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26.09.2026
17:04 Uhr
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Gewalt-Song im ZDF: Fernsehräte rügen Intendanten – für die Absage!

Gewalt-Song im ZDF: Fernsehräte rügen Intendanten – für die Absage!
Symbolbild: KI-generiert

Ein Rapper grüßt verurteilte Linksextremisten, das ZDF zieht die Notbremse – und muss sich dafür rechtfertigen. In der Sitzung des ZDF-Fernsehrats in Mainz warfen mehrere Mitglieder Intendant Norbert Himmler am Freitag „Mutlosigkeit“ vor, weil er den Auftritt von Danger Dan in der Satireshow „Die Anstalt“ gestrichen hatte. Himmler blieb bei seiner Linie.

Der Höhepunkt, der nie gesendet wurde

Eigentlich sollte das Lied „Keine Angst“ die 100. Ausgabe der „Anstalt“ im Juli krönen. Thema der Jubiläumssendung: die politische Radikalisierung in Deutschland, der Aufstieg von AfD und BSW. Neben dem Rapper wurde Medienberichten zufolge auch der Pianist Igor Levit ausgeladen.

Was steht in dem Song? Laut Berichten ruft er ausführlich zum Widerstand auf. Man solle sich der Antifa anschließen, eigene Gruppen gründen, „Faschos“ ausfindig machen, bei Nachbarn und Arbeitgebern anschwärzen, Namen und Adressen öffentlich machen. Gegen Ende heißt es unter anderem:

„Keine Angst, nehmt es selber in die Hand / Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang / Koordiniert euch, fangt an zu trainier’n“

Den Schluss bilden „liebe Grüsse an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“. Gemeint sind Medienberichten zufolge Mitglieder der sogenannten „Hammerbande“ – einer linksextremen Gruppe, deren Mitglieder vermeintliche Rechtsradikale angegriffen haben sollen. Einige von ihnen wurden bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Himmler: Kein Maulkorb, sondern Programmfreiheit

Der Intendant verteidigte sich deutlich. Die Senderspitze hätte niemals zugestimmt, ein Lied aufzuführen, das man als Aufruf zur Gewalt verstehen könne. Eine angemessene Einordnung sei in der Sendung selbst nicht möglich gewesen.

„Wir haben weder die Kunst- noch die Meinungsfreiheit eingeschränkt.“

Das ZDF habe sich „in Ausübung unserer Programmfreiheit“ an die eigenen Richtlinien gehalten, so Himmler. Bereits im Sommer hatte er Medienberichten zufolge eingeräumt, dass die Absage zu kurzfristig gekommen sei. An der Entscheidung selbst rüttelte er aber nicht.

Verdi schlägt Alarm, die Arbeitgeber halten dagegen

Die Verdi-Vertreterin Cornelia Berger sprach laut epd medien von einem „nachhaltigen Schaden“. Das Lied hätte eine nötige Debatte anstoßen können. Sie befürchtet eine „abschreckende Wirkung auf andere Redaktionen“. Zur Erinnerung: Acht Fernsehräte hatten schon vor der Sitzung einen offenen Brief gegen die Absage veröffentlicht.

Rückendeckung bekam Himmler von Arbeitgeber-Vertreter Steffen Kampeter. Aufrufe zu Gewalt gehörten nicht zum Programmauftrag, erklärte er sinngemäß. Und er warf den Briefschreibern vor, mit ihrer Aktion das Aufsichtsgremium zu entwerten.

Man reibt sich die Augen. Wer ausgerechnet ein Lied mit Grüßen an verurteilte Gewalttäter zur Frage der Kunstfreiheit erklärt, sollte sich fragen lassen, welchen Maßstab er anlegt. Wie laut wäre der Protest wohl ausgefallen, hätte ein Künstler vom anderen Rand des Spektrums Ähnliches vorgetragen?

Bürgergeld-Doku: „einseitig“ – aber kein Verstoß

Aufschlussreich auch ein zweiter Punkt der Sitzung. Programmbeschwerden gegen die Dokumentation „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“ wies der Rat laut epd nahezu einstimmig zurück. Kritiker hatten der Sendung vorgeworfen, Leistungsbezieher zu stigmatisieren. Einen Regelverstoß sah das Gremium nicht, nannte den Beitrag aber einseitig. Künftig solle mehr auf Ausgewogenheit geachtet werden.

Beobachter dürften darin eine bemerkenswerte Schieflage erkennen: Eine kritische Frage zum Sozialstaat gilt als heikel, ein Gewalt-Song dagegen hat engagierte Fürsprecher im Aufsichtsgremium.

Minus trotz Milliarden-Beitrag

Und die Kasse? Für 2025 meldet das ZDF ein Minus von 78,6 Millionen Euro. Von den gut 2,6 Milliarden Euro Einnahmen stammen 2,2 Milliarden Euro aus dem Rundfunkbeitrag, 165 Millionen aus Werbung und Sponsoring. Für das Programm flossen 1,39 Milliarden Euro, für Personal 480 Millionen Euro. Bezahlt wird all das von den Beitragszahlern – die bei solchen Debatten kaum gefragt werden.

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