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17.08.2026
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"Gefährlichster Mann Deutschlands": Spiegel-Chef in Erklärungsnot

Ein Titelbild, ein Superlativ – und ein Sturm der Kritik. Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit hat sich am Wochenende erstmals öffentlich für die umstrittene Titelgeschichte gerechtfertigt, die den AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, zum "gefährlichsten Mann Deutschlands" erklärt. Die Erklärung erschien im Morning-Briefing des Magazins – drei Wochen vor der Landtagswahl am 6. September.

Vergleich mit Kriminellen – und ein Rückzieher zugleich

Kurbjuweit nimmt die Zuspitzung nicht zurück. Er legt nach. Siegmunds Vorhaben für Sachsen-Anhalt seien, so der Chefredakteur wörtlich, ein "Anschlag auf die liberale Demokratie", Minderheiten würden das zuerst spüren.

"Denn potenziell sind Politiker wirkmächtiger als Kriminelle. Wenn ein Politiker böse Absichten hat – die allermeisten haben das zum Glück nicht –, kann das böse Folgen für Hunderttausende haben, vielleicht für Millionen."

Bemerkenswert ist, was Kurbjuweit im selben Text einräumt: Siegmund gebe sich freundlich und wirke gewinnend – auch auf Bürger, die nicht rechtsextrem eingestellt seien, sich aber große Veränderungen wünschten. Gerade diese Mischung aus Umgänglichkeit und Radikalität mache ihn aus Sicht des Chefredakteurs gefährlich.

Wahlkampfhilfe wider Willen?

Dass ein Nachrichtenmagazin einem Kandidaten wenige Wochen vor der Wahl die reichweitenstärkste Bühne des Landes bietet, verteidigt Kurbjuweit mit dem Verweis auf journalistische Relevanz: Es gehe nicht darum, wem eine Titelgeschichte nütze oder schade. Dazu zitiert er den legendären Spiegel-Gründer Rudolf Augstein und dessen Maxime "Sagen, was ist".

Der Betroffene selbst dürfte sich die Hände reiben. Siegmund bezeichnete das Cover gegenüber einem Welt-Reporter am Freitag als "sehr gute Werbung" – es zeige jemanden, der sein Land liebe und für dessen bessere Zukunft kämpfe. Auf Instagram veröffentlichte er ein Video, in dem er das Titelblatt signiert.

Wenn Empörung zur Werbekampagne wird

Beobachter der Medienbranche sehen darin ein klassisches Eigentor: Wer einen Politiker zum Sinnbild des Bedrohlichen stilisiert, ihn dabei aber sympathisch lächelnd auf die Titelseite hebt, liefert dem Wahlkampfteam kostenloses Material. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang ein Grundproblem des deutschen Medienbetriebs: Je lauter die moralische Verurteilung, desto größer die Bühne für den Verurteilten.

Die Zahlen hinter der Aufregung

Die Debatte trifft mitten in den Wahlkampfendspurt. Laut aktuellen Erhebungen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt bei 41 bis 43 Prozent – mit klarem Abstand vor der CDU, die in den Umfragen im Bereich von rund 23 bis 26 Prozent gesehen wird. Ein Wahltrend vom 12. August verortete die AfD bei 42,1 Prozent, die Linke bei 13,0, die SPD bei 6,6 und die Grünen bei 4,6 Prozent.

Zum Vergleich: Bei der Landtagswahl 2021 kam die AfD auf 20,8 Prozent. Eine Verdopplung binnen fünf Jahren – das ist die eigentliche Nachricht, die hinter dem Cover-Streit steht.

Warum wählen so viele Menschen in Ostdeutschland so? Diese Frage stellt der Spiegel-Titel nicht. Für viele Bürger ist genau das der Kern des Problems: Statt die Ursachen von Frust über Migration, Energiepreise und wirtschaftlichen Abstieg zu diskutieren, wird über die Etikettierung eines Kandidaten gestritten. Am 6. September werden die Wähler antworten – und keine Titelseite.

Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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