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10.07.2026
05:46 Uhr

Krieg als Konjunkturprogramm: Wie Amerikas Ölbarone am Hormus-Desaster Milliarden scheffeln – und der Verbraucher blutet

Es ist eine der ältesten Wahrheiten der Weltgeschichte, und sie bewahrheitet sich gerade wieder mit erschreckender Präzision: Wenn die Kanonen donnern, klingeln irgendwo die Kassen. Während US-Präsident Donald Trump die brüchige Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärte und amerikanische Kampfjets zum wiederholten Mal iranische Ziele bombardierten, schnellten die Ölpreise wieder in die Höhe. Und wer profitiert? Nicht der einfache Bürger, der an der Zapfsäule tiefer in die Tasche greifen muss. Sondern die großen Ölkonzerne, die aus dem Chaos am Persischen Golf ein glänzendes Geschäftsmodell gemacht haben.

Das Nadelöhr der Weltwirtschaft steht in Flammen

Die Straße von Hormus – jene schmale Meerenge, durch die vor dem Krieg fast ein Fünftel der weltweiten Ölnachfrage floss – ist erneut zum Brennpunkt geworden. Nachdem Teheran die Passage Ende Februar weitgehend dichtgemacht hatte, kletterte der Rohölpreis in der Spitze über die magische Marke von 100 Dollar je Barrel. Auslöser der jüngsten Eskalation sollen laut US-Zentralkommando iranische Angriffe auf drei Öltanker gewesen sein. Iranische Medien meldeten Explosionen in Bandar Abbas, Abu Musa und Buschehr.

Einen umfassenden Krieg wollte Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara zwar ausschließen. Doch die Realität an den Märkten kümmert sich wenig um diplomatische Beteuerungen. Die Nordseesorte Brent notierte nach seinen Äußerungen bei rund 80 Dollar – ein Niveau, das den Verbrauchern rund um den Globus die Laune verdirbt.

Rekordgewinne, die zum Himmel schreien

Und nun kommt der Teil der Geschichte, der einen fassungslos zurücklässt. Laut Berichten der Financial Times dürfte ExxonMobil im zweiten Quartal einen Nettogewinn von sage und schreibe 15 Milliarden Dollar einfahren – mehr als das Dreifache des Vorquartals. Konkurrent Chevron soll bei 9,7 Milliarden landen. Raffineriebetreiber wie Marathon steuern auf ihr bestes Ergebnis seit 2022 zu, also seit jener Zeit, als der Ausbruch des Ukraine-Krieges eine globale Inflationswelle lostrat.

Amerikanische Konzerne fördern und raffinieren fernab des Kriegsgebiets. Sie füllten die Versorgungslücke mit Rekordexporten – zu Weltmarktpreisen, die der Konflikt kräftig nach oben treibt.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Die geografische Lage der USA verwandelt einen Nahost-Krieg in eine Gelddruckmaschine. Wer weit genug vom Schlachtfeld entfernt fördert, kassiert die Kriegsprämie – ohne selbst ein Barrel Risiko zu tragen.

Der Bürger zahlt die Zeche – wie immer

Denn während die Aktionäre der Ölriesen jubeln, spürt der amerikanische Autofahrer den Schmerz täglich neu. Die Gallone Benzin kostet im Landesschnitt 3,80 Dollar, fast ein Viertel mehr als vor einem Jahr. Diesel schlägt mit 4,80 Dollar zu Buche, ganze 30 Prozent teurer. Und weil steigende Transportkosten alles verteuern, was rollt, fliegt oder in Regalen liegt, kletterte die US-Inflation im Mai auf 4,2 Prozent – den höchsten Stand seit drei Jahren.

Der Internationale Währungsfonds hat die Teuerung folgerichtig zum Problem des Jahres erklärt. Der weltweite Disinflationsprozess sei ins Stocken geraten, warnt der Fonds. Für 2027 erwartet er sogar einen weiteren Anstieg auf 4,7 Prozent. Ein Muster, das uns in Deutschland nur allzu vertraut vorkommt: Politische Fehlentscheidungen und geopolitische Abenteuer verbrennen am Ende die Kaufkraft des kleinen Mannes.

Trump gegen seine eigenen Financiers

Nun tobt im Weißen Haus ein bemerkenswerter Machtkampf. Ausgerechnet jene Ölindustrie, die Trumps Wahlkampf mit knapp 100 Millionen Dollar gefüttert hatte, verdient nun prächtig an seinem Krieg. Der Präsident wirft den Konzernen Preistreiberei vor, ordnete Ermittlungen des Justizministeriums an und fordert einen Benzinpreis von 2,25 Dollar je Gallone – ein Wert, der zuletzt 2020 während des Corona-Nachfrageeinbruchs erreicht wurde.

Doch die Zahlen sprechen gegen ihn. Trump hatte 2024 versprochen, den Spritpreis binnen zwölf Monaten unter zwei Dollar zu drücken. Stattdessen zahlen die Amerikaner heute deutlich mehr. Laut Umfragen geben 63 Prozent der Bürger ihm die Schuld, darunter ein Drittel der eigenen Republikaner. Vier Monate vor den Midterms liegen seine Zustimmungswerte unter 40 Prozent – beim Thema Wirtschaft auf dem Tiefpunkt seiner Karriere.

Wenn Papiergeld an Wert verliert, glänzt das Echte

Was lehrt uns dieses ganze Schauspiel? Dass Kriege, Sanktionen und politische Machtspiele die Preise treiben, die Inflation anheizen und am Ende immer den Sparer schröpfen. Zusätzlicher Druck kommt aus Russland, das nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Raffinerien seine Dieselausfuhren gestoppt hat – das globale Angebot verknappt sich weiter, die Margen der Konzerne fetten weiter an.

In solchen Zeiten der Unsicherheit zeigt sich, was Bestand hat und was nicht. Während Papierwährungen durch die Notenpressen der Zentralbanken verwässert werden und ganze Volkswirtschaften im Sog geopolitischer Konflikte taumeln, behaupten physische Edelmetalle wie Gold und Silber seit Jahrtausenden ihren Wert. Sie sind kein Versprechen auf einem bedruckten Zettel, sondern greifbarer, krisenfester Sachwert. Gerade als Beimischung zu einem breit gestreuten und durchdachten Vermögensportfolio können sie ein solides Fundament der Vermögenssicherung bilden – unabhängig davon, ob in Washington, Moskau oder Teheran die nächste Eskalationsstufe gezündet wird.

Haftungsausschluss

Dieser Artikel gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die im Text genannten Entwicklungen an den Rohstoff- und Finanzmärkten dienen lediglich der Information. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig ausreichend zu recherchieren und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Ziehen Sie im Zweifel einen unabhängigen Fachberater hinzu.

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