
Krankenstand im Bundestag: Staatsdiener fehlen deutlich häufiger als der Rest der Republik
Während Millionen Deutsche Tag für Tag pflichtbewusst an ihren Arbeitsplätzen erscheinen – ob in der Fabrikhalle, im Handwerksbetrieb oder im Büro –, scheint man es in den heiligen Hallen der politischen Institutionen mit der Anwesenheitspflicht nicht ganz so genau zu nehmen. Zahlen des Bundesinnenministeriums offenbaren einen geradezu skandalösen Unterschied beim Krankenstand zwischen den Beschäftigten des Bundestags und dem durchschnittlichen Arbeitnehmer in Deutschland.
22,3 Tage krank – fast doppelt so viel wie der Durchschnitt
Die nackten Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Mitarbeiter des Deutschen Bundestags fehlten im Jahr 2024 durchschnittlich an 22,3 Tagen krankheitsbedingt an ihrem Arbeitsplatz. Beim Bundesrat sieht es sogar noch dramatischer aus – dort waren es satte 25,2 Fehltage pro Beschäftigtem. Der bundesweite Durchschnitt aller Arbeitnehmer lag hingegen bei 14,8 Tagen. Man muss sich diese Diskrepanz auf der Zunge zergehen lassen: Jene Institutionen, die über das Schicksal von 84 Millionen Bürgern entscheiden, leisten sich einen Krankenstand, der den normaler Arbeitnehmer um mehr als 50 Prozent übersteigt.
Auch das Bundesinnenministerium selbst glänzt nicht gerade mit Vorbildfunktion – 17,8 Krankheitstage stehen dort zu Buche. Das Verteidigungsministerium kommt auf 15,9 Tage. Einzig das Umweltministerium fällt mit lediglich 7,4 Fehltagen positiv aus der Reihe. Man könnte fast meinen, dort sei die Belegschaft so überschaubar, dass sich schlicht niemand traut, zu fehlen.
Ein Trend, der nachdenklich stimmen muss
Besonders alarmierend ist die Entwicklung über die vergangenen Jahre. Noch 2020 lag der bundesweite Durchschnitt bei 10,9 Krankheitstagen. Innerhalb von nur vier Jahren ist dieser Wert um fast 36 Prozent gestiegen. Ein Anstieg, der nicht allein mit Corona-Nachwirkungen oder einer alternden Belegschaft erklärt werden kann. Bundeskanzler Friedrich Merz hat dieses Problem Mitte Januar selbst thematisiert und die rhetorische Frage gestellt, ob es wirklich notwendig sei, dass die Deutschen fast drei Wochen im Jahr krankheitsbedingt ausfallen würden. Eine berechtigte Frage – die allerdings umso pikanter wird, wenn man sich die Zahlen aus seinem eigenen politischen Umfeld anschaut.
Telefonische Krankschreibung: Segen oder Einladung zum Missbrauch?
Die CDU hat auf ihrem Parteitag in Stuttgart beschlossen, die telefonische Krankschreibung wieder abschaffen zu wollen. Ein Schritt, der längst überfällig erscheint. Denn seien wir ehrlich: Wer glaubt ernsthaft, dass ein kurzes Telefonat mit dem Hausarzt dieselbe diagnostische Qualität besitzt wie eine persönliche Untersuchung? Die Hemmschwelle, sich telefonisch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu besorgen, dürfte für manchen Arbeitnehmer – und offenbar auch für manchen Staatsdiener – deutlich niedriger liegen als der Gang in die Praxis.
Erwartungsgemäß stellt sich die SPD quer. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Sozialdemokraten, Dirk Wiese, verteidigte die telefonische Krankschreibung als „absolut sinnvoll". Sie entlaste die Praxen und verhindere Ansteckungen im Wartezimmer, so seine Argumentation. Man dürfe Patienten nicht unter Generalverdacht stellen. Ein nobles Argument – das allerdings angesichts der explodierenden Krankheitszahlen zunehmend wie eine Schutzbehauptung klingt.
Der Staat als Vorbild? Wohl kaum.
Was diese Zahlen im Kern offenbaren, ist ein strukturelles Problem des aufgeblähten deutschen Staatsapparats. In der Privatwirtschaft, wo Unternehmen um ihre Existenz kämpfen und jeder Fehltag bares Geld kostet, herrscht ein ganz anderer Druck als in den abgesicherten Sphären des öffentlichen Dienstes. Unkündbarkeit, großzügige Beamtenprivilegien und eine Kultur, in der Leistung nicht immer den Stellenwert hat, den sie verdient – all das schafft ein Umfeld, in dem Krankheitstage offenbar leichter genommen werden als anderswo.
Bereits 1985 beschrieb Franz Lutzius in seinem Werk „Staatsgesellschaft der Unkündbaren" genau dieses Phänomen. Vierzig Jahre später hat sich nichts gebessert – im Gegenteil. Der Staat wächst, die Bürokratie wuchert, und die Produktivität sinkt. Wer soll das auf Dauer bezahlen? Der fleißige Steuerzahler, der selbst bei Kopfschmerzen zur Arbeit geht, weil er weiß, dass sein Chef auf ihn zählt.
Deutschland braucht keine weiteren Debatten über Work-Life-Balance in Ministerien. Deutschland braucht einen schlanken, effizienten Staat, der mit gutem Beispiel vorangeht – und Mitarbeiter, die verstehen, dass öffentlicher Dienst auch tatsächlich Dienst bedeutet. Solange die politischen Institutionen selbst die größten Krankenstandsrekorde aufstellen, fehlt jede moralische Autorität, dem Bürger Leistungsbereitschaft zu predigen.
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