
Fauci schweigt, ABC kürzte: Der Corona-Skandal holt Washington ein

Anthony Fauci, jahrelang das medizinische Gesicht der US-Pandemiepolitik, verweigert erneut die Aussage. Am 14. August ließ der frühere NIAID-Direktor über seine Anwälte mitteilen, dass er nicht zu einem nichtöffentlichen, protokollierten Interview vor dem Untersuchungsunterausschuss von Senator Ron Johnson erscheinen werde. Nur einen Tag später wurde eine zweite Nachricht öffentlich, die den Fall zusätzlich befeuert.
Erst 112 Mal der fünfte Verfassungszusatz – dann gar nichts mehr
Vorgeschichte: Bei einer Anhörung am 29. Juli soll Fauci sich nach Zählung mehrerer Medien rund 112 Mal auf den fünften Verfassungszusatz berufen haben, also auf sein Recht, sich nicht selbst zu belasten. Am 6. August stimmte der zuständige Senatsausschuss mit 8 zu 5 Stimmen entlang der Parteilinien dafür, Fauci wegen Missachtung des Kongresses zu belangen. Die Sache liegt seither beim Justizministerium.
Johnson wurde in einer Mitteilung ungewöhnlich deutlich. Fauci habe einst erklärt, er sei „sehr glücklich, vor jedem Aufsichtsausschuss des Kongresses zu testieren. Ich habe nichts zu verbergen." Johnsons Kommentar dazu:
„Offenbar hat er viel zu verbergen."
Sein Ausschuss werde weiter Unterlagen anfordern und Weggefährten befragen, man prüfe die juristischen Optionen. Bekannt wurde dabei auch: Die Ermittler haben nach eigenen Angaben Faucis damaliges Diensthandy ausgewertet – mit mehr als 34.000 Textnachrichten und 522 Sprachnachrichten.
Faucis Anwälte: politisches Schauspiel und Drohungen
Die Gegenseite widerspricht scharf. Die Anwälte David Schertler und Danny Onorato erklärten laut Medienberichten, ihr Mandant habe in 38 Jahren über 200 Mal vor Ausschüssen ausgesagt oder gebrieft, stets „ehrlich und transparent", und stehe zu allen früheren Aussagen. Eine erneute Vorladung habe keinen gesetzgeberischen Zweck und würde Fauci „in unzulässiger Weise für politische Zwecke belästigen oder erniedrigen". Zudem hätten Fauci und seine Familie seit dem 29. Juli Belästigungen und Morddrohungen erlebt. Den Missachtungsbeschluss nannte Schertler demselben Bericht zufolge ein plumpes politisches Manöver.
Der Bericht, der nie so gesendet wurde
Parallel sorgt eine Schilderung aus dem Inneren des US-Medienbetriebs für Aufsehen. Der langjährige ABC-Korrespondent Terry Moran berichtete in einem Podcast, sein „Nightline"-Beitrag von Anfang 2021 zur Labor-Hypothese sei am geplanten Sendetag noch einmal „geprüft" worden. Das Skript sei an Juristen, an die Standards-Abteilung – und an Fauci gegangen. Er sei „absolut außer sich" gewesen; das ausgestrahlte Ergebnis habe er als unverständlich beschrieben, überladen mit Einschränkungen. Es handelt sich um die Darstellung eines einzelnen früheren Mitarbeiters; eine Bestätigung des Senders liegt uns nicht vor.
Warum das auch in Deutschland zählt
Aus Sicht unserer Redaktion ist das der eigentliche Kern: Nicht das Virus zerstörte Vertrauen, sondern der Umgang mit Zweifeln. Wer damals nach dem Wuhan-Labor fragte, wurde als Verschwörungstheoretiker abgestempelt – heute prüfen Senatsausschüsse genau diese Fragen.
Auch hierzulande gilt die Aufarbeitung als bestenfalls halbherzig: Schulschließungen, ruinierte Betriebe, milliardenschwere Hilfsprogramme – und eine Enquete-Kommission, die viele Bürger für zahnlos halten. Wer Bürgerrechte einschränkt, muss Rechenschaft ablegen. Diese einfache Regel wirkt in Berlin ebenso unbequem wie in Washington.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für alle genannten Vorwürfe gilt die Unschuldsvermutung.












