
Kerosin-Krise: Asiens Fluggesellschaften kämpfen ums Überleben – und Europa steht als Nächstes auf der Kippe
Was passiert, wenn der Treibstoff knapp wird, der die globale Luftfahrt am Laufen hält? Die Antwort auf diese Frage erleben derzeit Millionen Reisende in Asien am eigenen Leib. Die Eskalation im Nahen Osten und die Schließung der Straße von Hormus durch den Iran haben eine Kettenreaktion ausgelöst, die das fragile Gleichgewicht der weltweiten Kerosinversorgung ins Wanken bringt. Rund 21 Prozent des global auf dem Seeweg transportierten Kerosinvorrats sind mit einem Schlag abgeschnitten – und die Folgen sind bereits dramatisch spürbar.
Flugstreichungen, Tankering und Rationierung: Der neue Alltag der Luftfahrt
Quer durch Asien streichen Airlines Flüge, laden zusätzlichen Treibstoff an ihren Heimatflughäfen und legen ungeplante Tankstopps ein. Was wie ein Szenario aus einem Krisenfilm klingt, ist bittere Realität geworden. Vietnam Airlines hat bereits 23 Inlandsflüge pro Woche gestrichen, um Kerosin zu sparen. In Myanmar wurden Inlandsflüge zeitweise komplett eingestellt. Air India sieht sich gezwungen, auf dem Rückflug von Yangon nach Delhi einen Tankstopp in Kalkutta einzulegen, weil am Flughafen von Yangon schlicht nicht genug Treibstoff verfügbar sei.
Die Billigfluggesellschaft AirAsia X betanke ihre Maschinen nun in Malaysia mit Extravorräten, bevor sie vietnamesische Flughäfen anfliege, erklärte deren Vorstandschef Bo Lingam. Man bekomme dort zwar noch Kerosin, aber nur in begrenzten Mengen. Dieses sogenannte „Tankering" – das Mitführen überschüssiger Treibstoffmengen – ist allerdings ein zweischneidiges Schwert: Mehr Gewicht an Bord bedeutet höheren Verbrauch, was die ohnehin explodierten Kosten weiter in die Höhe treibt.
Eine Ölkrise neuen Typs
Was diese Krise von früheren Ölschocks fundamental unterscheidet, ist ihr Charakter. Während vergangene Verwerfungen primär die Preise nach oben trieben, schränkt die aktuelle Situation die physische Verfügbarkeit des Treibstoffs ein. China und Thailand haben ihre Kerosinexporte komplett gestoppt, Südkorea hat sie auf das Vorjahresniveau gedeckelt. Regierungen, Flughäfen und Airlines sehen sich plötzlich mit der Notwendigkeit konfrontiert, Treibstoff zu rationieren – ein Szenario, das man in der modernen Luftfahrt für nahezu undenkbar gehalten hätte.
Shukor Yusof, Gründer der Luftfahrtberatung Endau Analytics, brachte die Stimmung in der Branche auf den Punkt: Die Airlines seien zutiefst besorgt über die Zukunft, da niemand wisse, wann der Krieg ende und wann die Lieferketten aus der Golfregion wiederhergestellt würden. Eine Einschätzung, die angesichts der geopolitischen Lage alles andere als übertrieben erscheint.
Einkommensschwache Länder trifft es zuerst – und am härtesten
Besonders bitter: Die Krise trifft vor allem jene Länder, die es sich am wenigsten leisten können. Vietnam, Myanmar und Pakistan – importabhängige Volkswirtschaften mit dünnen Reservepolstern – stehen an vorderster Front der Versorgungsengpässe. Selbst auf dem internationalen Flughafen von Tahiti wurde die Betankung internationaler Flüge auf das für den Flugbetrieb absolut Notwendige beschränkt. Piloten in Pakistan werden angewiesen, maximale Treibstoffmengen aus dem Ausland mitzuführen.
Die USA hingegen sitzen auf komfortablen heimischen Reserven und bleiben von der Krise weitgehend verschont. Ein Umstand, der einmal mehr die strategische Verwundbarkeit Europas und Asiens offenlegt – Regionen, die sich über Jahrzehnte in eine gefährliche Abhängigkeit von nahöstlichen Energielieferungen manövriert haben.
