
Kerosin wird knapp: Europas Luftfahrt steuert auf eine Versorgungskatastrophe zu
Was sich derzeit auf den Weltmeeren abspielt, liest sich wie das Drehbuch eines Thrillers – nur dass die Konsequenzen für Millionen europäischer Urlauber und Geschäftsreisende bittere Realität werden könnten. Der Tanker „Rong Lin Wan", ein 250 Meter langer Koloss unter singapurischer Flagge, schiebt sich dieser Tage an der westafrikanischen Küste entlang Richtung Rotterdam. Er wird voraussichtlich das letzte Schiff sein, das Flugzeugkerosin aus dem Persischen Golf nach Europa bringt. Danach: nichts mehr.
Die Straße von Hormus – Europas Achillesferse
Der Grund für diese dramatische Entwicklung liegt in der Eskalation des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran. Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hat eine Versorgungskette durchtrennt, von der Europas Luftfahrtindustrie in erschreckendem Maße abhängig ist. Rund die Hälfte des an europäischen Flughäfen verfügbaren Jet Fuels stamme aus Raffinerien, die über diese strategische Meerenge beliefert werden. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein halber Kontinent hängt bei seiner Kerosinversorgung an einem Nadelöhr, das kaum breiter ist als der Ärmelkanal.
Der Betriebschef einer der größten europäischen Fluggesellschaften warnte gegenüber der italienischen Zeitung Corriere della Sera, dass Europa Ende April, Anfang Mai nur noch über die Hälfte des normalerweise verfügbaren Kerosins verfügen werde. Drei bis fünf Wochen ließen sich vielleicht gewinnen, indem man strategische Reserven anzapfe und geplante Wartungsarbeiten an Raffinerien verschiebe. Doch das werde nicht reichen.
Hausgemachte Probleme verschärfen die Krise
Wer nun glaubt, die geopolitische Lage allein sei schuld an diesem Desaster, der irrt gewaltig. Europa hat sich diese Verwundbarkeit über Jahre hinweg selbst eingebrockt – mit einer Energiepolitik, die man nur als fahrlässig bezeichnen kann. Raffinerieschließungen, sinkende lokale Kerosinproduktion und vor allem die ideologisch motivierten Umweltvorgaben, die einen stärkeren Einsatz von Biokraftstoffen vorschreiben, haben die Lage systematisch verschlechtert. Diese Biokraftstoffe sind nicht nur knapp, sondern kosten auch fünfmal so viel wie konventionelles Kerosin. Hinzu kommen die Sanktionen gegen Russland, die das Angebot in der Nähe zusätzlich verknappen.
Es ist ein Muster, das sich in der europäischen Energiepolitik immer wieder zeigt: Man setzt auf grüne Wunschvorstellungen, ohne die realen Konsequenzen zu bedenken. Man schließt Raffinerien im Namen des Klimaschutzes, macht sich von fernen Lieferanten abhängig – und steht dann fassungslos da, wenn die geopolitische Realität zuschlägt. Wer erinnert sich nicht an die Gasknappheit nach dem Beginn des Ukraine-Krieges? Die Lehren daraus scheinen in Brüssel und den europäischen Hauptstädten offenbar spurlos verhallt zu sein.
Alternative Lieferanten springen ab
Besonders bitter: Selbst die üblichen Ausweichoptionen versagen. Indien, normalerweise ein wichtiger Kerosinlieferant für Europa, orientiert seine Tanker zunehmend nach Osten, wo höhere Gewinnmargen locken. Südkorea und China führen Exportbeschränkungen ein, um ihre eigenen Binnenmärkte zu schützen. Singapur erlebt heftige Preisausschläge. Bereits beladene Schiffe würden von Europa-Routen abweichen, um anderswo lukrativere Abnehmer zu bedienen, berichtet George Shaw vom Analysehaus Kpler. Europa steht schlicht am Ende der Schlange.
