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Kettner Edelmetalle
28.05.2026
06:25 Uhr

Gas-Deal mit Kanada: Berlin sucht den nächsten Strohhalm – und zahlt teuer dafür

Gas-Deal mit Kanada: Berlin sucht den nächsten Strohhalm – und zahlt teuer dafür

Während die deutsche Industrie unter den höchsten Energiepreisen Europas ächzt, bastelt die Bundesregierung an einem weiteren millionenschweren Energie-Abkommen. Diesmal soll es Flüssigerdgas aus Kanada richten. Konkret geht es um rund eine Million Tonnen LNG pro Jahr, die aus dem geplanten Exportterminal Ksi Lisims an der Westküste British Columbias den Weg nach Deutschland finden sollen. Abgewickelt würde der Deal über die staatseigene Sefe (Securing Energy for Europe) mit Sitz in Berlin – ein Unternehmen, das ironischerweise einst als deutsche Gazprom-Tochter firmierte, bevor es 2022 verstaatlicht wurde.

Ein Terminal, das noch nicht existiert

Kanadas Energieminister Tim Hodgson will die Vereinbarung in Vancouver verkünden, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Insider. Eine offizielle Bestätigung steht bislang aus. Pikant: Mit dem Bau des Terminals Ksi Lisims wurde noch nicht einmal begonnen. Geplant ist eine Jahreskapazität von zwölf Millionen Tonnen – damit wäre die Anlage die zweitgrößte ihrer Art in Kanada. Auch Konzerne wie Shell und TotalEnergies sollen sich bereits Lieferverträge über zwanzig Jahre gesichert haben.

Wann das erste Schiff tatsächlich Richtung Deutschland ablegt, bleibt vorerst ein gut gehütetes Geheimnis. Anders ausgedrückt: Berlin unterzeichnet einen Vertrag über Gas, das es so noch gar nicht gibt – aus einer Anlage, die noch nicht steht.

Geografie? Egal, wir kaufen trotzdem

Besonders kurios mutet die logistische Dimension des Geschäfts an. Das Terminal liegt am Pazifik und wäre eigentlich prädestiniert für den Export in den asiatischen Raum. Um nach Europa zu gelangen, muss das Gas entweder den Panamakanal passieren oder die halbe Welt umrunden. Hodgson selbst sprach gegenüber Bloomberg von „mehreren Optionen“: Einige Schiffe sollen den Panamakanal nehmen, andere ihn umfahren, wieder andere Ladungen sollen schlicht mit Abnehmern getauscht werden, die näher an Europa lägen. Klingt nach einem ausgeklügelten Geschäftsmodell oder eher nach einem energiepolitischen Improvisationstheater?

Von Russland abhängig, von Amerika abhängig – jetzt von Kanada?

Die Logik hinter dem Deal ist eindeutig politisch motiviert. Hodgson erklärte, die europäischen Länder wollten keine übermäßige Abhängigkeit von US-Gas mehr eingehen – auch wegen der Spannungen mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump. „Wir können genau diese Alternative sein“, so der Minister. Übersetzt heißt das: Nachdem Berlin zunächst die Nord-Stream-Pipelines zerstören ließ beziehungsweise deren Verlust achselzuckend hinnahm, anschließend in die Arme amerikanischer Frackinggas-Lieferanten flüchtete, sucht man nun den nächsten Strohhalm. Die Reise von der billigen russischen Pipeline-Versorgung über teures US-Frackinggas zu kanadischem LNG, das via Pazifik, Panamakanal und Atlantik anreisen muss, ist eine Lehrstunde in geostrategischer Selbstverstümmelung.

Die Quittung zahlt der deutsche Bürger

Während Politiker in Vancouver Hände schütteln, zahlen Mittelstand, Industrie und Privathaushalte die Zeche. LNG ist im Vergleich zu Pipelinegas grundsätzlich teurer – die zusätzlichen Kosten für Verflüssigung, Verschiffung, Wiederverdampfung und nun auch noch absurde Transportwege treiben die Preise weiter. Deutschland deindustrialisiert sich in einem Tempo, das selbst Pessimisten vor wenigen Jahren für übertrieben gehalten hätten. Die chemische Industrie wandert ab, die Stahlproduktion schrumpft, Maschinenbauer verlagern Werke ins Ausland. Und Berlin? Verkündet stolz den nächsten Gasdeal mit einem Partner auf der anderen Seite des Globus.

Bezeichnend ist zudem, dass auch ein möglicher EU-Beitritt Kanadas inzwischen ernsthaft diskutiert wird. Man fragt sich unwillkürlich, ob die politische Klasse in Brüssel und Berlin die geografische Bedeutung des Wortes „europäisch“ schlicht aufgegeben hat.

Edelmetalle als stilles Korrektiv

Was sich an dieser Geschichte einmal mehr zeigt: Energiepolitik ist in Deutschland längst zur Variable politischer Befindlichkeiten geworden. Versorgungssicherheit, Preisstabilität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit treten hinter ideologische Großwetterlagen zurück. Wer sein Vermögen vor den absehbaren Folgen – steigende Inflation, geschwächte Währung, sinkende Kaufkraft – schützen möchte, tut gut daran, sich nicht ausschließlich auf das Versprechen politischer Entscheidungsträger zu verlassen. Physisches Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässliche Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bewährt – gerade in Zeiten, in denen energiepolitische Manöver wie das aktuelle den Wert von Papierwerten zunehmend untergraben.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Einschätzungen geben die Meinung der Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung. Bei Bedarf sollte ein unabhängiger Finanzberater konsultiert werden.

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