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Kettner Edelmetalle
23.02.2026
07:14 Uhr

Grönland erteilt Trump eine diplomatische Ohrfeige – Lazarettschiff unerwünscht

Es ist ein Schauspiel, das man sich kaum besser ausdenken könnte: Der mächtigste Mann der Welt bietet einer kleinen Arktis-Insel mit knapp 57.000 Einwohnern medizinische Hilfe an – und wird kühl abgewiesen. Grönland hat das von US-Präsident Donald Trump angekündigte Lazarettschiff abgelehnt. Was auf den ersten Blick wie eine großzügige Geste wirken mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als weiterer Baustein in Trumps unverhohlener Strategie, die strategisch bedeutsame Insel unter amerikanischen Einfluss zu bringen.

Grönlands Premier kontert mit nordischer Gelassenheit

Der grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen ließ sich von der amerikanischen Offerte nicht beeindrucken. Man habe die Idee „zur Kenntnis genommen", erklärte er in einer Stellungnahme, die an diplomatischer Kühle kaum zu überbieten war. Grönland verfüge über ein öffentliches Gesundheitssystem, in dem die Behandlung für alle Bürger kostenlos sei. Dies sei eine bewusste Entscheidung und ein grundlegender Bestandteil der grönländischen Gesellschaft. Dann setzte Nielsen den eigentlichen Stich: „In den USA, wo ein Arztbesuch Geld kostet, funktioniert das nicht so."

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Der Regierungschef eines autonomen Gebiets mit der Bevölkerungsgröße einer deutschen Kleinstadt belehrt den Präsidenten der Vereinigten Staaten über die Vorzüge eines funktionierenden Gesundheitswesens. Und er hat damit nicht einmal Unrecht – das amerikanische Gesundheitssystem, in dem Millionen Menschen ohne ausreichende Versicherung leben und ein Krankenhausaufenthalt zum finanziellen Ruin führen kann, ist wahrlich kein Exportschlager.

Die eigentliche Botschaft hinter dem Lazarettschiff

Doch worum geht es hier wirklich? Trumps Interesse an Grönland ist kein Geheimnis. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte er den Kauf der Insel ins Spiel gebracht – ein Vorschlag, der damals weltweit für Kopfschütteln sorgte. Nun, in seiner zweiten Amtszeit, scheint der 47. Präsident der USA subtilere Wege zu suchen, um seinen Fuß in die arktische Tür zu bekommen. Ein Lazarettschiff klingt harmlos, fast wohltätig. Doch es wäre auch eine militärische Präsenz in grönländischen Gewässern – und damit ein Präzedenzfall.

Der Auslöser für Trumps Angebot war bezeichnenderweise die medizinische Evakuierung eines US-U-Boot-Besatzungsmitglieds in grönländischen Gewässern. Dass amerikanische U-Boote in der Arktis operieren, ist angesichts der geopolitischen Bedeutung der Region – Stichwort Nordostpassage, Rohstoffvorkommen, strategische Lage zwischen NATO und Russland – keine Überraschung. Dass Trump daraus jedoch eine öffentlichkeitswirksame Hilfsaktion konstruieren wollte, zeigt einmal mehr seine Vorliebe für das große Spektakel.

Nielsens Forderung nach Respekt

Besonders bemerkenswert war die Aufforderung des grönländischen Premiers an Trump, den Dialog zu suchen, anstatt „mehr oder weniger zufällige Aussagen in den sozialen Medien zu machen". Zusammenarbeit erfordere Respekt vor der Tatsache, dass Entscheidungen über Grönland in Grönland getroffen würden. Eine Aussage, die man in ihrer Klarheit nur begrüßen kann. Souveränität ist kein Verhandlungsgegenstand – eine Lektion, die auch in Europa häufiger beherzigt werden sollte.

Dänemark stellt sich hinter Grönland

Auch Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen sprang ihrem grönländischen Amtskollegen zur Seite und verteidigte das skandinavische Gesundheitsmodell. Man lebe in einem Land mit freiem und gleichem Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle, betonte sie. Die geschlossene Front zwischen Kopenhagen und Nuuk dürfte Trump wenig erfreuen – zeigt sie doch, dass seine Strategie der schrittweisen Einflussnahme auf erheblichen Widerstand stößt.

Für Deutschland und Europa sollte dieser Vorfall ein Weckruf sein. Wenn selbst eine kleine autonome Region wie Grönland den Mut aufbringt, amerikanischem Druck selbstbewusst entgegenzutreten, dann sollte dies auch für die großen europäischen Nationen gelten. In Zeiten, in denen Trump mit seinen massiven Zollerhöhungen von 20 Prozent auf EU-Importe den transatlantischen Handel belastet, wäre ein ähnlich klares Auftreten der europäischen Regierungen mehr als wünschenswert. Stattdessen duckt sich die neue Große Koalition in Berlin allzu oft weg, wenn es darum geht, deutsche Interessen gegenüber Washington zu verteidigen.

Die Arktis wird in den kommenden Jahrzehnten zu einem der wichtigsten geopolitischen Schauplätze der Welt. Wer dort Einfluss gewinnt, kontrolliert Handelsrouten, Rohstoffe und strategische Positionen. Dass Trump dies erkannt hat, kann man ihm nicht vorwerfen. Dass er es mit der Eleganz eines Vorschlaghammers verfolgt, allerdings schon.

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