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17.01.2026
05:12 Uhr

Grönland-Krise: EU stellt klar – Deutschland müsste Dänemark im Ernstfall militärisch beistehen

Grönland-Krise: EU stellt klar – Deutschland müsste Dänemark im Ernstfall militärisch beistehen

Die geopolitischen Spannungen um die größte Insel der Welt erreichen eine neue Eskalationsstufe. Während US-Präsident Donald Trump unbeirrt an seinen Besitzansprüchen auf Grönland festhält, hat die Europäische Union nun eine bemerkenswerte Klarstellung vorgenommen: Im Falle eines bewaffneten Konflikts könnte Dänemark den militärischen Beistand aller EU-Mitgliedstaaten einfordern – einschließlich Deutschlands.

Brüssel beendet das diplomatische Schweigen

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas stellte unmissverständlich fest, dass Grönland als Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs Dänemark grundsätzlich unter die Beistandsklausel nach Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags falle. Diese Festlegung ist brisant, denn zuvor hatten EU-Vertreter dieser heiklen Frage monatelang ausweichend gegenübergestanden.

Der Grund für das lange Zögern liegt in der komplizierten Rechtslage: Die Grönländer stimmten bereits 1982 in einem Referendum für den Austritt aus der damaligen Europäischen Gemeinschaft. Dennoch bleibt die Arktisinsel Teil des dänischen Königreichs – ein juristischer Graubereich, der unter Experten durchaus kontrovers diskutiert wird.

Schärfer als der NATO-Bündnisfall

Was viele nicht wissen: Die EU-Beistandsklausel ist in ihrer Formulierung sogar verbindlicher als der berühmte Artikel 5 der NATO. Während das atlantische Bündnis den Mitgliedstaaten einen gewissen Ermessensspielraum bei der Art ihrer Unterstützung einräumt, heißt es im EU-Vertrag unmissverständlich:

„Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung."

Für Dänemark ist dies von besonderer Bedeutung, denn auf die NATO kann Kopenhagen im Streit mit Washington ohnehin nicht zählen. Der Bündnisfall erfordert die Zustimmung aller Mitglieder – einschließlich der USA selbst. Ein absurdes Szenario, das die Grenzen des transatlantischen Bündnisses schonungslos offenlegt.

Trump bleibt unnachgiebig

Die Gespräche zwischen dem dänischen Außenminister Lars Løkke Rasmussen und der grönländischen Ministerin Vivian Motzfeldt mit ihren amerikanischen Gegenübern Marco Rubio und JD Vance endeten ergebnislos. Rasmussen sprach von „fundamentalen Meinungsverschiedenheiten" – eine diplomatische Umschreibung für das völlige Scheitern der Verhandlungen.

Trump selbst machte bereits vor dem Treffen unmissverständlich klar, dass er sein Interesse an der rohstoffreichen Insel nicht aufgeben werde. Er verwies auf strategische Sicherheitsinteressen, die sich angeblich nicht über die NATO schützen ließen. Besonders beunruhigend: Der US-Präsident schließt militärischen Zwang weiterhin nicht aus.

Bundeswehr zeigt Flagge in der Arktis

Als Zeichen der Solidarität haben Deutschland und andere EU-Staaten eine Militärmission für Grönland angekündigt. 15 Bundeswehrsoldaten sind mittlerweile auf der Arktisinsel eingetroffen, um an einem mehrtägigen Erkundungseinsatz teilzunehmen. Ein symbolischer Akt, der dennoch eine klare Botschaft sendet: Europa steht zusammen.

Die Dimension des Konflikts wird deutlich, wenn man sich die Zahlen vor Augen führt: Grönland ist sechsmal so groß wie Deutschland, zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und hat gerade einmal 57.000 Einwohner. Doch unter dem Eis schlummern gewaltige Rohstoffvorkommen, die in Zeiten geopolitischer Neuordnung von unschätzbarem Wert sind.

Ein historischer Präzedenzfall

Die EU-Beistandsklausel wurde in der Geschichte der Union erst ein einziges Mal aktiviert – nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris im November 2015. Damals beteiligte sich Deutschland verstärkt am Kampf gegen den Islamischen Staat und stellte unter anderem Tornado-Jets für Aufklärungsflüge bereit.

Dass diese Klausel nun im Zusammenhang mit einem möglichen Konflikt mit dem wichtigsten Verbündeten der westlichen Welt diskutiert wird, zeigt, wie dramatisch sich die geopolitische Lage verändert hat. Die Zeiten, in denen man sich blind auf Washington verlassen konnte, scheinen endgültig vorbei zu sein.

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