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Liebe gegen Bares? Kölner Amt erneut im Schleuser-Sumpf

Liebe gegen Bares? Kölner Amt erneut im Schleuser-Sumpf
Symbolbild: KI-generiert

Die Kölner Ausländerbehörde steht schon wieder unter Verdacht. Eine Sachbearbeiterin der Stadt Köln sitzt in Untersuchungshaft. Sie soll gemeinsam mit ihrem Ehemann und zwei Komplizen über Jahre ein Netz aus Scheinehen betrieben haben, mit dem vor allem Männer aus Indien an ein Aufenthaltsrecht in Deutschland gekommen sein sollen.

Die Ermittler gehen von bis zu 76.000 Euro Beute aus. Ein Einzelfall? In Köln klingt dieses Wort inzwischen ziemlich hohl.

Hochzeit auf Zypern, Adresse in Höhenberg

Laut Berichten von Bild und WDR soll die Masche so funktioniert haben: Die Männer wurden zuerst nach Zypern gebracht und dort mit Frauen aus Osteuropa verheiratet, meist mit Bulgarinnen. Die Paare sollen sich bei der Trauung zum ersten Mal gesehen haben. Einige der Bräute sollen in ihrer Heimat sogar schon verheiratet gewesen sein.

Danach kam das EU-Recht ins Spiel. Mit gefälschten Arbeitsverträgen sollen sich die Frauen auf die Freizügigkeit berufen und in Deutschland angemeldet haben. Über die Familienzusammenführung holten sie dann ihre angeblichen Ehemänner nach. Ein Brüsseler Grundrecht als Einfallstor, so sehen es Kritiker.

Als Wohnsitz sollen die Paare die Privatwohnung der Beschuldigten in Köln-Höhenberg angegeben haben. Dafür hätten sie Medienberichten zufolge 200 Euro im Monat bezahlt. Die eigentliche Scheinehe soll pro Fall rund 6.200 Euro gekostet haben.

Die Kontrolleurin als Komplizin?

Brisant ist vor allem die Rolle der Hauptbeschuldigten. In sozialen Netzwerken nannte sie sich nach WDR-Angaben „Fachreferentin für aufenthaltsrechtliche Entscheidungen“. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt wirft ihr vor, die Komplizen mit ihrem Fachwissen beraten und als Amtsträgerin Einfluss auf die Verfahren genommen zu haben. Die nötigen Papiere für die Aufenthaltserlaubnisse soll sie selbst bearbeitet und genehmigt haben.

Die Spur führte ursprünglich zu einem Mann in Hessen und von dort nach Köln. Schon Anfang Dezember 2025 wurden die Frau und ihr Mann festgenommen. Ein Hochzeitsvideo liegt der Polizei vor. Darauf soll die Braut kaum etwas über ihren „Gatten“ gewusst haben. Der Prozess gegen die vier Angeklagten soll im Februar beginnen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

Die Stadt Köln wollte sich laut WDR nicht äußern. Ermittler prüfen nun Medienberichten zufolge alle Akten, die über den Schreibtisch der Frau gegangen sind.

Köln und kein Ende

Für die Behörde ist das kein neues Problem. 2022 flog eine andere Mitarbeiterin des Ausländeramts auf. Sie hatte mit einer elfköpfigen Schleuserbande zusammengearbeitet, die überwiegend aus Syrern bestand, und Ausweisdokumente gefälscht. Pro Papier kassierte die Bande damals 4.500 Euro. Das Landgericht Köln verurteilte die damals 60-Jährige zu vier Jahren und neun Monaten Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre gefordert.

Dazu kommt ein weiterer Fall aus diesem Jahr. Berichten zufolge soll die Behörde die Abschiebung von 471 ausreisepflichtigen Migranten nicht vollzogen haben. Rund ein Drittel von ihnen soll in Deutschland straffällig geworden sein.

Ein System mit offenen Türen

Aus Sicht unserer Redaktion geht es hier um mehr als um mögliche Einzeltäter. Wenn eine einzige Sachbearbeiterin offenbar jahrelang Anträge durchwinken konnte, ohne dass jemand nachprüfte, dann fehlen grundlegende Kontrollen. Das Vier-Augen-Prinzip wirkt da wie ein Fremdwort.

Viele Bürger erleben ihre Ämter von einer ganz anderen Seite: Sie warten monatelang auf einen Termin und füllen endlose Formulare aus. Gleichzeitig soll ein Aufenthaltsrecht für ein paar tausend Euro zu haben gewesen sein. Wer das Vertrauen in den Rechtsstaat zurückgewinnen will, muss solche Lücken schließen. Mit Sonntagsreden ist es nicht getan.

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