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Kettner Edelmetalle
20.02.2026
19:24 Uhr

Historischer Gewerkschaftssieg im US-Süden: VW-Arbeiter stimmen mit überwältigender Mehrheit für Tarifvertrag

Was sich über Jahre wie ein aussichtsloser Kampf anfühlte, hat nun ein bemerkenswertes Ende gefunden: Die Belegschaft des Volkswagen-Werks im US-amerikanischen Chattanooga, Tennessee, hat mit einer geradezu erdrückenden Mehrheit von 96 Prozent für einen neuen Tarifvertrag gestimmt, der von der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) ausgehandelt wurde. Ein Ergebnis, das man in dieser Deutlichkeit kaum für möglich gehalten hätte – und das die Machtverhältnisse in der amerikanischen Automobilindustrie nachhaltig verschieben könnte.

Der lange Weg zur gewerkschaftlichen Organisierung

Der amerikanische Süden galt jahrzehntelang als nahezu uneinnehmbare Festung gegen gewerkschaftliche Organisierung. Unternehmen siedelten sich dort gezielt an, um den vergleichsweise arbeitnehmerfreundlichen Gesetzen der nördlichen Bundesstaaten zu entgehen. Dass ausgerechnet ein deutsches Unternehmen – Volkswagen, dessen Heimatmarkt von starker Mitbestimmung und Betriebsräten geprägt ist – zum Schauplatz dieses historischen Durchbruchs wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Bereits 2014 und 2019 hatte die UAW versucht, die Arbeiter in Chattanooga für sich zu gewinnen. Beide Male scheiterte sie knapp. Erst im April 2024 stimmten 73 Prozent der Belegschaft dafür, sich der Gewerkschaft anzuschließen. Was folgte, waren rund 18 Monate zäher Verhandlungen zwischen der UAW und dem Wolfsburger Konzern über die Details eines Tarifvertrags für das einzige US-Werk des Autobauers, in dem der elektrische ID.4 SUV vom Band läuft.

Satte Lohnerhöhungen als Kernstück des Deals

Der nun ratifizierte Vierjahresvertrag sieht Lohnsteigerungen von 20 Prozent vor, flankiert von Verbesserungen bei der Krankenversicherung und der Arbeitsplatzsicherheit. UAW-Präsident Shawn Fain, der seit seiner Wahl 2023 die Organisierung von Werken im gesamten Land – und insbesondere im traditionell gewerkschaftsfeindlichen Süden – zu seiner persönlichen Mission erklärt hat, sprach davon, die VW-Arbeiter hätten „einen weiteren Berg versetzt".

Der Abschluss orientiert sich an den massiven Zugeständnissen, die die UAW 2023 nach einem sechswöchigen Streik bei den drei großen Detroiter Autoherstellern Ford, General Motors und Stellantis erkämpft hatte. Dort waren sogar 25 Prozent Lohnerhöhung plus Inflationsausgleich herausgesprungen. Dass Volkswagen nun ähnliche Konditionen akzeptieren musste, dürfte in der Wolfsburger Konzernzentrale für wenig Begeisterung sorgen – zumal der Konzern ohnehin mit massiven Kostenproblemen kämpft und in Deutschland gerade Tausende Stellen abbaut.

Volkswagen zwischen Zugeständnissen und Kostendruck

Volkswagen selbst gab sich diplomatisch und sprach von einem „Meilenstein", der das gemeinsame Engagement für wettbewerbsfähige Löhne, starke Sozialleistungen und den langfristigen Erfolg der Mitarbeiter und des Standorts widerspiegele. Doch hinter den wohlklingenden Worten verbirgt sich eine unbequeme Wahrheit: Während der Konzern in den USA großzügige Tarifverträge unterschreibt, werden in Deutschland Werksschließungen diskutiert und Sparmaßnahmen durchgedrückt. Eine Schieflage, die den deutschen Arbeitnehmern kaum zu vermitteln sein dürfte.

Gewerkschaftsbewegung im Süden – Aufbruch oder Strohfeuer?

Ob der VW-Erfolg tatsächlich eine Trendwende markiert, bleibt indes fraglich. Denn die Organisierungsbemühungen der UAW im Süden haben zuletzt spürbar an Schwung verloren, nachdem die Gewerkschaft 2024 bei einer Abstimmung im Mercedes-Werk in Alabama eine empfindliche Niederlage einstecken musste. Der Süden bleibt ein schwieriges Terrain – doch der Chattanooga-Deal zeigt, dass selbst dort die Karten neu gemischt werden können.

Für die deutsche Automobilindustrie, die ohnehin unter dem Druck der Elektrifizierung, steigender Produktionskosten und einer zunehmend aggressiven US-Handelspolitik unter Präsident Trump mit seinen 20-Prozent-Zöllen auf EU-Importe ächzt, kommt diese Entwicklung zur denkbar ungünstigsten Zeit. Die Frage, ob sich Produktionsstandorte in den USA für europäische Hersteller überhaupt noch rechnen, wird mit jedem neuen Tarifabschluss drängender.

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