Die Zahlen der Analysefirma Vortexa sprechen eine unmissverständliche Sprache: Die Jet-Fuel-Importe nach Europa seien auf 420.000 Barrel pro Tag gefallen – ein Rückgang von 40 Prozent gegenüber der Vorwoche und der niedrigste Stand seit März 2022, als die russische Invasion der Ukraine den ersten Energieschock auslöste. Gleichzeitig lägen die Bestände im Tanklager Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen bereits unter dem Durchschnitt.
Hunderte Flugzeuge am Boden, tausende Flüge gestrichen
Die Konsequenzen könnten verheerend sein. Ein Vorstandsvorsitzender einer großen Airline brachte es auf den Punkt: Die Mathematik sei einfach – ohne die gleiche Menge Treibstoff könne man nicht die gleiche Zahl an Flügen durchführen. Sollte die Straße von Hormus auch im April geschlossen bleiben, werde man Hunderte Flugzeuge am Boden sehen und Tausende Flüge streichen müssen. Lufthansa erwäge in verschiedenen Szenarien bereits die Stilllegung von 20 bis 40 Maschinen.
Und es geht nicht nur um die Menge, sondern auch um den Preis. Eine Tonne Kerosin habe in den vergangenen Tagen fast 1.800 Dollar erreicht – mehr als das Doppelte des Preises von Ende Februar. Der sogenannte „Crack Spread", also die Raffineriemarge, die nicht durch Vorausverträge gedeckt sei, müsse vollständig von den Airlines getragen werden. Was das für die Ticketpreise bedeutet, kann sich jeder ausrechnen.
Der Sommer wird zur Bewährungsprobe
Die größte Sorge gilt dem Sommer. Zwischen Juni und September, wenn der Flugverkehr seinen Höhepunkt erreicht und Millionen Europäer in den Urlaub fliegen wollen, drohe eine Knappheit, die zu massiven Betriebseinschränkungen zwinge. Besonders betroffen wären touristische Flughäfen und Inseln, die ohnehin schwerer zu versorgen seien. Griechenland etwa müsse fast 82 Prozent seines Kerosinbedarfs importieren, Spanien und Portugal 70 Prozent, Polen sogar 97 Prozent.
Ryanair-Chef Michael O'Leary gab sich gegenüber Sky News verhalten optimistisch: Sollte der Krieg enden und die Straße von Hormus bis Mitte oder Ende April wieder öffnen, bestehe keinerlei Versorgungsrisiko. Doch selbst er räumte ein, dass bei anhaltenden Unterbrechungen zwischen 10 und 25 Prozent der Lieferungen zwischen Mai und Juni gefährdet sein könnten. Und selbst bei einer baldigen Öffnung der Meerenge würde eine vollständige Erholung Wochen oder Monate dauern.
Ein Weckruf, der nicht verhallen darf
Olivier Jankovec, Generaldirektor des europäischen Flughafenverbands ACI Europe, versuchte zwar zu beruhigen – 86 Prozent der befragten Flughäfen meldeten Lagerbestände im oder über dem Normalbereich. Doch auch er mahnte zur Vorsicht und forderte eine vollständige Bestandsaufnahme der Produktions- und Raffineriekapazitäten.
Diese Krise offenbart einmal mehr die fatalen Konsequenzen einer Energiepolitik, die Ideologie über Versorgungssicherheit stellt. Während man in Brüssel über immer ambitioniertere Klimaziele debattiert und Biokraftstoffquoten verschärft, hat man die elementare Frage der Energieunabhängigkeit sträflich vernachlässigt. Europa hat sich in eine Abhängigkeit manövriert, die nun – unter dem Druck geopolitischer Verwerfungen – wie ein Kartenhaus zusammenzubrechen droht. Es wäre an der Zeit, dass die politisch Verantwortlichen endlich die Realitäten anerkennen und eine Energiepolitik verfolgen, die nicht nur dem Zeitgeist huldigt, sondern die Versorgungssicherheit der eigenen Bürger in den Mittelpunkt stellt.
Für Anleger dürfte diese Entwicklung einmal mehr unterstreichen, wie fragil die globalen Lieferketten und damit auch die Finanzmärkte geworden sind. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und explodierender Rohstoffpreise erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung – unabhängig von Lieferketten, Meerengen und politischen Fehlentscheidungen.
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