Europa: Die nächste Dominostein-Reihe
Und Europa? Europäische Fluggesellschaften bereiten sich bereits auf ähnliche Verwerfungen vor. Ryanair-Chef Michael O'Leary warnte vergangene Woche unmissverständlich: Sollten im Juni, Juli oder August zehn bis zwanzig Prozent der Treibstoffversorgung gefährdet sein, müssten auch europäische Airlines beginnen, Flüge zu streichen und Kapazitäten abzubauen. Eine Aussage, die man als nüchterne Risikoanalyse oder als Alarmsignal lesen kann – vermutlich beides zugleich.
Die malaysische Batik Air hat ihre Inlandskapazitäten bereits um 36 Prozent zusammengestrichen. Deren Vorstandschef Chandran Rama Muthy sprach von einem „Krisenmodus" und bezeichnete die Kürzungen als notwendige und proaktive Reaktion, um das Unternehmen vor operativen und finanziellen Risiken zu schützen. Auch die großen Golfcarrier wie Emirates und Qatar Airways operieren deutlich unter ihrer Normalkapazität.
Die Rechnung geht nicht auf
Das eigentlich Beunruhigende: Trotz aller Flugstreichungen sinkt die Nachfrage nach Kerosin nicht schnell genug, um den Angebotsrückgang auszugleichen. Mindestens 400.000 Barrel pro Tag an Kerosin, die normalerweise im asiatisch-pazifischen Raum aus Rohöl produziert werden, das durch die Straße von Hormus transportiert wird, seien seit Beginn der Krise betroffen, so Berechnungen. Die bisherigen Flugstreichungen hätten die Nachfrage in Asien im April jedoch nur um geschätzte 50.000 bis 100.000 Barrel pro Tag gesenkt. Die Lücke ist gewaltig – und sie wird größer.
„Es gibt keinen einfachen Weg, die verlorenen Mengen zu ersetzen, besonders da das asiatische Angebot weiter schrumpfen wird, wenn Raffinerien ihre Produktion drosseln"
So die ernüchternde Einschätzung von Alex Yap, Senior-Analyst bei Energy Aspects. Die Verdoppelung der Kerosinpreise seit Beginn des Iran-Konflikts hat bereits zu massiven Preiserhöhungen bei Flugtickets und zur Einführung von Treibstoffzuschlägen geführt – was wiederum preissensible Reisende abschreckt und die Nachfrage weiter drückt.
Ein Weckruf für Europas Energiepolitik
Diese Krise sollte auch in Deutschland und Europa als unmissverständlicher Weckruf verstanden werden. Jahrelang hat man sich in Berlin und Brüssel der Illusion hingegeben, Energieabhängigkeiten seien ein beherrschbares Risiko. Erst die russische Gaskrise, nun die Kerosinknappheit durch den Nahost-Konflikt – die Realität belehrt die politischen Entscheidungsträger eines Besseren. Während die USA dank ihrer Energieunabhängigkeit gelassen zusehen können, steht Europa einmal mehr mit dem Rücken zur Wand.
Für die deutsche Wirtschaft, die ohnehin unter hohen Energiekosten, einer schwächelnden Konjunktur und einer erdrückenden Regulierungslast ächzt, kommt diese Entwicklung zur denkbar ungünstigsten Zeit. Steigende Flugpreise treffen nicht nur Urlauber, sondern auch Geschäftsreisende und die exportorientierte Industrie. Und wer glaubt, die Krise werde sich von selbst lösen, der sei an die Worte des Cirium-Analysten Ellis Taylor erinnert: Man stehe erst am Anfang des Zyklus der Flugkürzungen, und ein durch den Ölpreisschock ausgelöster wirtschaftlicher Abschwung könnte die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte zusätzlich belasten.
In Zeiten solcher geopolitischer Verwerfungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich einmal mehr der Wert krisenfester Anlagen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich historisch in Phasen eskalierender Konflikte und steigender Energiepreise als verlässlicher Wertspeicher bewährt – ein Umstand, den vorausschauende Anleger bei der Zusammenstellung ihres Portfolios berücksichtigen sollten.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jeder Anleger ist selbst dafür verantwortlich, eigene Recherchen durchzuführen und gegebenenfalls professionelle Beratung einzuholen, bevor er Anlageentscheidungen trifft. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.
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