
Münchens SPD-Oberbürgermeister Reiter stürzt ab – Stichwahl wird zum Überlebenskampf
Was für ein Debakel für Dieter Reiter. Der Münchner Oberbürgermeister, einst mit fast 48 Prozent im ersten Wahlgang triumphierend ins Rathaus eingezogen, muss nun um sein politisches Überleben kämpfen. Bei den bayerischen Kommunalwahlen am 8. März sackte der SPD-Mann auf magere 35,6 Prozent ab – ein Verlust von über zwölf Prozentpunkten gegenüber 2020. Ein Erdrutsch, der selbst hartgesottene Politbeobachter aufhorchen lässt.
Skandale und sprachliche Entgleisungen als Sargnägel
Die Gründe für Reiters dramatischen Absturz liegen auf der Hand, und der Amtsinhaber weiß das offenbar selbst. „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht", gestand er am Wahlabend kleinlaut ein. Eine bemerkenswerte Untertreibung, möchte man meinen. Denn die Affäre um nicht vom Stadtrat genehmigte Zahlungen im Zusammenhang mit seinem Ehrenamt beim FC Bayern München hatte bereits tiefe Kratzer in seinem Image hinterlassen.
Dann kam der sprachliche Ausrutscher, der die ohnehin aufgeheizte Stimmung vollends zum Kochen brachte. Wenige Tage vor der Wahl ließ Reiter im Münchner Stadtrat den Satz fallen: „So, wo samma, sagen die Neger." Er berief sich anschließend auf ein Zitat des verstorbenen bayerischen Liedermachers Fredl Fesl und entschuldigte sich. Es habe ihm „in keiner Weise" daran gelegen, Menschen zu verletzen oder abzuwerten.
Die Ironie der politischen Korrektheit
Man muss an dieser Stelle innehalten und die groteske Ironie der Situation würdigen. Ausgerechnet ein SPD-Politiker – jener Partei also, die sich seit Jahren als moralische Instanz in Sachen Sprachsensibilität aufspielt und anderen bei jeder Gelegenheit den erhobenen Zeigefinger entgegenstreckt – stolpert über ein Wort, das in einem bayerischen Volkslied vorkommt. Die gleiche Partei, die Gendern zur Staatsräson erheben möchte und jeden konservativen Bürger, der sich gegen sprachliche Bevormundung wehrt, als rückständig brandmarkt. Nun frisst die Revolution ihre eigenen Kinder. Reiter wurde von genau jenen Maßstäben gerichtet, die seine Partei selbst mit aufgestellt hat.
Grüner Herausforderer wittert Morgenluft
Profiteur des Reiter-Debakels ist ausgerechnet der Kandidat der Grünen, Dominik Krause, der mit 29,5 Prozent den zweiten Platz eroberte und nun am 22. März in der Stichwahl antritt. Für München, eine Stadt, die traditionell zwischen SPD und CSU pendelte, wäre ein grüner Oberbürgermeister ein Novum – und für viele Bürger vermutlich keine erfreuliche Aussicht. Denn die grüne Politik der vergangenen Jahre hat in Deutschland vor allem eines hinterlassen: steigende Kosten, ideologische Gängelung und eine zunehmende Entfremdung von den realen Problemen der arbeitenden Bevölkerung.
Die Frage, die sich Münchens Wähler nun stellen müssen, ist denkbar unangenehm: Pest oder Cholera? Ein angeschlagener SPD-Amtsinhaber, der offensichtlich den Kontakt zur Basis verloren hat, oder ein Grüner, dessen Partei bundesweit für wirtschaftspolitische Irrwege steht?
Bayernweites Beben: Amtsinhaber unter Druck
München ist dabei kein Einzelfall. Quer durch den Freistaat müssen etablierte Amtsinhaber um ihre Posten zittern. In Nürnberg verfehlte CSU-Oberbürgermeister Marcus König mit 46 Prozent knapp die absolute Mehrheit und muss sich dem SPD-Kandidaten Nasser Ahmed in einer Stichwahl stellen. In Augsburg kam CSU-Oberbürgermeisterin Eva Weber nur auf 34 Prozent – ein Ergebnis, das kaum als Vertrauensbeweis gewertet werden kann. In Erlangen und Aschaffenburg lagen CSU-Kandidaten vor den bisherigen SPD-Amtsinhabern, während in Schweinfurt ein SPD-Bewerber eine bislang von der CSU regierte Stadt aufzumischen droht.
Das Gesamtbild ist eindeutig: Die Wähler sind unzufrieden. Und zwar parteiübergreifend. Ob SPD oder CSU – die etablierten Kräfte verlieren an Rückhalt. Das landesweite Ergebnis der bayerischen Kommunalwahlen steht zwar noch aus, da neben den Oberbürgermeisterwahlen auch die Ergebnisse der Stadträte und Kreistage zusammengezählt werden müssen. Doch der Trend ist unverkennbar.
Ein Symptom des politischen Vertrauensverlusts
Was wir in Bayern erleben, ist letztlich nur ein Spiegelbild dessen, was ganz Deutschland erfasst hat: ein tiefgreifender Vertrauensverlust in die politische Klasse. Die Bürger haben genug von Politikern, die sich in Skandale verstricken, die Sprache der Menschen nicht mehr sprechen und deren Prioritäten meilenweit von den Sorgen der Bevölkerung entfernt liegen. Steigende Lebenshaltungskosten, eine galoppierende Kriminalität, marode Infrastruktur – das sind die Themen, die die Menschen bewegen. Nicht Gendersternchen und nicht die Frage, ob ein bayerisches Volkslied noch zitiert werden darf.
Am 22. März wird sich zeigen, ob Dieter Reiter seinen Stuhl im Münchner Rathaus retten kann. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn in einer Stichwahl gegen einen Grünen dürften viele bürgerliche Wähler zähneknirschend für den SPD-Mann stimmen. Doch eines ist sicher: Selbst ein Sieg in der Stichwahl wäre für Reiter kein Triumph, sondern bestenfalls eine Gnadenfrist.

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