
Euro-Coup aus Washington: USA stützen den Yen – mit Europas Geld

Es ist ein Vorgang ohne Vorbild: Um den abstürzenden japanischen Yen zu retten, verkaufte die US-Regierung am 31. Juli nicht etwa eigene Dollar – sondern Euro. Die Europäische Zentralbank in Frankfurt erfuhr davon erst, als der Handel längst abgewickelt war. Europas Währung wurde zum Werkzeug amerikanischer Interessenpolitik.
Der Anruf kam einen Tag zu spät
Wie der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf einen Bericht der "Financial Times" meldet, führte die Federal Reserve Bank of New York das Geschäft im Auftrag des US-Finanzministeriums aus – abgewickelt Berichten zufolge über die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley.
Erst am Tag darauf, dem 1. August, sollen EZB-Präsidentin Christine Lagarde und US-Finanzminister Scott Bessent miteinander telefoniert haben. Da war der Yen bereits bewegt, die Position geschlossen, die Sache erledigt.
In der EZB gilt das Manöver Berichten zufolge als beispielloser Bruch: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs galt unter westlichen Notenbanken die ungeschriebene Regel, größere Deviseninterventionen vorher abzustimmen. Diesmal nicht.
Warum Euro und nicht Dollar?
Die Antwort ist so simpel wie entlarvend. Hätte Washington Dollar verkauft, um Yen zu kaufen, wäre das an den Märkten als Abkehr von Bessents demonstrativer Politik des starken Dollars gelesen worden. Ein Signal, das man in Washington offenbar unbedingt vermeiden wollte.
Also griff man in die Euro-Reserven des Exchange Stabilization Fund. Das US-Finanzministerium erklärte dazu laut den Berichten sinngemäß, über die Zusammensetzung dieses Fonds entscheide man selbst – Absprachen mit ausländischen Behörden seien dafür nicht vorgesehen. Ein Sprecher verwies auf Einschätzungen zu Marktliquidität und Bewertungen.
Übersetzt heißt das: Wir nehmen, was gerade praktisch ist. Für die Hüter des Euro dürfte diese Lektion schmerzhaft gewesen sein.
Der wahre Grund liegt in Tokio – und in US-Staatsanleihen
Der Yen war zuletzt auf den schwächsten Stand seit rund vier Jahrzehnten gefallen. Nach der gemeinsamen Aktion von Washington und Tokio erholte sich die japanische Währung von rund 163 auf unter 158 je Dollar und pendelte sich anschließend bei etwa 158,40 ein.
Marktbeobachter sehen hinter dem ungewöhnlichen Eifer der Amerikaner ein handfestes Eigeninteresse: Japan zählt zu den größten Gläubigern der USA. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen waren zuletzt auf den höchsten Stand seit 19 Jahren geklettert. Ein massiver Verkauf japanischer Treasury-Bestände hätte diesen Druck weiter verschärft.
Die Yen-Rettung war also womöglich auch eine Rettung des amerikanischen Anleihemarktes. Bezahlt wurde sie – zumindest technisch – in Euro.
Was das für Europa bedeutet
Aus Sicht unserer Redaktion legt der Vorgang schonungslos offen, wie es um Europas währungspolitisches Gewicht bestellt ist. Man wird nicht gefragt, man wird informiert. Wer glaubte, transatlantische Partnerschaft bedeute Augenhöhe, erlebt gerade eine Lehrstunde in Realpolitik.
Für Sparer bleibt eine unbequeme Erkenntnis: Papierwährungen sind politische Instrumente. Ihr Wert hängt von Entscheidungen ab, die in Hinterzimmern fallen – oft ohne Vorwarnung. Gold und Silber lassen sich dagegen von keinem Finanzminister per Anweisung in den Markt werfen. Genau darin liegt ihr Reiz als physische Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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