
Öl-Insel Kharg: Trumps Drohvideo und ein Krieg, der Europa teuer kommt

Erstmals seit über einem Monat haben sich die USA und der Iran wieder direkt beschossen. US-Streitkräfte nahmen nach Angaben des Zentralkommandos Centcom zwei iranische Raketenwerfer auf der Insel Larak in der Straße von Hormus unter Feuer. Teheran antwortete mit Raketen und Drohnen auf zwei von den Amerikanern genutzte Luftwaffenstützpunkte in Jordanien.
Für zusätzliche Nervosität sorgte Donald Trump. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb der US-Präsident am Sonntag (Ortszeit), die Insel Kharg werde „in Schutt und Asche gelegt“. Beigefügt war ein Video mit schweren Explosionen, das dem Bericht zufolge offenbar per Künstlicher Intelligenz erzeugt wurde.
Ein Post, drei mögliche Bedeutungen
Unabhängige Belege für einen tatsächlichen Angriff auf Kharg lagen zunächst nicht vor. Weder das Weiße Haus noch das Pentagon hätten Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters beantwortet, auch iranische Medien schwiegen zunächst.
Ob Trump also einen laufenden Einsatz verkündete, einen kommenden andeutete oder schlicht den Druck erhöhen wollte – offen. Willkommen in der Weltpolitik des Jahres 2026, in der eine KI-Animation Ölmärkte bewegen kann.
90 Prozent der Ölexporte hängen an einer Insel
Warum das so brisant ist? Über Kharg liefen vor Kriegsbeginn am 28. Februar rund 90 Prozent der iranischen Ölausfuhren. Die Insel ist das Herzstück der Energieinfrastruktur des Landes.
Würde das Terminal beschädigt, träfe das Teherans wichtigste Einnahmequelle ins Mark – und die Weltmärkte gleich mit. Der Iran ist der drittgrößte Ölproduzent innerhalb der Opec. Kharg liegt rund 660 Kilometer westlich von Larak, jener kleinen Insel nahe Bandar Abbas, von der aus die Revolutionsgarden den Schiffsverkehr am Eingang zum Persischen Golf überwachen.
Minenleger, Abfangraketen, Dementis
Centcom bezeichnete den Schlag gegen Larak auf X als „begrenzte und präzise“ Maßnahme gegen Minenleger, von denen eine unmittelbare Gefahr ausgegangen sei. Man habe zivile Seeleute und den freien Welthandel geschützt, hieß es weiter. Iranische Staatsmedien berichteten dagegen von Toten und Verletzten – unabhängig bestätigt wurde das zunächst nicht.
Die Revolutionsgarden sprachen laut der Agentur Fars von einem „strategischen und tödlichen Fehler“ Washingtons und meldeten Treffer auf den Basen al-Asrak und King Hussein. Jordanien erklärte hingegen, die eigene Luftverteidigung habe acht eingedrungene Raketen abgefangen, bevor Menschen oder Gebäude gefährdet worden seien. In Jordanien sind dem Wall Street Journal zufolge fast 4000 US-Soldaten stationiert.
Fünf Frachter am Tag – und der Preis klettert
Vor dem Krieg passierte fast ein Fünftel des weltweiten Rohöl- und Flüssiggas-Transports die Meerenge. Am Wochenende waren laut Reuters nur noch fünf Frachtschiffe pro Tag über ihre Ortungssysteme sichtbar – manche Besatzungen dürften die Kennung aus Angst vor Angriffen abgeschaltet haben.
Die Märkte reagierten prompt: Brent legte am Sonntag um 2,8 Prozent auf 90,57 Dollar je Barrel zu, US-Rohöl um 2,7 Prozent auf 85,64 Dollar.
Parallel dreht Washington an der Finanzschraube. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte gegenüber Reuters an, künftig voraussichtlich wöchentlich neue Sekundärsanktionen zu verhängen – zunächst gegen Banken mit Iran-Geschäft, notfalls bis zum Ausschluss aus dem Dollar-System. Verhandlungen zwischen beiden Seiten finden nach Darstellung des Weißen Hauses derzeit nicht statt.
Was das für deutsche Verbraucher bedeutet
Für Deutschland, dessen Industrie ohnehin unter hohen Energiekosten ächzt, ist jeder Dollar am Ölmarkt eine zusätzliche Last. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt die Lage vor allem eines: Wer sich energiepolitisch von fremden Meerengen abhängig macht, verliert Handlungsspielraum. In solchen Phasen erinnern sich viele Sparer daran, warum physische Edelmetalle seit Jahrhunderten als krisenfester Baustein eines breit gestreuten Vermögens gelten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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