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10.09.2026
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Machtwort aus Rom: Kardinal stoppt den Anti-AfD-Kurs der Bischöfe

Machtwort aus Rom: Kardinal stoppt den Anti-AfD-Kurs der Bischöfe
Symbolbild: KI-generiert

Es ist eine seltene Ohrfeige unter Kirchenmännern: Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat seinen deutschen Amtsbrüdern öffentlich vorgeworfen, ihr geistliches Amt für Parteipolitik zu missbrauchen. Anlass ist der Wahlkampf zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der zahlreiche Geistliche offen gegen die AfD Stellung bezogen hatten. Müllers Gastbeitrag erschien Anfang der Woche im katholischen Portal kath.net.

„Nicht in die Waagschale werfen“

Der Kern seiner Kritik ist unmissverständlich. Bischöfe dürften ihre geistliche Vollmacht keinesfalls zugunsten oder zuungunsten einer einzelnen Partei einsetzen, schrieb der Kardinal. Geistliche Autorität sei kein Wahlkampfinstrument.

Besonders scharf geht Müller mit dem Pauschalvorwurf um, die AfD und ihre Wähler hingen einem völkischen Rassedenken an. Das sei eine „unbewiesene Tatsachenbehauptung“. Dass Millionen deutscher Bürger eine Ideologie teilen sollten, die dem christlichen Menschenbild fundamental widerspreche, sei für ihn kaum nachvollziehbar.

Welche Partei die Mehrheit erringt, soll er getrost den Wählern überlassen und den Schutz der Demokratie den dafür zuständigen staatlichen Organen.

So beschreibt Müller Medienberichten zufolge die Rolle eines Bischofs. Dessen Auftrag sei das Seelenheil – nicht der Stimmzettel.

Wer hier wen kritisiert

Müller ist kein Randfigur der Kirche. Von 2002 bis 2012 leitete er das Bistum Regensburg, anschließend stand er bis 2017 als Präfekt an der Spitze der vatikanischen Glaubenskongregation – einer der mächtigsten Posten im Vatikan. 2014 erhob ihn Papst Benedikt XVI. zum Kardinal, 2021 berief ihn Papst Franziskus zusätzlich an den Höchsten Gerichtshof der Apostolischen Signatur. Der 79-Jährige lebt in Rom.

Sein Adressatenkreis ist prominent besetzt. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige warnte kurz vor der Wahl vor einem Erstarken der AfD und erklärte, er verstehe inzwischen, wie es damals zum Aufstieg der NSDAP gekommen sei. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte Berichten zufolge, die Kirche müsse das Risiko eingehen, AfD-Wähler zu verlieren. Und das Bistum Magdeburg warb mit der Kampagne „Bewusst wählen“ gegen „populistische und extremistische Positionen“.

43,8 Prozent – und dann die Sprachlosigkeit

Das Ergebnis dieser Mobilisierung ist bekannt: Die AfD wurde in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent mit Abstand stärkste Kraft, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, zeigte sich danach „zutiefst betrübt“ und erklärte, dieses Gedankengut habe keinen Platz im Christentum. Die Bischofskonferenz hat Müllers Kritik nach Medienberichten zurückgewiesen.

Aus Sicht unserer Redaktion legt der Kardinal damit den Finger in eine offene Wunde. Wer Millionen Wähler moralisch abqualifiziert, treibt sie nicht in die Kirchenbank zurück, sondern aus ihr heraus. Die Austrittszahlen der vergangenen Jahre sprechen eine deutliche Sprache – und die politische Wirkung solcher Appelle offenbar ebenfalls.

Eine Kirche im Richtungsstreit

Zurück bleibt ein zerrissenes Bild. Die einen mischen sich ein, die anderen mahnen zur Zurückhaltung. Beobachter sehen darin einen grundsätzlichen Streit darüber, ob die Amtskirche noch Seelsorgerin oder längst politische Akteurin sein will.

Müllers Punkt bleibt jedenfalls unbequem: Eine Kirche, die sich zum verlängerten Arm des Tagesstreits macht, verspielt genau jene Autorität, die sie in Glaubensfragen beansprucht. Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt dürfte diese Debatte nicht beenden – sondern erst richtig eröffnen.

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