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29.07.2026
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Gelöbnis-Eklat im Bendlerblock: Wenn der Ehrengast den Rekruten Befehlsverweigerung predigt

Gelöbnis-Eklat im Bendlerblock: Wenn der Ehrengast den Rekruten Befehlsverweigerung predigt

Es sollte ein Staatsakt der Würde werden, ein feierliches Bekenntnis junger Männer und Frauen zu diesem Land. Was sich am 20. Juli 2026 im Hof des Berliner Bendlerblocks abspielte, war jedoch etwas anderes: eine öffentliche Demütigung der politischen Führung – ausgesprochen von einem Mann, den ebendiese Führung selbst auf die Bühne gehoben hatte. Vor 240 Rekruten, vor versammelter Generalität, vor dem Verteidigungsminister, dessen Miene mehr verriet als jedes Kommuniqué, erklärte der Hauptredner Navid Kermani den angetretenen Soldaten, es werde ihre Pflicht sein, Befehle zu verweigern, sollte eine künftige Bundesregierung sie in einen offenkundig völkerrechtswidrigen Krieg schicken. Als Beispiel nannte er den Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran.

Ein Ort mit schwerer Geschichte

Der Schauplatz ist kein Zufall. Im Bendlerblock in Berlin-Tiergarten saßen nach 1933 zentrale Teile des Oberkommandos des Heeres. Von hier aus wagten Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 den Staatsstreich gegen Hitler. Noch in derselben Nacht wurden Stauffenberg und mehrere Mitverschwörer im Innenhof erschossen. Heute ist das Gebäude zweiter Dienstsitz des Verteidigungsministeriums und Heimat der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Genau deshalb legt die Bundeswehr ihr Gelöbnis bewusst an diesem Datum ab: als Bekenntnis zum Gewissen, nicht zum blinden Gehorsam. Wer diese Tradition ernst nimmt, kann Kermanis Satz kaum als Kampfaufruf gegen die Truppe lesen – das Soldatengesetz selbst verbietet die Ausführung verbrecherischer Befehle. Und dennoch bleibt die Frage: Gehört eine solche Botschaft in die erste Stunde einer militärischen Laufbahn?

Frontalangriff auf den Kanzler

Denn Kermani beließ es nicht bei staatsbürgerlicher Belehrung. Er richtete seine Klinge unmittelbar gegen die Regierungsspitze. Der Bundeskanzler habe es sich zur Gewohnheit gemacht, das Völkerrecht kleinzureden, wo es politisch opportun erscheine. Und weiter:

„Wenn die Herrschaft des Rechts in unseren Außenbeziehungen erodiert, wird es nicht lange dauern, bis sie auch im Innern verächtlich gemacht wird.“

Man mag über die Adressierung streiten – über den Kern nicht. Ein Kanzler, der als einziger westlicher Regierungschef eine Drohung gegen eine ganze Zivilisation verteidigt, liefert seinen Kritikern die Munition gleich mit. Friedrich Merz hat im Wahlkampf Verlässlichkeit versprochen, keine neuen Schulden, außenpolitische Statur. Geliefert wurden ein 500-Milliarden-Schuldenpaket, eine im Grundgesetz zementierte Klimaneutralität und eine Außenpolitik, die sich zwischen Washingtoner Rhetorik und Brüsseler Rücksichten zerreiben lässt. Wer moralische Autorität einbüßt, verliert am Ende auch die Deutungshoheit über die eigenen Rekrutenvereidigungen.

Das eigentliche Versagen sitzt im Ministerium

Und genau hier liegt der eigentliche Skandal: Nicht ein Schriftsteller hat sich verirrt, sondern ein Ministerium, das seinen Hauptredner offenbar nach Feuilleton-Ranking auswählt, ohne die Rede vorher zu kennen. Man holt sich einen der „bedeutendsten deutschen Intellektuellen der Gegenwart“ – und wundert sich anschließend, dass dieser nicht Beifall klatscht, sondern austeilt. Hätte man vorher gewusst, was gesagt würde, hätte Kermani nie am Mikrofon gestanden. Diese Naivität ist symptomatisch für einen Politikbetrieb, der Symbolik über Substanz stellt.

Was bleibt

Bleibt ein bitterer Nachgeschmack: 240 junge Menschen, die sich verpflichten, ein Land zu verteidigen, dessen Führung selbst nicht mehr klar sagen kann, wofür es steht. Bleibt eine Bundeswehr, die zwischen Aufrüstungsrhetorik und Orientierungslosigkeit zerrieben wird. Und bleibt die Erkenntnis, dass die Erosion des Rechts – innen wie außen – am Ende immer den Bürger trifft. In Zeiten, in denen Kriege wieder als Werkzeug der Politik gelten und Staatsschulden im Billionenbereich zur Gewohnheit werden, suchen viele Deutsche nach Beständigkeit. Physisches Gold und Silber sind eine solche Beständigkeit: kein Versprechen, sondern Substanz. Sie schweigen – aber sie halten.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene Recherche und erfolgt auf eigenes Risiko; für Vermögensschäden wird keine Haftung übernommen. Ebenso erbringen wir keine Rechts- oder Steuerberatung.

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