
Doppelmoral in Reinkultur: Wie Jens Spahn über sein eigenes Verbot stolpert – und Merz von „Glaubwürdigkeit“ schwadroniert

Es gibt Momente in der deutschen Politik, in denen sich der ganze Zynismus des Berliner Betriebs wie in einem Brennglas offenbart. Der Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist ein solcher Moment. Ein Politiker, der ein Gesetz mitträgt, es öffentlich verteidigt – und es dann für sich selbst kurzerhand aushebelt, indem er ins Ausland ausweicht. Willkommen im Deutschland des Jahres 2026, wo die Regeln offenbar nur für das gemeine Fußvolk gelten.
Der Fall Spahn: Wasser predigen, Wein trinken
Der CDU-Politiker ist nach eigenen Angaben gemeinsam mit seinem Ehemann durch eine Leihmutterschaft Vater geworden – ein Verfahren, das in Deutschland aus guten, tief in unserer Wertordnung verankerten Gründen verboten ist. In einem Schreiben an die Unionsfraktion begründete Spahn seinen Rücktritt damit, dass sein „persönliches Glück“ nicht länger mit seinem politischen Amt vereinbar sei. Der Spagat zwischen privater Entscheidung und öffentlichen Erwartungen, so hieß es sinngemäß, sei größer geworden, als er erwartet habe.
Man reibt sich die Augen. Da regiert ein Land, das seinen Bürgern beim Führen eines Taschenmessers mit dem Strafrecht droht, in dem aber ein hochrangiger Politiker ein von ihm selbst mitgetragenes Verbot mit dem nötigen Kleingeld schlicht umgeht. Die Leihmutterschaft ist hierzulande deshalb untersagt, weil sie Frauen zu vermietbaren Brutkästen degradiert und Kinder zur bestellbaren Handelsware macht. Das Europäische Parlament spricht in diesem Zusammenhang unmissverständlich von Menschenhandel. Doch was juckt das einen, der die finanziellen Mittel hat, sich seine Wünsche im Ausland zu erfüllen?
Es ist das alte Lied: Für das Volk die harten Gesetze, für die Elite der bequeme Ausweg über die Grenze.
Merz und die „Glaubwürdigkeit“ – ein Treppenwitz der Geschichte
Nach Informationen der „Bild“-Zeitung soll Bundeskanzler Friedrich Merz seinen Fraktionschef persönlich zum Rücktritt aufgefordert haben. Anschließend bezeichnete Merz den Schritt als „richtig“ und „unvermeidlich“. Der eigentliche Höhepunkt der Farce aber folgte im Nachsatz: Glaubwürdigkeit sei in der Politik „das höchste Gut“, ließ der Kanzler verlauten.
Man muss diesen Satz zweimal lesen, um seine ganze Absurdität zu erfassen. Ausgerechnet jener Kanzler, der vor der Bundestagswahl im Februar 2025 hoch und heilig versprach, keine neuen Schulden aufzunehmen, und der wenige Wochen später ein 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket durchwinkte, die Schuldenbremse aushebelte und die Klimaneutralität ins Grundgesetz meißelte – dieser Mann belehrt die Nation über Glaubwürdigkeit. Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Merz wirft ganze Findlinge.
Ein Bauernopfer, das nichts kostet
Bis zur Wahl eines Nachfolgers übernimmt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexander Hoffmann kommissarisch die Leitung. Die Fraktion, so beteuerte dieser pflichtschuldig, bleibe „entscheidungs- und handlungsfähig“. Gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder will Merz einen Vorschlag für die Neubesetzung vorlegen. Man tauscht also ein paar Namen aus, rückt ein wenig auf den Stühlen zusammen – und macht ansonsten weiter wie bisher.
Denn eines darf man nicht übersehen: Spahn gibt lediglich den Fraktionsvorsitz ab. Sein Bundestagsmandat samt der üppigen Diäten behält er selbstverständlich. Das ist kein Sturz, das ist ein weiches Landen im Federbett des Berliner Establishments. Von einer strafrechtlichen Aufarbeitung – sei es der ungeklärten Maskengeschäfte aus der Corona-Zeit, sei es der Umstände rund um seinen Kinderwunsch – ist weit und breit nichts zu sehen.
Das eigentliche Problem sitzt tiefer
Der Fall Spahn ist kein Einzelfall, sondern Symptom. Er steht exemplarisch für eine politische Kaste, die sich längst über jenes Volk erhoben hat, dem sie eigentlich dienen sollte. „Quod licet Iovi, non licet bovi“ – was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht gestattet. Diese Haltung ist es, die das Vertrauen in die etablierten Parteien Monat für Monat weiter erodieren lässt. Und es ist beileibe nicht nur die Meinung unserer Redaktion, sondern die tiefe Überzeugung eines Großteils der Bürger dieses Landes, dass es so nicht weitergehen kann.
Ein Kanzler mit Zustimmungswerten im Keller, der jedes zentrale Wahlversprechen gebrochen hat. Ein Fraktionschef, der sich über die von ihm selbst mitgetragenen Gesetze hinwegsetzt. Wer angesichts solcher Zustände noch von einer „Brandmauer“ gegen den politischen Wettbewerber schwadroniert, sollte sich fragen, ob nicht das eigene Haus längst lichterloh brennt. Deutschland braucht keine Politiker, die ihre eigenen Regeln umgehen, sondern solche, die endlich wieder für dieses Land und seine Menschen regieren.
Was bleibt: die Sehnsucht nach echter Beständigkeit
Während in Berlin die Sessel gerückt und die Sprechzettel neu geschrieben werden, stellt sich für den mündigen Bürger eine ganz andere Frage: Worauf kann man sich in einer Welt voller politischer Wortbrüche und ideologischer Kehrtwenden überhaupt noch verlassen? Vertrauen, so lehrt der Fall Spahn, ist in der Politik zur seltenen Ware geworden.
Wer sein Vermögen dem Zugriff einer schuldenfinanzierten Politik und einer schleichenden Geldentwertung entziehen möchte, findet Beständigkeit dort, wo sie seit Jahrtausenden zu Hause ist: in physischem Gold und Silber. Anders als politische Versprechen kennen Edelmetalle keine Kehrtwende, keine gebrochene Zusage und keine Brandmauer. Als Baustein eines breit gestreuten, krisenfesten Portfolios bewahren sie einen Wert, der sich nicht durch Rhetorik zerreden lässt – gerade in Zeiten, in denen die Glaubwürdigkeit derer, die uns regieren, sich in Luft aufzulösen scheint.
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