
Peking ruft Berlin zu Hilfe: Deutschland soll BrĂĽssel ausbremsen

China setzt im Handelsstreit mit der EU auf einen alten Verbündeten: die Bundesregierung. Außenminister Wang Yi hat nach einem Telefonat mit Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am 22. September 2026 gefordert, Berlin solle innerhalb der Europäischen Union für Freihandel und gegen Protektionismus eintreten. Der Zeitpunkt ist kein Zufall — schon Mitte Oktober beraten die EU-Staats- und Regierungschefs über neue Instrumente gegen chinesische Handelspraktiken.
„Kein Handelskrieg“ — Chinas Botschaft an Berlin
Aus der Mitteilung des chinesischen Außenministeriums geht hervor, wie deutlich Peking den Ton setzt. China und die EU seien umfassende strategische Partner und sollten keinen Handelskrieg führen, erklärte Wang demnach.
„China und die EU sind umfassende strategische Partner und sollten keinen Handelskrieg führen“
Wang hoffe, dass Deutschland eine „rationale und pragmatische Haltung“ bewahre und „innerhalb der EU eine positive Rolle“ spiele. Differenzen seien durch Dialog und Konsultationen zu lösen. Angesichts von „Unilateralismus und Deglobalisierung“ müssten Berlin und Peking ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen.
Berlin antwortet — mit einem anderen Akzent
Das Auswärtige Amt bestätigte das gemeinsame Interesse an stabilen Wirtschaftsbeziehungen, setzte laut seiner Mitteilung auf X aber eine klare Bedingung: Der Handel müsse „auf fairen Regeln und einem echten Level Playing Field basieren“.
Interessant ist die Lücke zwischen beiden Lesarten. Während Berlin Fairness und gleiche Wettbewerbsbedingungen betont, schreibt die chinesische Seite dem deutschen Außenminister die Bereitschaft zu, im EU-China-Konflikt vermittelnd zu wirken. Wer hier wem etwas in den Mund legt, lässt sich von außen nicht entscheiden — dass Peking Deutschland als Hebel gegen Brüssel begreift, liegt nach Einschätzung vieler Beobachter dennoch auf der Hand.
Eine Milliarde Euro Defizit — pro Tag
Der Hintergrund ist dramatisch. Nach offiziellen Zahlen kletterte das EU-Warenhandelsdefizit mit China 2025 um 2,7 Prozent auf rund 359,9 Milliarden Euro — das entspricht fast einer Milliarde Euro täglich. Anfang 2026 legte es Medienberichten zufolge um weitere zehn Prozent zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach in ihrer Rede zur Lage der Union von einem „kritischen Punkt“ und kündigte an, alle verfügbaren Instrumente zu nutzen.
Brüssel und Peking hatten sich eine Frist bis Oktober gesetzt, um Fortschritte zu erzielen. Parallel hat die EU zum 1. Juli 2026 die Zollfreigrenze von 150 Euro gestrichen und eine Pauschale von drei Euro je Sendung eingeführt — eine Antwort auf die Paketflut aus Fernost. Bloomberg-Berichten zufolge arbeitet zudem die Bundesregierung selbst an einem Paket zur wirtschaftlichen Sicherheit und prüft neue Zölle.
Deutschland zwischen zwei Feuern
Genau hier liegt das Dilemma: Deutsche Autobauer, Maschinenbauer und Chemiekonzerne verdienen in China Milliarden — und werden gleichzeitig auf ihren Heimatmärkten von subventionierter Konkurrenz unter Druck gesetzt. Jahrzehntelang setzte Berlin auf „Wandel durch Handel“. Heute steht ein Industrieland mit hohen Energiepreisen, ausufernder Bürokratie und schwacher Konjunktur vor der Frage, wie viel Abhängigkeit es sich noch leisten kann.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vorgang vor allem eines: Wer wirtschaftlich erpressbar ist, verliert außenpolitisch die Handlungsfreiheit. Und wenn Handelsströme, Lieferketten und Währungen zum Spielball geopolitischer Machtkämpfe werden, gewinnen physische Sachwerte wie Gold und Silber als krisenerprobte Beimischung zur Vermögenssicherung an Bedeutung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist fĂĽr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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