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05.06.2026
05:16 Uhr

Mainzer Demokratie-Theater: Wie eine Million Wählerstimmen einfach entsorgt werden

Mainzer Demokratie-Theater: Wie eine Million Wählerstimmen einfach entsorgt werden

Es ist ein Lehrstück in Sachen gelebter Doppelmoral. Im rheinland-pfälzischen Landtag haben CDU, SPD und Grüne gemeinsam beschlossen, dass die zweitstärkste politische Kraft des Landes – die AfD – schlicht nicht existieren soll, wenn es um Verantwortung in den Fachausschüssen geht. Bei der Konstituierung der 14 parlamentarischen Fachausschüsse am 2. Juni 2026 wurde kein einziger AfD-Abgeordneter in eine leitende Position gewählt. Kein Vorsitz, keine Stellvertretung. Nichts.

Die Mathematik der Demokratie wird per Handhebe ausgehebelt

Man muss sich die Zahlen vor Augen führen, um das ganze Ausmaß dieser Posse zu erfassen. Bei der Landtagswahl vom 22. März 2026 erreichte die AfD satte 19,5 Prozent und damit 24 Sitze im Plenum. Die Grünen? Magere 7,9 Prozent und gerade einmal 10 Sitze. Die AfD ist im Mainzer Landtag also mehr als doppelt so stark wie die grüne Klientelpartei. Und doch durfte die kleine Truppe um Katrin Eder ihren Ausschussvorsitz und ihre Stellvertretung mit einstimmiger Zustimmung kassieren, während der wesentlich größeren Fraktion sämtliche Türen vor der Nase zugeschlagen wurden.

Eigentlich hätte der Ältestenrat unter Landtagspräsident Matthias Lammert (CDU) der AfD die Vorsitze in drei Fachausschüssen zugestanden – Bildung, Kultur sowie Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima. Hinzu kämen vier stellvertretende Leitungspositionen in den Bereichen Umwelt, Verkehr, Haushalt und Gesundheit. Eine saubere, der Fraktionsstärke entsprechende Verteilung. Doch was nützen Regeln, wenn man sie nach Belieben ignorieren darf?

Der bequeme Segen aus Karlsruhe

Die Gegner der AfD beriefen sich auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 18. September 2024, wonach Parlamentarier ihre Vorsitzenden in freier Wahl bestimmen dürften und keinem Vorschlag folgen müssten. Juristisch mag das wasserdicht sein. Doch politisch und moralisch riecht es bis nach Berlin: Hier wird mit höchstrichterlichem Segen eine jahrzehntelange parlamentarische Gepflogenheit beerdigt, sobald sie der eigenen Agenda im Wege steht.

Es geht bei der Wahl von Ausschussvorsitzenden nicht um Sympathien, sondern um den Respekt vor dem Wählerwillen.

Mit diesen Worten brachte es Damian Lohr, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion, auf den Punkt. Und in der Tat: Während die etablierten Parteien gebetsmühlenartig die „Demokratie" beschwören, treten sie ein zentrales demokratisches Prinzip mit Füßen – nämlich, dass jede gewählte Stimme zählt.

Radikalisierung? Die altbekannte Floskel

SPD-Fraktionschef und Ex-Ministerpräsident Alexander Schweitzer verwies zur Begründung auf eine angebliche „permanente Radikalisierung" der AfD. Man könne sich, so seine Lesart, von „Menschen, die für die AfD" stünden, „nicht repräsentiert fühlen". Grünen-Fraktionschefin Eder legte nach und erklärte kühn, die AfD gehöre „nicht zum demokratischen Spektrum". Bemerkenswert: Es sind ausgerechnet jene, die fast jede fünfte Wählerstimme im Land schlicht für unwürdig erklären, die sich als Hüter der Demokratie inszenieren. Wer eine Million Bürger faktisch zu Wählern zweiter Klasse degradiert, sollte mit dem Begriff „demokratisch" vorsichtiger umgehen.

Ein Muster mit System

Die Episode ist kein Einzelfall, sondern Teil einer langen Kette. Erst am 6. Mai 2026 hat der bereits abgewählte alte Landtag in einer Sondersitzung Artikel 91 der Landesverfassung geändert. Das Quorum zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses wurde von 20 auf 25 Prozent angehoben. Der Hintergrund ist durchschaubar: Die erstarkte AfD-Fraktion hätte mit ihren 24 Mandaten allein U-Ausschüsse durchsetzen können – ein Kontrollrecht der Opposition, das man ihr nun gezielt aus der Hand geschlagen hat.

Schon im Juli 2025 hatte das Landesinnenministerium signalisiert, AfD-Mitglieder nicht mehr in den Staatsdienst einstellen zu wollen, ehe man nach Kritik von Verfassungsrechtlern zurückruderte. Und der Fall des AfD-Abgeordneten Joachim Paul, dem in Ludwigshafen die Zulassung zur OB-Wahl verwehrt wurde, zeigt, wie weit man zu gehen bereit ist.

Wenn die Brandmauer zum Bumerang wird

Was die Architekten dieser Ausgrenzung offenbar nicht begreifen: Jede dieser Aktionen bestätigt jene Bürger, die sich vom etablierten Politikbetrieb längst abgewandt haben. Wer Millionen Wähler systematisch übergeht, treibt sie nicht zurück in die Arme der Altparteien, sondern erntet zusätzlichen Frust und Misstrauen gegenüber dem gesamten System. Eine gesunde Demokratie lebt vom fairen Wettstreit der Argumente – nicht vom kollektiven Wegsperren unliebsamer Konkurrenz.

In Zeiten, in denen das Vertrauen in Institutionen ohnehin erodiert, ist physisches Gold und Silber für viele Bürger längst zum Symbol echter Unabhängigkeit geworden – ein Wert, der sich nicht per Mehrheitsbeschluss aus dem Spiel nehmen lässt. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen möchte, findet in Edelmetallen eine bewährte Beimischung zur Absicherung. Die politische Großwetterlage in Deutschland gibt dafür reichlich Anlass.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Die geäußerten Einschätzungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist angehalten, eigenständig zu recherchieren und gegebenenfalls fachkundigen Rat einzuholen. Für Anlageentscheidungen ist jeder selbst verantwortlich.

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