin verschwinden die restlichen Dollar? Die Antwort liegt in einem komplexen Geflecht aus Kapitalabflüssen, Direktinvestitionen, Portfolioanlagen und schwer erfassbaren Posten. Dieses Muster ist seit etwa 2010 zu beobachten und hat sich zuletzt weiter verschärft.

Die unsichtbare Hand der Staatsbanken

Der eigentliche Schlüssel zum Verständnis liegt nicht bei der Notenbank, sondern bei den staatlichen Geschäftsbanken. Während die offiziellen Reserven nur moderat steigen, haben sich die Netto-Auslandsvermögen dieser Institute in den vergangenen Jahren stark erhöht. Ihre Auslandsverbindlichkeiten blieben dagegen weitgehend stabil. Das Ergebnis ist ein wachsender Devisenpuffer außerhalb der Bilanz der People's Bank of China – unsichtbar in der offiziellen Statistik, aber höchst wirksam in der Praxis.

Die Intervention erfolgt dezentral und bleibt offiziell unsichtbar. Die Notenbank erlaubt zwar eine graduelle Aufwertung des Yuan, diese bleibt jedoch klar hinter den Markterwartungen zurück.

Chinesische Exporteure tauschen ihre Dollarerlöse zunehmend in Yuan um, was eigentlich Aufwertungsdruck erzeugen müsste. Um diesen Druck abzufangen, nehmen staatlich kontrollierte Banken die Fremdwährungen in ihre eigenen Bilanzen. Ein eleganter Trick, der erklärt, warum der Yuan trotz enormer Überschüsse nicht stärker steigt.

Die große Heuchelei: Dollar-Kritik bei gleichzeitiger Dollar-Stützung

Ein Blick auf die globalen Dollarströme enthüllt die eigentliche Ironie der chinesischen Strategie. Während Staaten wie China oder andere BRICS-Länder ihr offizielles Engagement in US-Dollar-Anlagen reduzieren, steigen die Bestände in Finanzzentren wie Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Kanada und den Cayman Islands. Was auf staatlicher Ebene abgebaut wird, taucht an anderer Stelle im privaten Finanzsystem wieder auf.

Hier treffen politisches Narrativ und wirtschaftliche Realität aufeinander – und sie könnten kaum weiter auseinanderliegen. Offiziell propagiert China die Abkehr vom Dollar und den Aufbau eines starken, international akzeptierten Yuan. In der Praxis stützt das Land über Kapitalflüsse, Bankbilanzen und indirekte Dollar-Nachfrage genau jenes System, von dem es sich rhetorisch distanziert.

Was bedeutet das für Anleger?

Die chinesische Goldpolitik zeigt einmal mehr, dass physische Edelmetalle als strategische Reserve auch von den größten Volkswirtschaften der Welt geschätzt werden – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Für den konservativen Anleger, der sein Vermögen langfristig absichern möchte, bleibt Gold ein bewährter Baustein im Portfolio. Die Tatsache, dass selbst China trotz aller Dollar-Rhetorik kontinuierlich Gold zukauft, unterstreicht die zeitlose Bedeutung des Edelmetalls als Wertspeicher in unsicheren Zeiten.

Die Zahlen zu Gold und Devisenreserven mögen oberflächlich stabil wirken. Die eigentliche Bewegung findet darunter statt – in den Bilanzen der Staatsbanken, in den Kapitalströmen und in der wachsenden Kluft zwischen dem, was China sagt, und dem, was es tut.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

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