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Kettner Edelmetalle
30.07.2026
06:35 Uhr

Mercedes bilanziert Gewinne – und produziert Deutschland Stück für Stück ab

Mercedes bilanziert Gewinne – und produziert Deutschland Stück für Stück ab

Es gab Zeiten, da war eine Bilanzpressekonferenz eines deutschen Autobauers eine Pflichtübung mit vorhersehbarem Ausgang: Rekord, Rekord, Rekord. Heute genügt schon ein leicht steigendes Ergebnis, damit die Republik erleichtert aufatmet. Genau das lieferte Mercedes-Benz am Dienstag ab. Das operative Ergebnis im zweiten Quartal 2026 kletterte um rund 270 Millionen auf etwa 1,5 Milliarden Euro, der Gewinn stieg von 957 auf 1.086 Millionen Euro – ein Plus von 13,5 Prozent. Applaus? Nur, wenn man den Rest der Zahlen nicht liest.

Der Gewinn kommt nicht vom Verkaufen, sondern vom Streichen

Denn dieses Plus ist kein Ausdruck von Stärke, sondern das Resultat eiserner Sparprogramme. Kostensenkungen beim Personal, Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland – das ist die Rechnung, die hinter dem freundlichen EBIT steht. Zwischen Ende 2024 und Ende 2025 schrumpfte die Konzernbelegschaft von 175.264 auf 164.120 Beschäftigte. Über 11.000 Menschen weniger. Allein in Deutschland sank die Zahl von 114.741 auf 107.889. Und das Programm läuft weiter: Bis 2027 sollen die Fixkosten um zehn Prozent sinken. Wie viele Stellen dafür noch fallen, mag in Stuttgart derzeit niemand beziffern.

Gleichzeitig bröckelt das Fundament. Der Umsatz sank im Quartalsvergleich von 33,2 auf 32,1 Milliarden Euro. Weltweit wurden 417.765 Fahrzeuge abgesetzt – nach 453.674 im Vorjahresquartal. Ein Minus von etwa acht Prozent. Selbst gegenüber dem ersten Quartal, in dem noch 419.400 Wagen verkauft wurden, zeigt die Kurve nach unten. Besonders bitter: In China brach der Absatz um dreißig Prozent ein, das Ergebnis dort um 24 Prozent. Die Umsatzrendite fiel von 5,1 auf 4 Prozent und nähert sich der Nulllinie bedrohlich an.

Ein Konzern, der an der Kostenschraube dreht, aber Marktanteile verliert, kauft sich Zeit – keine Zukunft.

Ungarn baut auf, Deutschland baut ab

Wohin das Kapital fließt, verrät mehr über den Zustand des Standorts als jede Sonntagsrede aus Berlin. Am 13. Juli eröffnete Mercedes die Erweiterung seines Werks im ungarischen Kecskemét. Rund eine Milliarde Euro wurden investiert: Karosseriebau, Montage, ein zweites Presswerk, Lackiererei, neue Batteriemontage. Bis 2028 soll die weltweite Produktionskapazität auf etwa 2,2 Millionen Fahrzeuge konsolidiert werden – davon nur noch rund 900.000 in Deutschland.

Man muss das sacken lassen. Das Land, das dem Automobil einst seinen Namen gab, wird im eigenen Konzernverbund zur Nebenstelle. Und die Profiteure? Ausgerechnet jene Staaten, die man in Berlin und Brüssel gerne belehrt. Ungarn etwa, das man jahrelang mit erhobenem Zeigefinger traktierte, empfängt deutsche Milliardeninvestitionen mit offenen Armen – weil dort Industriepolitik noch als Wohlstandsquelle und nicht als Klimasünde begriffen wird. Auch die USA arbeiten mit Hochdruck an ihrer Reindustrialisierung.

Das bekannte Problembündel

Die Ursachen sind seit Jahren beschrieben und werden seit Jahren ignoriert. In China spielen heimische Hersteller ihren Kostenvorteil und inzwischen auch einen technologischen Vorsprung gnadenlos aus. Im US-Geschäft drücken die Zölle. Und daheim? Erratische Regulierung, eine Verbrennerpolitik nach ideologischem Kalender und Energiekosten, die international kaum noch vermittelbar sind.

Volkswagens Kahlschlag – und das große Schweigen

Wie tief die Wahrnehmungsstörung reicht, zeigte sich vor wenigen Tagen bei Volkswagen. Der Konzern präsentierte Konsolidierungspläne, die eher einem Teilkollaps gleichen: Mindestens 120.000 Mitarbeiter, fast jeder fünfte Beschäftigte, sollen in den kommenden Jahren gehen. In einem funktionierenden Gemeinwesen hätte das Schockwellen durch Politik, Medien und Wirtschaftselite gejagt. In Deutschland folgte: Stille. Ein paar Tage später sprach niemand mehr davon.

Die Antwort der Politik auf diesen industriellen Aderlass besteht aus einem Weiter-so in der Klimapolitik, rhetorischen Placebos und der bekannten Phrasendrescherei. Auch die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz hat die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz zementiert, während sie gleichzeitig ein 500-Milliarden-Sondervermögen auflegt, dessen Zinsen kommende Generationen abzahlen dürfen. Man verschuldet sich für Beton, während die Wertschöpfung nach Kecskemét abwandert.

Wer die Energiepolitik Ideologen überlässt, verliert die Industrie

Der Kahlschlag wird soziale Wellen schlagen. Ganze Regionen, die jahrzehntelang vom Automobilbau lebten, verblassen. Wer heute noch glaubt, das lasse sich mit Förderprogrammen und Umschulungskursen auffangen, hat das Ausmaß der Krise nicht begriffen. Es war einer der folgenschwersten Fehler der jüngeren deutschen Geschichte, die Energiepolitik – Rückgrat jeder Industrienation – in die Hände entgrenzter Ideologen zu legen. Die Rechnung kommt jetzt. Quartal für Quartal.

Was bleibt dem Bürger?

Wenn der Wohlstandsmotor eines Landes in seine Einzelteile zerlegt wird, trifft das am Ende nicht die Vorstandsetagen, sondern die Facharbeiter, die Zulieferer, die Kommunen mit ihren wegbrechenden Gewerbesteuern. Wer sein Vermögen in einer Volkswirtschaft parkt, die sich planmäßig deindustrialisiert, sollte sich Gedanken über Substanz machen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind seit Jahrtausenden das, was politische Versprechen nie waren: unabhängig von Regierungen, Bilanzen und Ideologien – und damit eine bewährte Ergänzung eines breit gestreuten Vermögens.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben weder Anlage- noch Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Leser ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für Verluste oder Schäden, die aus Entscheidungen auf Basis dieses Textes entstehen, wird keine Haftung übernommen.

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