
Israels eiserner Griff: Südlibanon wird in drei militärische Kontrollzonen zerlegt

Waffenruhe – ein Wort, das Frieden suggeriert. Doch was sich derzeit im Südlibanon abspielt, hat mit Frieden herzlich wenig zu tun. Trotz der offiziell vereinbarten Feuerpause hält die israelische Armee weite Teile des südlichen Libanon besetzt und hat das Gebiet offenbar in ein ausgeklügeltes System aus drei Sicherheitszonen unterteilt. Ein Vorgehen, das historische Parallelen aufwirft – und im Libanon die Angst vor einer dauerhaften Besatzung schürt.
Rot, Gelb, Litani: Die Architektur der Kontrolle
Wie die israelische Tageszeitung Jediot Achronot berichtete, habe die Armee den kontrollierten Süden des Libanon nach Inkrafttreten der Waffenruhe in drei klar definierte Zonen aufgeteilt. Die Armee selbst habe sich zu dem Bericht zunächst nicht äußern wollen – was in der Regel mehr sagt als jedes offizielle Statement.
Die erste Zone, die sogenannte rote Linie, umfasse die unmittelbar an der israelisch-libanesischen Grenze gelegenen Dörfer. Die meisten Gebäude dort seien bereits dem Erdboden gleichgemacht worden. Hisbollah-Kämpfer sollen sich in diesem Gebiet nicht mehr aufhalten. Stattdessen hätten israelische Bodentruppen in einzelnen Ortschaften feste Stellungen bezogen – ein klassisches Besatzungsszenario.
Die zweite Zone, als gelbe Linie bezeichnet, erstrecke sich sechs bis zehn Kilometer von der Grenze entfernt und folge dem Modell, das Israel bereits im Gazastreifen anwende. Dutzende Dörfer lägen in diesem Abschnitt. Israelische Bodentruppen seien dort weiterhin im Einsatz, und vereinzelt komme es in der Hisbollah-Hochburg Bint Dschubail noch zu Gefechten. Laut dem israelischen Nachrichtenportal Ynet befänden sich innerhalb dieser gelben Linie 55 libanesische Dörfer, deren Bewohner nicht in ihre Häuser zurückkehren dürften. Während der Waffenruhe setze die Armee die Zerstörung mutmaßlicher Terror-Infrastruktur unvermindert fort.
Die dritte Zone reiche bis zum rund 30 Kilometer entfernten Litani-Fluss. Dort wolle die Armee ihre Kontrolle vor allem durch Feuerkraft und Beobachtungsposten sicherstellen – eine Formulierung, die wenig Raum für Interpretation lässt.
Netanjahu macht keine Anstalten abzuziehen
Premierminister Benjamin Netanjahu hatte bei der Verkündung der zehntägigen Waffenruhe unmissverständlich klargemacht, dass die israelische Armee in einer „verstärkten Sicherheitszone" im Südlibanon verbleiben solle. Diese erstrecke sich vom Mittelmeer bis zur syrischen Grenze und sei etwa zehn Kilometer breit. Der erklärte Zweck: Schutz der nordisraelischen Ortschaften vor Angriffen der Hisbollah.
Verbliebene Kämpfer würden zur Kapitulation aufgefordert – andernfalls sollten sie, so Armeekreise mit bemerkenswerter Nüchternheit, getötet werden. Aktionen zur Selbstverteidigung seien laut Armeesprecher von der Waffenruhe nicht eingeschränkt. Man fragt sich unwillkürlich, wie dehnbar der Begriff „Selbstverteidigung" in einem Gebiet ist, das man selbst besetzt hält.
Historische Parallelen, die niemand ignorieren sollte
Im Libanon herrscht verständlicherweise die Sorge vor einer dauerhaften Besetzung des Südens. Und diese Sorge ist alles andere als unbegründet. Bereits nach dem ersten Libanonkrieg 1982 hatte Israel im Süden eine sogenannte Sicherheitszone eingerichtet. Erst im Jahr 2000 – also nach 18 Jahren – zogen sich die letzten israelischen Soldaten nach anhaltenden Verlusten zurück. Die bittere Ironie der Geschichte: Genau dieser Einmarsch und die anschließende jahrelange Besatzung trugen wesentlich zur Entstehung und Erstarkung der Hisbollah bei. Man schuf sich gewissermaßen den Feind, den man heute zu bekämpfen vorgibt.
Dass in den vergangenen Tagen zwei israelische Reservisten durch Sprengfallen ums Leben gekommen sein sollen, unterstreicht die Gefährlichkeit der Lage. Die Sprengsätze seien vermutlich bereits vor der Waffenruhe platziert worden. Erklärtes Ziel der Armee sei es, in der Tiefe des Gebiets präsent zu bleiben, bis ein geregelter Kontroll- und Durchsetzungsmechanismus etabliert sei – idealerweise verbunden mit einer vollständigen Entwaffnung der Hisbollah.
Europa schweigt – wieder einmal
Während sich im Nahen Osten ein Konflikt verfestigt, der das Potenzial hat, die gesamte Region auf Jahrzehnte zu destabilisieren, brilliert die europäische Diplomatie einmal mehr durch Abwesenheit. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz, die sich im Koalitionsvertrag zu einer „wertebasierten Außenpolitik" bekannt hat, schweigt zu den Vorgängen im Südlibanon ebenso beharrlich wie ihre Vorgängerregierung. Dabei wäre gerade jetzt ein klares Wort aus Berlin gefragt – nicht nur im Interesse der Region, sondern auch im Interesse der eigenen Glaubwürdigkeit.
Die Entwicklungen im Südlibanon zeigen einmal mehr, wie fragil vermeintliche Waffenruhen sein können und wie schnell aus temporären Sicherheitsmaßnahmen dauerhafte Besatzungsstrukturen werden. Die Geschichte des Nahen Ostens ist voll von solchen Beispielen. Ob die internationale Gemeinschaft diesmal die richtigen Lehren daraus zieht, darf bezweifelt werden.
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