
J.P. Morgan sieht kein Ende der Goldrallye – und die Fakten geben der Großbank recht
Während sich deutsche Sparer von der Inflation still und leise enteignen lassen und die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die nächste Schuldenlawine lostritt, vollzieht sich am Goldmarkt eine tektonische Verschiebung. Über 170 Prozent Wertzuwachs in nur fünf Jahren – das ist keine Blase, das ist eine Botschaft. Und die lautet: Das Vertrauen in die Stabilität des globalen Finanzsystems schwindet rapide.
Die Großbank widerspricht den Skeptikern
Analysten von J.P. Morgan haben sich in einer aktuellen Einschätzung dezidiert gegen jene Stimmen positioniert, die ein baldiges Ende der Goldrallye heraufbeschwören. Der wichtigste Treiber des Preisanstiegs sei eine „neue Ära geopolitischer Volatilität und Fragmentierung", die Anleger weltweit in das Edelmetall treibe. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, wie treffend diese Diagnose ist. Der Ukraine-Krieg tobt unvermindert weiter, im Nahen Osten eskaliert der Konflikt zwischen Israel und dem Iran dramatisch, und Donald Trumps aggressive Zollpolitik mit 20 Prozent auf EU-Importe und 34 Prozent auf chinesische Waren schürt die Angst vor einem globalen Handelskrieg. In einer solchen Welt ist Gold nicht bloß ein Investment – es ist eine Versicherung.
Notenbanken kaufen, als gäbe es kein Morgen
Das wohl stärkste Argument der Goldoptimisten bleibt das Kaufverhalten der Zentralbanken. Rund 800 Tonnen Gold dürften die Notenbanken weltweit allein im vergangenen Jahr erworben haben. Seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 haben sich diese Käufe massiv intensiviert. Die Frage, die sich viele stellen: Kann das so weitergehen?
Die Experten von J.P. Morgan sind überzeugt davon. Und ihre Argumentation ist bestechend einfach. Gold mache in den Reserven der Schwellenländer lediglich etwa 19 Prozent aus – verglichen mit 47 Prozent bei den Industrieländern. Besonders China sticht hervor: Obwohl das Reich der Mitte der siebtgrößte Goldbesitzer der Welt ist, entfallen nur 8,6 Prozent seiner Reserven auf das Edelmetall. Peking schichtet aktiv um – weg vom Dollar, hin zum Gold. Wer könnte es den Chinesen verdenken? Wenn Washington Sanktionen als Waffe einsetzt und Dollarreserven einfriert, wie im Fall Russlands geschehen, dann wird physisches Gold zum ultimativen Schutzschild nationaler Souveränität.
Doch China steht nicht allein. Auch Polen, Indien und Brasilien treiben die strukturelle Nachfrage voran. Es handelt sich um einen globalen Trend, der weit mehr ist als eine vorübergehende Mode.
Die Lehren aus den 1990er Jahren
Natürlich erinnern die Analysten auch an die späten 1990er Jahre, als westliche Notenbanken – allen voran die Bank of England unter dem damaligen Schatzkanzler Gordon Brown – große Mengen Gold auf den Markt warfen. Dieser als „Brown's Bottom" in die Finanzgeschichte eingegangene Fehler kostete die britischen Steuerzahler Milliarden. Eine Wiederholung dieses Szenarios halten die J.P.-Morgan-Experten für äußerst unwahrscheinlich. Die geopolitische Großwetterlage hat sich fundamental verändert. Wir leben nicht mehr in der unipolaren Welt der 1990er Jahre, sondern in einer Ära der Multipolarität und des systemischen Misstrauens.
Privatanleger – die schlafenden Riesen
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die privaten Investoren. Denn hier lauert nicht etwa eine Gefahr für den Goldpreis, sondern vielmehr ein gewaltiges Nachfragepotenzial. Weniger als ein Prozent ihrer Ersparnisse halten Privatanleger durchschnittlich in Gold oder goldnahen Anlagen. In Spitzenzeiten lag dieser Wert bei bis zu vier Prozent. Das bedeutet im Klartext: Die breite Masse der Anleger hat die Goldrallye bislang weitgehend verschlafen.
Wer also behauptet, Privatanleger könnten durch massenhafte Gewinnmitnahmen den Goldpreis unter Druck setzen, verkennt die Realität. Man kann nicht verkaufen, was man nicht besitzt. Stattdessen strömen immer mehr neue Käufer in den Markt – getrieben von der berechtigten Sorge vor geopolitischen Risiken und makroökonomischer Unsicherheit. Und davon gibt es wahrlich genug.
Volatilität als Warnsignal – aber kein Todesurteil
Freilich verläuft kein Bullenmarkt schnurgerade nach oben. Die hohe Volatilität, die zeitweise am Goldmarkt zu beobachten war, mahnt zur Vorsicht. Neue Anleger, die erst kürzlich eingestiegen sind, könnten bei starken Rücksetzern nervös werden und ihre Positionen vorschnell auflösen. Doch genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer Gold als kurzfristiges Spekulationsobjekt betrachtet, wird früher oder später enttäuscht werden. Wer es hingegen als das versteht, was es seit Jahrtausenden ist – ein Anker der Wertbeständigkeit in stürmischen Zeiten –, der wird auch temporäre Schwankungen gelassen aussitzen.
Die Leiterin der globalen Rohstoffstrategie bei J.P. Morgan bringt es auf den Punkt: Die Trends, die den Goldpreisanstieg antreiben, seien noch lange nicht ausgeschöpft. Der langfristige Trend zur Diversifizierung sowohl der offiziellen Reserven als auch der privaten Portfolios in Gold werde sich fortsetzen.
Was das für deutsche Anleger bedeutet
Gerade für deutsche Sparer sollte diese Analyse ein Weckruf sein. Während die neue Große Koalition mit ihrem schuldenfinanzierten Infrastrukturpaket die Inflation weiter anheizt und kommende Generationen mit Zins- und Tilgungslasten belastet, schmilzt die Kaufkraft des Euro wie Schnee in der Frühlingssonne. Friedrich Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen – ein Versprechen, das sich als ebenso haltbar erwiesen hat wie die Zusagen seiner Vorgänger. In einem solchen Umfeld erscheint die Beimischung physischer Edelmetalle zu einem breit gestreuten Portfolio nicht als Luxus, sondern als Gebot der Vernunft.
Gold hat über Jahrtausende bewiesen, dass es Kriege, Währungsreformen und den Zusammenbruch ganzer Imperien überdauert. Kein Papiergeld, keine Kryptowährung und kein politisches Versprechen kann das von sich behaupten. Die Notenbanken dieser Welt haben das längst verstanden. Es wird Zeit, dass auch der deutsche Privatanleger aufwacht.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung – ob in Edelmetalle, Aktien oder andere Anlageklassen – sollte auf Basis eigener, gründlicher Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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