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Kettner Edelmetalle
27.07.2026
06:04 Uhr

Musk kapituliert vor der Maschine: „Der Schimpanse wird nicht die Kontrolle haben"

Jahrelang spielte Elon Musk den Mahner, der die Welt vor einer entfesselten Künstlichen Intelligenz retten wollte. Nun erklärt der reichste Mann der Welt in einem Podcast-Interview des britischen „Economist": Aufgeben, entspannen, mitfahren. Die Menschheit solle den Versuch, KI zu beherrschen, schlicht einstellen. Wer aufmerksam zuhört, hört keine Utopie – sondern das Eingeständnis eines Mannes, der selbst am Steuer sitzt und behauptet, das Lenkrad sei ohnehin nur Dekoration.

Vom Warner zum Wortführer der Ergebung

Es ist eine bemerkenswerte Wendung. Derselbe Musk, der OpenAI mitgründete, um dem Silicon-Valley-Riesen Google ein ethisches Gegengewicht entgegenzustellen, erklärt heute, seine Bemühungen um Sicherheit hätten die Entwicklung nur beschleunigt. Ein Satz, der viel über die Hybris des Tech-Milieus verrät: Man wollte die Büchse der Pandora sichern und hat sie dabei aufgerissen.

In den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten, so seine Prognose, werde KI ein Zeitalter des Überflusses einläuten. Jeder könne alles haben. Geld werde in etwa zehn Jahren praktisch bedeutungslos. Maschinen produzieren, Roboter arbeiten, der Mensch konsumiert. Klingt paradiesisch – und ähnelt verdächtig jenen Verheißungen, mit denen im 20. Jahrhundert schon einmal ganze Völker in die Mangelwirtschaft marschiert sind.

Der Vergleich, der alles verrät

Wer glaube, der Mensch behalte in dieser schönen neuen Welt das Zepter, dem hält Musk einen brutalen Vergleich hin: Der Intelligenzabstand zwischen Mensch und Superintelligenz entspreche jenem zwischen Mensch und Schimpanse.

„Es ist schwer vorstellbar, dass der Schimpanse die Kontrolle haben wird."

Der Mensch, so Musk, sei evolutionär betrachtet nur ein etwas fortgeschrittener Primat, der bis vor kurzem noch auf Bäumen saß. Diese Selbstverachtung ist neu bei ihm. Früher warf ihm Google-Mitgründer Larry Page vor, ein „Specieist" zu sein, weil er die Menschheit über die Maschine stellte. Heute reiht er unsere Gattung selbst unter die Bananenesser ein. Ein Weltbild, in dem der Mensch nicht Krone der Schöpfung, sondern nur eine Zwischenstufe ist, hat Konsequenzen – politische, kulturelle, moralische. Wer den Menschen kleinredet, muss ihn später nicht mehr schützen.

Die Rechnung mit dem thermonuklearen Sternchen

Musks Wohlstandsversprechen kommt mit einem Kleingedruckten, das größer ist als das Versprechen selbst: Solange es keinen massiven thermonuklearen Konflikt gebe, steuere die Menschheit auf Überfluss zu. Angesichts der geopolitischen Lage – Ukraine, Nahost, das Ringen zwischen Washington und Peking um technologische Vorherrschaft – ist das keine Fußnote, sondern der ganze Kern. Denn wer garantiert, dass die erste echte Superintelligenz nicht zuerst in einem Waffensystem landet? Militärische Anwendungen waren historisch stets die schnellsten Kunden neuer Technologien.

Politik als Verschnaufpause im Wettrennen

Fast beiläufig räumt Musk ein, sich politisch zu weit vorgewagt zu haben. Nach seiner Unterstützung für Donald Trump und seinen wiederholten Forderungen nach Haushaltsdisziplin habe er sich mitreißen lassen. Man darf spekulieren: Während OpenAI, Google und Anthropic neue Modelle ausrollten, kämpfte er mit xAI und Grok um den Anschluss. Der Rückstand ist real. Nun ruft er ausgerechnet zur Kooperation – gegenseitige Prüfung neuer Modelle, gemeinsame Verantwortung, sogar mit Sam Altman, den er verklagte und vor Gericht unterlag. Nur bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Wem gehört der Überfluss?

Hier liegt der eigentliche Skandal dieser Erzählung. Wenn Maschinen produzieren und Menschen nur noch konsumieren, gehören die Produktionsmittel des 21. Jahrhunderts einer Handvoll Konzerne. Musk gehört zu ihnen – mit xAI, mit den Fahrassistenzsystemen von Tesla, mit Neuralink. Seine Kapitulation ist erstaunlich bequem für jemanden, der im Rennen mitfährt.

Wer über Eigentumsrechte, Datensouveränität und die Frage der Verfügungsmacht nicht heute spricht, wird 2036 feststellen, dass der Überfluss ausschließlich in Aktionärsdepots angekommen ist. Und wenn Musk verkündet, Geld werde bedeutungslos, sollte man genau hinhören: Meint er das Geld der Bürger – oder auch sein eigenes Vermögen? Papierwerte, Aktienbewertungen und Buchgeld leben von Vertrauen und politischer Stabilität. Wer diese beiden Säulen für ungewiss erklärt, liefert unfreiwillig das stärkste Argument für Sachwerte, die keiner Serverfarm, keinem Algorithmus und keinem Zentralbankbeschluss bedürfen. Gold und Silber haben Weltkriege, Währungsreformen und Technologierevolutionen überdauert – ohne Softwareupdate.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt die Einschätzung unserer Redaktion dar und ist ausdrücklich keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für einzelne Finanzprodukte, Unternehmen oder Anlageklassen. Jeder Leser ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren, Risiken selbst zu bewerten und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein. Eine Haftung für Vermögensschäden wird nicht übernommen.

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