
Ăffentlich-rechtlicher Krisenmodus: Tagesschau-Vize gibt erstaunliche Einblicke in die Corona-Berichterstattung
Wenn ein hochrangiger ARD-FunktionĂ€r plötzlich von einem "Ă€ngstlichen Volk" spricht und gleichzeitig journalistische VersĂ€umnisse einrĂ€umt, sollten beim kritischen BĂŒrger sĂ€mtliche Alarmglocken schrillen. Helge Fuhst, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur der Tagesschau und Tagesthemen, hat nun in einem bemerkenswerten Interview Aussagen getĂ€tigt, die tief blicken lassen â sowohl in die Mechanismen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als auch in das SelbstverstĂ€ndnis seiner Macher.
SpÀte Einsicht oder geschickte Rechtfertigung?
Die EingestĂ€ndnisse kommen reichlich spĂ€t. Fuhst rĂ€umt ein, dass die ARD wĂ€hrend der Corona-Pandemie "lĂ€nger als nötig im Krisenmodus" verharrt sei. Man habe, so seine Worte, "schneller den Alltag wieder zulassen" sollen. Doch was bedeutet diese vorsichtige Selbstkritik wirklich? Millionen von BĂŒrgern haben ĂŒber Jahre hinweg eine einseitige, angstgetriebene Berichterstattung ertragen mĂŒssen, die alternative Sichtweisen systematisch ausblendete und kritische Stimmen marginalisierte.
Besonders aufschlussreich ist Fuhsts Verteidigungsstrategie: Er wehre sich gegen den Vorwurf einseitiger Berichterstattung mit dem Argument, man habe lediglich den "vorherrschenden gesellschaftlichen Konsens" abgebildet. Doch wer definierte diesen Konsens? War es nicht gerade die mediale Dauerbeschallung durch Sender wie die ARD, die diesen vermeintlichen Konsens erst geschaffen und zementiert hat?
Das "Ă€ngstliche Volk" â eine entlarvende Formulierung
Wenn Fuhst davon spricht, dass "wir ein eher Ă€ngstliches, vorsichtiges Volk" seien, offenbart er eine beunruhigende Geisteshaltung. Diese paternalistische Sichtweise suggeriert, dass die Deutschen eine besondere FĂŒhrung durch ihre Medien benötigten â eine FĂŒhrung, die offenbar darin bestand, Ăngste zu schĂŒren statt aufzuklĂ€ren, Panik zu verbreiten statt zu beruhigen.
"Vielleicht sind wir ein eher Ă€ngstliches, vorsichtiges Volk" â eine Aussage, die mehr ĂŒber das Menschenbild der öffentlich-rechtlichen Medienmacher verrĂ€t als ĂŒber die tatsĂ€chliche Verfasstheit der deutschen Bevölkerung.
Die historische Dimension dieser Aussage sollte nicht unterschÀtzt werden. In Krisenzeiten haben Medien die Verantwortung, ausgewogen zu berichten und verschiedene Perspektiven zu beleuchten. Stattdessen wurde ein Narrativ der Alternativlosigkeit gepflegt, das jeden Widerspruch als gefÀhrlich brandmarkte.
Ostdeutschland und der lĂ€ndliche Raum â jahrelang ignoriert
Immerhin gesteht Fuhst ein weiteres VersÀumnis ein: Die systematische UnterreprÀsentation ostdeutscher Perspektiven und des lÀndlichen Raums in der Berichterstattung. "Es gab tatsÀchlich Zeiten, in denen, wie ich finde, der Osten zu kurz kam", rÀumt er ein. Doch auch hier folgt sogleich die Relativierung: Die Situation habe sich inzwischen "deutlich verbessert".
Diese EinschĂ€tzung dĂŒrfte bei vielen Ostdeutschen auf UnverstĂ€ndnis stoĂen. Gerade sie haben wĂ€hrend der Corona-Zeit besonders kritisch auf die MaĂnahmen geblickt â nicht zuletzt aufgrund ihrer DDR-Erfahrungen mit staatlicher Bevormundung und Medienpropaganda. Dass ihre Stimmen kaum Gehör fanden, war kein Zufall, sondern System.
DiversitÀt als Feigenblatt
Besonders pikant wird es, wenn Fuhst von "DiversitĂ€t" spricht. Seine Sender mĂŒssten "so divers wie möglich sein", betont er. Doch welche Art von DiversitĂ€t ist hier gemeint? Offenbar nicht die Vielfalt der Meinungen, sondern eher eine oberflĂ€chliche DiversitĂ€t, die sich in ĂuĂerlichkeiten erschöpft, wĂ€hrend die ideologische Einfalt bestehen bleibt.
Der Verweis darauf, man wolle kein Sender fĂŒr "die Elite oder die Entscheider in Berlin-Mitte" sein, wirkt angesichts der tatsĂ€chlichen Berichterstattung geradezu zynisch. Denn genau diesen Eindruck haben Millionen von Zuschauern gewonnen: Eine abgehobene Medienkaste, die von ihrer Berliner Blase aus dem Rest des Landes erklĂ€rt, wie er zu denken und zu fĂŒhlen hat.
Die wahre Lehre aus der Corona-Zeit
Was Fuhst und seine Kollegen offenbar noch immer nicht verstanden haben: Die GlaubwĂŒrdigkeitskrise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist nicht mit kosmetischen Korrekturen zu beheben. Sie ist das Resultat einer jahrelangen einseitigen Berichterstattung, die ihren Höhepunkt in der Corona-Zeit fand.
Die vorsichtigen EingestÀndnisse kommen zu spÀt und gehen nicht weit genug. Statt echter Selbstkritik erleben wir eine geschickte Mischung aus TeilgestÀndnissen und Rechtfertigungen. Die Formulierung vom "Àngstlichen Volk" entlarvt dabei eine Grundhaltung, die das eigentliche Problem darstellt: Ein Journalismus, der sich als Erzieher versteht statt als kritischer Beobachter.
FĂŒr die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bedeutet dies nichts Gutes. Solange die Verantwortlichen nicht bereit sind, ihre Rolle grundlegend zu ĂŒberdenken und echte Meinungsvielfalt zuzulassen, wird das Vertrauen weiter schwinden. Die BĂŒrger haben ein Recht auf ausgewogene Information â nicht auf paternalistische Bevormundung durch selbsternannte Volkserzieher.
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